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Moderation


Corinne Riedener

Corinne Riedener (*1984) ist in Untereggen aufgewachsen und lebt in St. Gallen. Nach der Ausbildung zur Grafikerin an der Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung in St.Gallen absolvierte sie an der ZHAW in Winterthur ein Studium in Journalismus und Organisationskommunikation. Sie machte unter anderem auch ein Praktikum beim St. Galler Tagblatt und war als freie Journalistin tätig. Seit 2013 ist Corinne Riedener bei der «Saiten»-Redaktion und prägt das Kulturmagazin der Ostschweiz wesentlich mit.

Referat


Dorothea Stauss

Dorothea Strauss (*1960) ist in St.Gallen keine Unbekannte – im Gegenteil, eigentlich eine Bekannte, für viele eine "alte Freundin". Von 1996 – 2001 leitet sie die Kunsthalle St.Gallen und bereichert die Ostschweiz mit wegweisenden Ausstellungen mit bis heute wichtigen Künstlerinnen und Künstlern wie Cosima von Bonin, Christoph Büchel, Thomas Bayrle, Jonathan Meese. Bereits hier zeichnet sich ein Interesse an gesellschaftsrelevanten Fragestellungen ab.

Zwischen 1997 bis 2005 lehrt sie an der Hochschule der Künste Zürich. 2000 wurde sie mit dem Eidgenössischen Kuratorenpreis ausgezeichnet. 2001 übernimmt sie als Direktorin den Kunstverein Freiburg, 2005 kehrte sie in die Schweiz zurück und übernimmt das Museum Haus Konstruktiv in Zürich. Von 2006 bis 2009 war sie Gründungsvorsitzende der städtischen Arbeitsgruppe für Kunst im öffentlichen Raum in Zürich. Seit 1989 hat Dorothea Strauss zahlreiche Publikationen herausgegeben.

Seit 2013 leitet Dorothea Strauss die Abteilung für Corporate Social Responsibility (CSR) bei der Schweizerischen Mobiliar. Unter dem Dach CSR entstehen unter anderem Forschungsprojekte an Hochschulen (z.B. Klimafolgen Lab Universität Bern) und Innovations-Workshops für KMU, werden schweizweit Präventionsprojekte im Hochwasserschutz unterstützt, ausserdem Projekte zu den Themen Nachhaltigkeit, Gesellschaftsentwicklung und Kunst initiiert. Die genossenschaftliche Verankerung der Mobiliar schafft für diese Projekte die Basis.

Erfahrungsberichte


Stephan Zbinden

Stephan Zbinden ist in der deutsch-frankofonen Stadt Biel-Bienne geboren und aufgewachsen und lebt heute in St. Gallen. Er ist gelernter Kaufmann und Wirtschaftsinformatiker und war während mehr als zwei Jahrzehnten in der Industrie und dem Gesundheitswesen tätig. Nach einer Weiterbildung als Kulturmanger am Stapferhaus in Lenzburg gründet er ein eigenes Büro im Bereich Kulturmanagemement in Zürich. Seit der Spielzeit 2014/15 ist er kaufmännischer und technischer Leiter des Figurentheaters St.Gallen.

Nelly Bütikofer

Nelly Bütikofer ist in klassischem Tanz ausgebildet und belebt seit über 40 Jahren als freischaffende Tänzerin, Choreografin und Regisseurin das Spannungsfeld von Tanz, Theater und Performance. Sie hat viele Arbeiten mit der ihr eigenen unverwechselbaren künstlerischen Handschrift auf die Bühne gebracht. Ihre Stücke zeichnen sich durch einen feinfühligen Spürsinn und subtile Vielschichtigkeit aus. Die Spannbreite ihrer Aktivitäten reicht von etablierten Theater- und Opernhäusern über Kleintheater bis zu Kunsträumen für experimentelle Kunst. 1995 gründet sie die "bühne fasson", ein Kleintheater in Form eines losen Zusammenschlusses von Tanz- und Theaterschaffenden, das sie zwölf Jahre leitet. Die Arbeit des Fasson Theaters ist projektorientiert. Die Eigenproduktionen wurden und werden in der ganzen Schweiz, aber auch in Deutschland und Österreich gezeigt.

