Mit dem revidierten Energiegesetz stehen Elektrizitätsversorgungsunternehmen ab 2025 vor neuen Anforderungen an die nachweisbare Stromeffizienz. Das Pilotprojekt «WP-01» im Kanton St.Gallen setzt genau hier an und erschliesst ein bislang ungenutztes Potenzial: die systematische Betriebsoptimierung bestehender Wärmepumpen. Es verbindet technische Effizienzgewinne mit einem klaren, anrechenbaren Nachweisprozess – zum Nutzen von EVU, Eigentümern und der Versorgungssicherheit
Mit der Revision des Energiegesetzes (ab 1. Januar 2025) sind Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) verpflichtet, jährliche Stromeffizienzsteigerungen nachzuweisen. Das Pilotprojekt «WP-01» im Kanton St.Gallen setzt bei der Betriebsoptimierung bestehender Wärmepumpen an. Viele dieser Anlagen laufen heute aufgrund suboptimaler Einstellungen ineffizient. Bisher fehlt jedoch ein geschlossener Prozess, um solche Optimierungen als offizielle Effizienzmassnahme beim Bundesamt für Energie (BFE) anrechnen zu lassen, da es sich um Eingriffe im Bestand und nicht um standardisierte Hardware-Austausche handelt. Ein Konsortium aus Energieagentur St.Gallen (EnA), Fachhochschule, EVU und Installateuren entwickelt deshalb einen Nachweisprozess. Durch automatisierte Lastganganalysen und gezielte Eingriffe vor Ort entsteht ein Win-Win-Szenario: EVU erreichen ihre gesetzlichen Effizienzziele und können die Optimierungskosten für die Eigentümer übernehmen.
Ziel
Das übergeordnete Ziel ist die offizielle Anerkennung der Wärmepumpen-Betriebsoptimierung als anrechenbare, nicht standardisierte Massnahme durch das BFE. Dafür wird ein robustes "Wirkungsmodell" entwickelt und validiert, das die tatsächlichen Stromeinsparungen mathematisch und messtechnisch beweist. Das Projekt liefert am Ende eine schlüsselfertige, skalierbare Standardlösung. Dieser funktionierende Workflow – von der automatisierten Erkennung ineffizienter Anlagen über die Umsetzung durch Installateure bis hin zum BFE-Reporting – soll zukünftig von allen Schweizer EVU mit minimalem administrativem Aufwand genutzt werden können.
Potential
Das energetische und wirtschaftliche Potenzial ("Low-Hanging Fruits") ist enorm. Allein in der Stadt St.Gallen weisen schätzungsweise 40% der 2'000 installierten Wärmepumpen Optimierungsbedarf auf. Das entspricht einem Stromeinsparpotenzial von 1.9 bis 9.6 GWh. Kantons- und schweizweit vervielfacht sich dieser Wert drastisch. Da die Optimierungen (z. B. Anpassung der Heizkurve, hydraulischer Abgleich) nur geringen finanziellen Aufwand erfordern, ist die Massnahme volkswirtschaftlich hochgradig effizient. Ein optimaler Betrieb senkt zudem signifikant den Strombedarf im Winter, kappt Lastspitzen, macht die Anlagen "Smart-Grid-ready" und erhöht so die allgemeine Versorgungssicherheit.
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Philipp Dudli
Projektleiter Energieeffizienz in der Wirtschaft
Amt für Wasser und Energie
Lämmlisbrunnenstrasse 54
9001 St.Gallen
