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Alt- und Totholz sowie seine Lebensgemeinschaften - rund 6‘000 Arten - sind gute Indikatoren für die Artenvielfalt und für die Naturnähe des Ökosystems. Den weitgehend fehlenden Zerfallsstadien des Waldes und dem Mangel von dickem Alt- und Totholz mit verschiedenen Abbaustadien soll bei der Pflege und Bewirtschaftung des Waldes besondere Beachtung geschenkt werden.

Stehendes und liegendes Totholz entlang der natürlichen Säntisthur im Bereich der Altholzinsel Flis, Politische Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann
Stehendes und liegendes Totholz entlang der natürlichen Säntisthur im Bereich der Altholzinsel Flis, Politische Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann (Foto: Pascal Gmür).

Altholzinseln

Altholzinsel Gschwand in Hemberg
Altholzinsel Gschwand in Hemberg (Foto: Rolf Sieber, Revierförster)

Altholzinseln (AHI) sind naturnahe Bestände in fortgeschrittenem Alter, welche grundsätzlich bis zum natürlichen Zerfall sich selber überlassen werden. Nach dem Absterben verbleiben die Stämme im Bestand – entweder stehend (Dürrständer) oder liegend. Altholzinseln tragen somit langfristig zur Erhöhung des Totholzvolumens im Wald sowie zur Vernetzung von Waldreservaten bei. Davon profitieren beispielsweise Totholzkäferarten, die sich nur eingeschränkt fortbewegen können. Ende 2019 bestanden im St.Galler Wald 74 Altholzinseln mit einer Vertragsfläche von rund 563 ha. 88 % der Altholzinseln gehören öffentlichen Waldeigentümern.

Drei Typen Altholzinseln

Im Kanton St.Gallen bestehen zwei Typen von Altholzinseln. Im Typ A (im Normalwald) wird entweder vollständig auf die Nutzung verzichtet oder es werden mindestens 25 Altholzbäume (i.d.R. Biotopbäume) pro Hektare Wald erhalten. Dies gibt zum Beispiel Privatwaldeigentümern die Möglichkeit Alt- und Totholz zu fördern und weiterhin Holz zu nutzen.

Altholzinseln des Typs B befinden sich im aufgelichteten Wald (Lichter Wald) oder Waldrand. Dank dem starken Auflichten gelangt viel Sonne auf die Biotopbäume. Insbesondere besonntes Kronentotholz, welches auf alten Bäumen und insbesondere auf alten Eichen häufig ist, bildet ein wahres Insekteneldorado.

 

Die Altholzinseln befinden sich im Geoportal.

Biotop- oder Habitatbäume

Biotopbäume, vor allem alte Eichen, werden bei Waldrand- und Lebensraufwertungen stehen gelassen. Alte Eichen wie diese in Kirchberg können bis zu 1'000 Arten einen Lebensraum bieten
Biotopbäume, vor allem alte Eichen, werden bei Waldrand- und Lebensraufwertungen stehen gelassen. Alte Eichen wie diese in Kirchberg können bis zu 1'000 Arten einen Lebensraum bieten (Foto: Pascal Gmür).

Biotopbäume zeichnen sich durch besondere Merkmale, die Baummikrohabiate, aus. Meist handelt es sich um alte und dicke Bäume. Sie bilden im Ökosystem Wald ein Mikrohabitat mit spezifischen Eigenschaften für unterschiedliche Arten und erhöhen so die Waldbiodiversität. Das Erhalten von Biotopbäumen ist unentgeltlicher Bestandteil des Naturnahen Waldbaus, der Schutzwaldpflege nach NaiS oder der Lebensraumaufwertung. Ab 2020 werden im Kanton St.Gallen Biotopbäume zudem finanziell unterstützt. Sie verbleiben bis zu ihrem natürlichen Zerfall im Bestand und bilden wichtige Trittsteine zwischen Waldreservaten und Altholzinseln. Knorrigen Biotopbäume und mystisch vermoostes Totholz schaffen einzigartige Waldbilder. Die Artenvielfalt profitiert hier vom «Nichtstun».

Faszinierendes Totholz

Liegendes Totholz (Moderholz) im Waldreservat Kreisalpen in Nesslau. Totholz ist im Gebirgswald eine wichtige Grundlage für die Naturverjüngung und speichert Feuchtigkeit
Liegendes Totholz (Moderholz) im Waldreservat Kreisalpen in Nesslau. Totholz ist im Gebirgswald eine wichtige Grundlage für die Naturverjüngung und speichert Feuchtigkeit (Foto: Reto Hürlimann, Revierförster).

Alt- und Totholz ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Waldökosystems. Ohne Alt- und Totholz können zahlreicher Organismen nicht überleben. Einige Arten sind das ganze Leben oder Teile davon darauf angewiesen. So finden beispielsweise Brutvögel Nistgelegenheiten in den Höhlen alter Baumstämme. Im Mulm dieser Hohlräume können sich spezialisierte Insektenlarven entwickeln. Diese bilden wiederum für Vögel und andere Insektenfresser eine gefüllte Vorratskammer. Die im Holz vorhandenen Nährstoffe sind auch eine Nahrungsquelle für Rindenpilze.

Lesen Sie mehr über Alt- und Totholz auf: https://totholz.wsl.ch/de/index.html

Für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer

Asthaufen sind kleine Totholzhaufen, die vielen Tieren einen Lebensraum bieten. Das Verbrennen ist verboten und würde die Nährstoffe in den Ästen zerstören
Asthaufen sind kleine Totholzhaufen, die vielen Tieren einen Lebensraum bieten. Das Verbrennen ist verboten und würde die Nährstoffe in den Ästen zerstören (Foto: Rolf Sieber, Revierförster).

Jede Waldeigentümerin und jeder Waldeigentümer kann sich mit wenig oder keinem Aufwand für die Waldbiodiversität einsetzen. Dazu gehören u.a. auf das Mulchen von Strassenrändern zu verzichten oder das Zulassen von «Wildnis». Konkret sollen Alt- und Totholz sowie Efeu, Pioniergehölze und Sträucher erhalten werden. Geeignete Standorte und Waldränder sollen aufgelichtet werden. Die Revierförsterinnen und Revierförster beraten Sie gerne vor Ort im Wald.

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