Seit 2000 lebt Nelly Bütikofer in Rapperswil-Jona. Während einiger Jahre programmiert sie das Fabriktheater der Alten Fabrik in Rapperswil.

Ihre Arbeiten wurden von der Stadt Zürich, Kanton Solothurn, Kanton Schwyz und natürlich auch dem Kanton St.Gallen ausgezeichnet; im Frühling 2019 bekam sie einen Anerkennungspreis der St.Gallischen Kulturstiftung.

Jüngst zur Aufführung gebrachte Stücke sind unter anderen «Mich wundert, dass ich so fröhlich bin», ein Spiel nach der Erzählung «Spiegelgeschichte» von Ilse Aichinger oder «Cosimo bleibt oben», ein Musiktheater nach der Novelle «Der Baron auf den Bäumen» von Italo Calvino. In Vorbereitung ist «Die Fragwürdigen», eine musikalische Lektüre mit Texten aus Judith Kellers gleichnamigem Erzählband. Im Anschluss an die Kulturkonferenz ist Nelly Bütikofer zudem um 18 Uhr in der Kunsthalle Wil mit einer Performance zu erleben.

Sandro Heule

Sandro Heule, der Bassist und Soundtüftler mit Rheintaler Wurzeln, hat in St.Gallen Jazz studiert. Er ist im Vorstand des Vereins Gambrinus Jazz Plus aktiv und gibt der St.Galler Szene immer wieder frische Impulse. Sei es mit seinen eigenen Klängen, sei es mit den von ihm organisierten Konzerten, wo er verschiedenste Musiker auf der Bühne zusammenbringt. Seine Welt ist der Jazz, die freie Improvisation, er liebt aber auch groovelastige Musik und elektronische Experimente. Solo tüftelt er unter dem Namen Bademeister und bedient mit einem Arsenal analoger Geräte den Dancefloor. An der Bassgitarre ist er aktuell mit den Bands Nicole Durrer 4tet, EDITH, Karl Kave & Dead Kommander und mit der Sängerin Nathalie Maerten aktiv. Als Musiker sucht er immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen; regelmässig kollaboriert er zum Beispiel mit dem Rheintaler Schlagzeuger Carlo Lorenzi, dem New Yorker CD-Manipulator Fa Ventilato und dem Kunstprojekt Loch Noise und mit verschiedensten Musiker der Schweizer Jazz Szene. 

Ilona Ruegg

Ilona Ruegg (*1949) ist in Rapperswil aufgewachsen und lebt nach Jahren in Frankfurt, Brüssel, Turin und Rom seit 2012 in Zürich. Sie studiert 1970 – 1972 an der Université de Vincennes in Paris Skulptur und von 1978 – 1980 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Ihr Werk ist mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden.

Als Konzept- und Installationskünstlerin arbeitet sie an prozessorientierten Projekten, aber auch an Foto- und Zeichnungsserien. Sie entwickelt ihre Arbeiten aus präzisen Fragestellungen zu vorgefundenen Situationen und aktuellen Beobachtungen. Verschiebungen im weitesten Sinn kennzeichnen ihr Interesse. Dabei trifft Bekanntes auf Fremdes, vertraute Abläufe werden unterbrochen, neu geordnet und in andere Zusammenhänge geführt. Seit 2012 entstehen Objekte und Installationen mit Einzelteilen aus architektonischen und gestalterischen Zusammenhängen. «Driver (Double Vision)», eine Installation mit zwei autonom fahrenden, silbrig verhüllten Autos, vereint in eigenartiger Choreografie in sich widersprüchliche Zustände und Sehnsüchte des Menschen. Diese auf Einladung des Amtes für Kultur entstandene Arbeit war bis vor kurzem in Sargans in der Kaverne von ESPROS Photonis AG zu sehen. Das Künstlerhonorar floss voll und ganz in die aufwändige Realisierung. 

