17. Oktober bis 17. November 2013
Ausstellung im Kulturraum am Klosterplatz

Aby Warburg (1866 – 1929) gilt als Begründer der Kulturwissenschaften und ist heute aktueller denn je. Die Ausstellung im Kulturraum zeigt eine Rekonstruktion seines unvollendet gebliebenen Hauptwerks, den Mnemosyne-Bilderatlas, der aus 63 Tafeln mit knapp 1000 Bildern besteht. Die Hälfte davon wird in St.Gallen rekonstruiert und exemplarisch in Verbindung gesehen mit Kostbarkeiten aus Stiftsbibliothek und Kantonsbibliothek Vadiana. Denn für Warburg, der als Patient in der psychiatrischen Klinik Bellevue in Kreuzlingen weilte, bedeutete der Weg von Kreuzlingen nach St.Gallen (auch wenn er ihn physisch nie unternahm) der Weg aus dem Verlust der Orientierung in den Raum der Erinnerung aus Bildern. Ein wesentlicher Schritt dazu war sein legendärer Vortrag über das Schlangenritual. Stellvertretend dazu wird auch das Skelett einer Anakonda mit dazugehörender gegerbter Haut den Weg in den Kulturraum finden.

In den letzten Jahren seines Lebens hatte der innovative Kultur- und Kunstwissenschaftler Aby Warburg das Projekt der Mnemosyne im Rahmen der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (KBW) in Hamburg entworfen: es ist eine einzigartige Bildersammlung, in komplexer Weise mit seiner Büchersammlung verbunden. Die Aufstellung der Bücher und die Anordnung der Bilder unterliefen die – wie Warburg sie nannte – „grenzpolizeiliche Befangenheit"  zwischen den Fachgebieten. Den Mnemosyne-Atlas entwickelte Warburg von 1926 bis 1929 im Anschluss an seinen im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen gehaltenen Vortrag über das Schlangenritual der Pueblo-Indianer. Der Atlas blieb zwar unvollendet, aber selbst als Skizze ist er ausserordentlich inspirierend. Unzählige Künstlerinnen und Künstler referieren heute auf Warburgs Bilderatlas.

Das durch den St.Galler Künstler Peter Kamm vermittelte Ausstellungsprojekt zum Mnemosyne-Bilderatlas im Kulturraum am Klosterplatz in St.Gallen präsentiert die erste Hälfte der Tafeln und bietet damit eine einmalige Gelegenheit der direkten Lektüre. Gezeigt und diskutiert wird eine Rekonstruktion im Originalformat. Dazu gesellen sich ausgewählte Exponate aus der unmittelbar benachbarten Stiftsbibliothek und der Kantonsbibliothek Vadiana dazu. Damit können einerseits die Entstehungsbedingungen des Atlas sichtbar gemacht werden, andererseits auch seine Bestimmung, eine Kommunikation zu provozieren, aktiviert werden, in diesem Fall eine Kommunikation zwischen den Bibliotheken, die in unterschiedlichen Räumen und Zeiten stehen.

Begleitveranstaltungen

Datum Thema
Freitag, 18. Oktober
Samstag, 19. Oktober Sonntag 20. Oktober
je 11 bis 13 Uhr und 14 bis 16 Uhr

Crashkurs für Bilderfahrzeuge und Planetenkinder
Einführung in den Bilderatlas von Aby Warburg und detaillierte Analyse der Tafeln A,B und C sowie der Tafeln 1 bis 39 durch Roberto Ohrt und Philipp Schwalb, 8. Salon, Hamburg

 

18. Oktober bis 17. November

Eröffnung: Freitag, 18. Oktober, 19 Uhr

 

Die gute Nachbarschaft
Zur Aktualität von Aby Warburg, erforscht und ausgestellt in der Kunstbibliothek Sitterwerk
Einführung Marina Schütz

 

Sonntag, 3. November 17 Uhr

Tätigkeitsungeheuer
Ton und Erkennen als Gegengift
Performances in verschiedenen Medien mit Notker Helfenberger, Frank Hesse, Axel Heil, Peter Kamm,
8. Salon

 

 

Mittwoch, 13. November 18 Uhr Aby Warburgs Konstellationen
Zum Denken in Bildern und die Bedeutung heute
Sonntag, 17. November 16 Uhr Schweben und Kleben
Einstündige Auslage von Fotos von Katalin Deér

Als besonders Angebot der Vermittlung und Erarbeitung finden in einem öffentlichen dreitätigen Seminar eine Einführung zum Bilderatlas und detaillierte Besprechungen der insgesamt 31 gezeigten Tafeln durch Roberto Ohrt und Philipp Schwalb statt: "Crashkurs für Bilderfahrzeuge und Planetenkinder"amFreitag, 18. Oktober bis Sonntag, 20. Oktober, jeweils 11 bis 13 und 14 bis 16 Uhr. Es ist möglich, auch nur bei einzelnen Sitzungen dabei zu sein.

Das Kinok, Cinema in der Lokremise, zeigt im November ein zu Aby Warburg frei assoziiertes Filmprogramm. www. kinok.ch

Informationen

Führungen für Gruppen und Schulen
Zusätzlich sind Extraführungen für Gruppen und Schulklassen möglich. Buchungen senden Sie an: ursula.badrutt@sg.ch

Informationen und Auskünfte
Weitere Informationen und Auskünfte erhalten Sie unter: Tel. 058 229 38 73 oder per Mail an ursula.badrutt@sg.ch

Bildmaterial
Anfragen für Bildverwendungen richten Sie bitte an Frau Ursula Badrutt unter Tel. 058 229 38 73 oder per Mail an ursula.badrutt@sg.ch. Die hochaufgelösten Daten werden Ihnen zugesandt.

Noch offene Fragen?

Kulturförderung

Amt für Kultur

St. Leonhard-Strasse 40
9001 St.Gallen