Im Erdkern herrschen Temperaturen von 4800 bis 7700°C. Bereits in rund vier Kilometer Tiefe werden bei uns vielerorts Temperaturen von über 100°C erreicht. Diese CO2-neutrale Energieform eignet sich sowohl zur Gewinnung von Wärme wie auch von elektrischer Energie.
Bei der tiefen Geothermie wird dem Untergrund heisses Wasser entnommen. Falls das geförderte Wasser über 100°C heiss und somit in Form von Wasserdampf vorliegt, kann mittels Gasturbinen elektrische Energie erzeugt werden. Einfacher zu erschliessen sind Wasservorkommen mit geringeren Temperaturen, womit sich Fernwärmenetze betreiben lassen.
Weltweit sind seit Jahrzehnten verschiedene Anlagen im Einsatz, z.B. in Island, Deutschland, Frankreich oder Italien. Auch in der Schweiz gibt es einige wenige, kleine Anlagen. In Riehen BL wird seit dem Jahr 1988 rund 67°C warmes Wasser gefördert um damit ein Fernwärmenetz zu betrieben. Die guten Erfahrungen führen dazu, dass die Anlage ausgebaut wird. Nach den Erdbeben bei den Geothermie-Projekten in St.Gallen und Basel wurde die tiefe Geothermie insbesondere in der Deutschschweiz zwischenzeitlich kaum noch erforscht. Dies hat sich wieder geändert. Abklärungen finden ausser in den westschweizer Kantonen wie Genf, Waadt und Jura auch in Baselland, Aargau und aktuell im Thurgau, aber auch in anderen Kantonen statt. Im Kanton St.Gallen wurde in den Jahren 2024 bis Ende 2025 das vorhandene Wissen analysiert und in zwei Berichten zusammengetragen. Der eine Bericht hat seinen Schwerpunkt eher im nördlichen Kantonsteil und baut stark auf dem Wissen der Geothermiebohrung der Stadt St.Gallen auf. Der zweite Bericht stellt eine kantonsweite Übersicht dar, in dem die lokalen Optionen beschreiben werden.
Der Bund prognostiziert für die Schweiz bis zum Jahr 2050 einen Wärmebedarf von jährlich 90 Terawattstunden. Heute steuert die Geothermie erst 4% zur Wärmeversorgung bei. Das geothermische Potenzial im Kanton St.Gallen ist sehr gross und bietet sich insbesondere zur Gewinnung von Wärme an. Die Aussicht auf diese unerschöpfliche, saubere und kontinuierliche Energiequelle ist bestechend: Sie ist CO2-frei, liefert 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr lokale Energie und braucht wenig Platz.
Im Auftrag des Kantons St.Gallen haben zwei Arbeitsgemeinschaften Grundlagen zur Geothermie im Kanton St.Gallen zusammengetragen. Ab sofort können die beiden sehr umfangreichen Berichte angeschaut und heruntergeladen werden. Wer einen schnellen Überblick über die Nutzungsmöglichkeiten in seiner Region gewinnen will, kommt mit den Faktenblättern des Berichtes Potenzial der mitteltiefen und tiefen Geothermie im Kanton St. Gallen (Seiten 85 bis 94) schnell zu einem Resultat. Ergänzend wird für das Fachpublikum eine Zusammenfassung angeboten, siehe Link <Tiefe Geothermie - Geologische Voraussetzungen im Kanton St.Gallen>. Eine kompakte, einfach verständliche Zusammenfassung folgt.
- Potenzial der mitteltiefen und tiefen Geothermie im Kanton St. Gallen (Fokus geologische Übersicht ganzer Kanton mit regionalen Nutzungsoptionen)
- Kantonale Übersicht zur geothermischen, Nutzung des Untergrunds (Fokus Erkenntnisse der Untersuchungen der Stadt St. Gallen werten, Schlüsse für ganzes Kantonsgebiet)
Zusammenfassung für Fachpersonen
In der Stadt St.Gallen wurde eine 4450 Meter tiefe Bohrung erstellt. Wie erwartet wurde in rund 4300 Meter Tiefe rund 145°C heisses Wasser gefunden. Ohne weitergehende Stimulationen konnten lediglich 5 l/s gefördert werden. In Folge eines unerwarteten Gaszutritts mussten notfallmässig Massnahmen getroffen werden, die zu einem schwachen Erdbeben führten. Wegen dieser Erfahrung und der nicht gesicherten Wirtschaftlichkeit der Anlage wurde das Projekt nicht weiterverfolgt. Die weitere Nutzung des Bohrloches ist noch unklar.
Von Bonaduz bis nach Walenstadt und im unteren Prättigau wurden die geologischen Untergrundverhältnisse aus Sicht der thermischen Nutzung dokumentiert. In verschiedenen Karten sind die Isohypsen der wichtigsten Aquifer-Einheiten zusammengestellt und die in diesen Formationen zu erwartenden Temperaturen erläutert. Gleichzeitig wurde abgeklärt, wo mit welchem Wärmebedarf in den einzelnen Dörfern und Städte zu rechnen ist.
Die schweizerische Eidgenossenschaft hat umfangreiche Kartenwerke zur Geothermie erarbeitet. Ausser dem Rheintal und der Seezebene umfassen diese Kartenwerke die meisten Gebiete des Kantons St.Gallen. In diesen Karten sind die Tiefenlagen verschiedener geologischer Einheiten, die sich zur thermischen Nutzung eignen, dargestellt. Ebenfalls ist ersichtlich, wo mit welchen Untergrundtemperaturen zu rechnen ist, als Beispiel siehe die Karte mit den 60°C Isothermen:
- In Oberriet SG wurde im Jahr 2006 eine Tiefenbohrung (1400 m) erstellt. In rund 850 Meter Tiefe wurden rund 30°C warmes Wasser angetroffen. Die Fördermenge beträgt 15 l/s. Die Anlage wird nicht mehr genutzt, da der neue Besitzer keinen Wärmebedarf hat.
- In Weissbad AI wurde für ein Hotel eine rund 1600 m tiefe Bohrung erstellt. Die maximale Temperatur beträgt 45°C, die Leistung 80 kW resp. 110 MWh/J.
- In Schlattingen TG wird für einen Gemüsebetrieb bis zu 60°C warmes Wasser aus einer Tiefe von 1000 bis 1600 m gefördert und zur Beheizung von Gewächshäuser genutzt.
- Geothermie Schweiz neues Fenster
- Bundesamt für Energie, Geothermie neues Fenster
- Geothermieprojekt Stadt St.Gallen neues Fenster
- GIS-Karten Bund zum Thema Geothermie: Beispiel 60 °C Isothermen neues Fenster
- Bericht zum Nutzungspotenzial der Tiefengeothermie im Fürstentum Liechtenstein neues Fenster
- Geothermie Thurgau; Grundlagenbericht zum Nutzungskonzept neues Fenster
Noch offene Fragen?
Amt für Wasser und Energie
Lämmlisbrunnenstrasse 54
9001 St.Gallen