Podiumsgespräch


Josef Felix Müller

Josef Felix Müller (*1955) ist Künstler und Verleger und seit 2014 Präsident von Visarte Schweiz, dem Berufsverband der visuell schaffenden Künstlerinnen und Künstler der Schweiz. Wenige Jahre nach seinem Lehrabschluss als Stickereientwerfer 1975 ist er als freischaffender Künstler tätig, als Maler, Bildhauer und Zeichner. 1979–1981 leitet er die St.Galerie. 1981 werden aus einer Ausstellung in Fribourg drei Werke beschlagnahmt; mit seiner Klage und dem Prozess dazu am Europäischen Gerichtshof in Strassburg erreicht er, dass das Recht auf Kunstfreiheit in die Revision der Bundesverfassung aufgenommen wird. 1985 gründet Josef Felix Müller den Vexer Verlag, den er seither und seit einigen Jahren gemeinsam mit Tochter Vera Ida Müller und einer Filiale in Berlin leitet. 1987 ist er Mitbegründer und 1993 bis 1995 erster künstlerischer Leiter der Kunsthalle St.Gallen.

Frauke Jacobi

Frauke Jacobi (*1971) hat die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin in zeitgenössischem Puppenspiel abgeschlossen. An demselben Haus war sie später Gastdozentin, genauso wie an der Figurentheaterschule Stuttgart und der Zürcher Hochschule der Künste. 1995 bis 2001 arbeitete sie als Puppenspielerin, Schauspielerin, Regisseurin, Ausstatterin und Autorin am Puppentheater Halle und am Theater Waidspeicher Erfurt. Seit Januar 2002 ist sie freischaffend an verschiedenen Theaterhäusern in Deutschland und der Schweiz tätig. 2004 gründet sie zusammen mit Frida León Bèraud die DALANG Puppencompany. Seit 2014 ist sie die künstlerische Leiterin des Figurentheaters St.Gallen.

Oft tritt sie in Begleitung von Gertrud auf, dieser etwas schrulligen, aber schlagfertigen Dame auf ihren Knien, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern lieber alle Narrenfreiheiten auskostet. So auch an der Kulturkonferenz 2019. Zwischen den beiden Frauen herrscht selten Einigkeit. Es geht in ihren Auseinandersetzungen immer wieder um Abhängigkeit und Selbständigkeit, Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung, die Sehnsucht ohne den anderen auszukommen und doch einander tief verbunden zu sein. Wie viel Honorar zahlt Frauke Jacobi Gertrud eigentlich für ihre Auftritte?



Nelly Bütikofer und Sandro Heule: siehe oben unter "Erfahrungsberichte"

Weiteres



Beni Bischof, Laser Magazin

Beni Bischof (*1976) ist in Widnau aufgewachsen und lebt seit einigen Jahren samt Familie auch wieder dort. Er gehört zu den erfolgreicheren St.Galler Künstlern einer jüngeren Generation mit zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen und Preisen. Seit 2011 entstehen Künstlerbücher bei Nieves Publishing oder der Edition Patrick Frey, sowohl Bild- wie Textbände. Bereits während der Schulzeit war Beni Bischof gestalterisch tätig. 2004 hat er die Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung in St.Gallen abgeschlossen. Angefangen hat seine Künstlerkarriere mit Magazinen – in der Art, wie sie alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der St.Galler Kulturkonferenz 2019 als Geschenk vorfinden. Es sind günstig produzierte Hefte, in denen er seine Arbeiten, Zeichnungen, Collagen, Texte, Fotos, Gedanken verbreitet. Und die er verkauft. Das Schaffen von Beni Bischof zeichnet sich durch eine ungestüme Produktionslust aus. Neben Zeichnungen, Malerei und Skulptur gehören auch angewandte Kunst, Animationsfilm, Illustration, Environment, Fotografie, Graffiti, Installation, Multiple, Relief, Performance in seinen Bereich. Oft bedient er sich gefundener Objekte, Bilder, Magazinen aus dem Alltag, die er weiterverarbeitet. Es sind ebenso humorvolle wie scharfe Kommentare zur politischen und gesellschaftlichen Realität. Von Beni Bischof stammen auch die Zeichnungen auf der Einladungskarte zur Kulturkonferenz.

