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Das obige Schreiben des kantonalen Polizeidepartements illustriert, wie weltgeschichtliche Ereignisse unmittelbar Auswirkungen auf die städtische und kantonale Geschichte haben können. Am 8. Mai 1945 schlossen St.Galler Polizeikräfte nach der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands im Auftrag des Bundesrates das Deutsche Konsulat auf dem städtischen Rosenberg. Mit (Ost-)Schweizer Gründlichkeit wurde ein detailliertes Inventar der beschlagnahmten Gegenstände auf 22 maschinengeschriebenen Seiten verfasst. 

Neben Insignien des Deutschen Reiches wurden zahlreiche bürokratische Hilfsmittel konfisziert. Auch ein für das Nazi-Regime typischer Stempel mit der Inschrift «Rasse arisch oder jüdisch» (nicht zu verwechseln mit den bekannten «J»-Stempeln) befand sich darunter.

Im gleichen Dossier der kantonalen Politischen Polizei findet sich ein Bericht des Polizeipostens Thal. Rapportiert wird hier die beobachtete Vernichtungsaktion von Akten des Deutschen Konsulats vom 3. Mai 1945. Offenbar hatte man auf deutscher Seite bereits mit dem baldigen Kriegsende und darauffolgenden Massnahmen der Schweizer Behörden gerechnet. Behilflich bei dieser – aus Sicht des Archivs bedauerlichen – Aktion der Informationsvernichtung war offenbar der St.Galler Altstoffhändler Mario Karrer, ein bekannter Rechtsextremist und ehemaliger Kantonsrat der «Nationalen Opposition».

Archivsignatur: A 116/111 (Akten der Politischen Polizei zum Deutschen Konsulat in St.Gallen)

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