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Diese schwierige Frage stellte Lehrer Böck seiner Klasse. Alle kratzten sich am Kopf. Nach langem Schweigen streckte endlich der kleine Hansli seine Hand in die Höhe und meinte: «Wegen der Helena?» Wie er darauf komme, fragte sein Geschichtslehrer erstaunt zurück, und Hansli erwiderte: «Wäre Helena hässlich gewesen, so wäre Troja nie gefallen!» Sprich: Mit einem unscheinbaren Mauerblümchen wäre der Königssohn Paris sicher nicht nach Troja durchgebrannt, verfolgt vom gehörnten und rasend eifersüchtigem Menelaos!

Ob sich diese Episode so oder ähnlich zugetragen hat, ist leider nicht mit absoluter Sicherheit überliefert. Fakt ist hingegen, dass man den Trojanischen Krieg früher auch in den St.Galler Schulzimmern behandelt hat. Die alten Griechen hatten nämlich ihren festen Platz in der «Welt- und Schweizer-Geschichte» des Rorschacher Realschullehrers Jacob Helg. Auch im Werk «Strom der Zeiten» des Rapperswiler Sekundarlehrers Eugen Halter findet man das Schlachtgeschehen. Mit Speer und Schild bewaffnet stehen sich hier die beiden Helden Achilles und Hektor vor den Stadtmauern Trojas gegenüber, während die Götter im Himmel ihren eigenen Zwist austragen.

Im heutigen Schulfach «Natur, Mensch, Gesellschaft» wird Geschichte nur noch am Rande zusammen mit der Geographie vermittelt. Die sagenhafte Schlacht um Troja dürfte im Unterricht wohl nur noch in den Fächern Latein oder Altgriechisch behandelt werden. Es ist daher anzunehmen, dass künftige Schülerinnen und Schüler den obigen Witz, der übrigens der Renaissance-Literatur entnommen ist, kaum mehr verstehen werden.

Archivsignatur: ZNA 07/0065 (Abbildung "Der Kampf um Troja" von Burkhard Mangold, in: Eugen Halter: Vom Strom der Zeiten. Erster Teil: Urzeit/Altertum/Mittelalter, St.Gallen 1944, 3. Aufl., S. 24)

Und am kommenden Mittwoch erfahren Sie, warum 1864 polnische Flüchtlinge nach St.Gallen kamen.

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