Hof zu Wil

Eine über 1000-jährige Geschichte prägt den Hof zu Wil. Die Hälfte davon nimmt die Äbtezeit ein, dann war der Hof während 200 Jahren, bis 1982, Bierbrauerei. Seit gut 40 Jahren steht das imposante Bauwerk unter Bundesschutz, seit 1990 ist es als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. Der Hof zu Wil ist also ein wichtiger Ort für eine vielteilige kulturelle Identifikation.  

Gestartet ist der Hof zu Wil als Burg, gegründet durch die Herren von Toggenburg im 12. Jahrhundert an einem Ort, wo seit 754 der Hof Wila bezeugt ist. Hier entwickelt sich das Städtchen Wil, das im 14. Jahrhundert wirtschaftlich aufblüht und Marktrechte erhält und bis heute durch schmucke Gassenzüge bezaubert. Der Hof zu Wil besteht zu jener Zeit aus dem Turm, einem Palas und einem Hof. Im 15. Jahrhundert und bis zur Französischen Revolution ist der Hof Pfalz und wichtiger Sitz der Äbte des Bistums St.Gallen. Bauliche Veränderungen und Erweiterungen wie das mächtige Walmdach und im 16. Jahrhundert die Kapelle sowie das Haus Roter Gatter formen den Hof architektonisch weiter. Die Äbte festigen zur Reformationszeit von Wil aus ihre Macht und demonstrieren diese mit künstlerischer Üppigkeit. Mitte des 17. Jahrhunderts lässt der aus Mailand stammende Abt Sfondrati die Residenz zeitgemäss barock aus- und umbauen. Ende des 18. Jahrhunderts endet die äbtische Herrschaft. Das Kloster St.Gallen wird 1805 aufgehoben, der Hof zu Wil wird Brauerei. Bauliche Anpassungen an Nutzungsbedürfnisse und Geschmack gehen weiter und verändern den Hof. 1910 wird im dritten Obergeschoss das Ortsmuseum eingebaut. In den 1990er-Jahren wird ein erster Teil des Gebäudes restauriert und für die Öffentlichkeit neu nutzbar gemacht. Zuvor hat die Stiftung Hof zu Wil den Hof samt Nebengebäuden erworben. Seit 2010 befindet sich die Stadtbibliothek im Hof.

In einer weiteren Bauetappe wird zurzeit die Renovation des zweiten und dritten Stocks, des Hauses Roter Gatter und der Dienerschaftskapelle geplant. Dazu gehört auch ein neues Nutzungskonzept dieser weitgehend brachliegenden und in der Regel nicht zugänglichen Räumlichkeiten, zu denen sowohl die Äbtekapelle als auch der imposante Dachstock gehören.

Kaum jemand weiss über den aktuellen Stand der Renovation und die Besonderheiten des Hofs besser Bescheid als Thomas K. Keller vom gleichnamigen Architekturbüro, das mit der Aufgabe der umfassenden Renovation in 3. Etappe betraut ist. Entsprechend exklusiv und spannend ist der zum Abschluss der Kulturkonferenz 2019 angebotene Rundgang mit dem federführenden Architekten.

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Kulturförderung

Amt für Kultur

St. Leonhard-Strasse 40
9001 St.Gallen