Newsletter für Personen aus der Ukraine im Kanton St.Gallen
29. Juli - 5. August 2022
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Schweiz!
Grüezi mitenand! Am 1. August feiert das ganze Land den Nationalfeiertag der Schweiz. In dieser Feiertags-Ausgabe unseres Newsletters erfahren Sie deshalb Wissenswertes über die Geschichte des 1. August, über interessante lokale Veranstaltungen sowie über das politische System der Schweiz und ihrer 26 Kantone.
Bitte beachten Sie, dass während der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag fast überall im Land Feuerwerke gezündet werden. Wenn Sie, Ihre Kinder oder Ihre Haustiere Angst vor Feuerwerksgeräuschen haben, ist es besser, diesen Tag im Ausland zu verbringen (z. B. in Österreich oder Deutschland). Der 1. August ist ein nationaler Feiertag, daher sind alle Geschäfte und Einrichtungen geschlossen.
Ausserdem erfahren Sie in diesem Newsletter, wo Sie Hilfe erhalten, falls Sie sich dafür entscheiden sollten, definitiv in die Ukraine zurückzukehren.
Wenn Ihnen dieser Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn doch Ihren Freunden im Kanton St.Gallen. Unter diesem Link können Sie sich anmelden: sg.ch/ukraineinfo neues Fenster
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Mit freundlichen Grüssen, Alina Mosendz-Manser
Rückkehrhilfe
Die Rückkehrberatung ist die Anlaufstelle für Personen aus dem Asylbereich, welche die Schweiz freiwillig oder pflichtgemäss verlassen. Rückkehrhilfe beinhaltet ein System von Leistungen, mit dem eine Rückkehr gefördert wird. Im Kanton St. Gallen werden die Asylsuchenden bereits zu Beginn ihres Aufenthalts über Leistungen und Bedingungen der Rückkehrhilfe informiert und haben jederzeit Zugang zu einer individuellen Beratung. Die Rückkehrberatung hilft ausreisewilligen Personen bei der Vorbereitung und Organisation ihrer Rückkehr. Sie informiert über die vom Staatssekretariat für Migration gewährte Rückkehrhilfe.
Die Rückkehrberatungsstelle übernimmt die Koordination zwischen dem Staatssekretariat für Migration (SEM) neues Fensterund den dezentralen Beratungsstellen. Sie arbeitet eng mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) neues Fenster in Bern zusammen.
Staatsangehörige der Ukraine, die den S-Status erhalten haben und freiwillig und definitiv in die Ukraine zurückkehren wollen, können nach individueller Prüfung durch das Staatssekretariat für Migration (SEM) eine Rückkehrhilfe erhalten. Diese beträgt bis zu 500 Franken pro Erwachsener, bis zu 250 Franken pro Kind und bis zu 2000 Franken pro Familie. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den angegebenen Beträgen um die maximal möglichen Beträge handelt. Die endgültige Entscheidung über die Höhe der Finanzhilfen trifft das SEM.
Bitte beachten Sie, dass Sie in diesem Fall die Sozialhilfe verlieren und auf Ihren S-Status verzichten, hierfür wird eine Verzichtserklärung unterschrieben.
Wenn Sie im Kanton St. Gallen gemeldet sind, können Sie einen Termin für eine Rückkehrberatung vereinbaren. Melden Sie sich dafür bei: rkb.migrationsamt@sg.ch (vorzugsweise auf Deutsch oder Englisch).
Geschichte des Schweizer Nationalfeiertags
Das Datum des 1.Augusts bezieht sich nicht auf die Gründung des Bundesstaates Schweiz mit den Grenzen, wie wir ihn heute kennen, sondern auf das älteste Verfassungsdokument der Schweiz: den Anfang August 1291 unterzeichneten Bundesbrief. Darin schlossen die drei Innerschweizer Talgemeinschaften Uri, Schwyz und Nidwalden ein Abkommen über den gemeinsamen militärischen Widerstand gegen Bedrohungen von aussen. Zumindest der Legende nach sollen diesen Bund drei Männer auf der Rütliwiese mit erhobenen Schwurfingern besiegelt haben. Der Bundesbrief wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts als Gründungsurkunde der Schweizerischen Eidgenossenschaft anerkannt - und der 1. August offiziell zum Nationalfeiertag erklärt. Dies, obwohl der Bundesbrief keinen direkten Einfluss auf die Gründung des modernen Bundesstaates in seiner heutigen Form hatte. Dieser entstand erst 1848 mit der ersten Schweizer Bundesverfassung.
Das politische System der Schweiz: Föderalismus, direkte Demokratie und Neutralität
Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist ein Bundesstaat, bestehend aus 26 Kantonen, die jeweils eine eigene Verfassung, ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und eine eigene Justiz haben. Die Schweiz ist ein föderalistischer Staat. Das bedeutet, die Macht ist auf drei politische Ebenen aufgeteilt - Bund, Kantone und Gemeinden (von denen es 2148 gibt). Ausserdem herrscht in der Schweiz Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive und Judikative sind voneinander unabhängig. Auch dies verhindert eine Konzentration der Macht. Die heutigen Grenzen der Schweiz wurden 1815 festgelegt und anerkannt. Das politische System basiert auf der Bundesverfassung von 1848. Bern gilt de facto als Hauptstadt. Streng rechtlich gesehen hat die Schweiz aber keine offizielle Hauptstadt und Bern ist nur der Sitz des Bundesrates, der Bundesversammlung und der Bundesverwaltung.
Der Schweizer Bundesrat besteht aus sieben vom Parlament gewählten Mitgliedern. Jedes Mitglied ist Vertreterin oder Vertreter einer politischen Partei. Die vereinigte Bundesversammlung (Parlament) hat 246 Mitglieder, die vom Volk gewählt werden. Das parlamentarische System besteht aus zwei Kammern: dem Nationalrat (200 Mitglieder) und dem Ständerat (46 Mitglieder, zwei pro Kanton bzw. eines pro Halbkanton). Parlamentswahlen finden alle 4 Jahre statt. 11 Parteien sind im Parlament vertreten. Aktuell teilen die vier stimmenstärksten Parteien die sieben Bundesratssitze unter sich auf. Ein Mitglied des Bundesrates wird von der Bundesversammlung jeweils für ein Jahr zur Bundespräsidentin oder zum Bundespräsidenten ernannt. Anders als in der Ukraine wird die Präsidentin oder der Präsident nicht in nationalen Wahlen gewählt und hat weniger Einfluss. Die Schlüsselfunktion besteht in der Repräsentation, vor allem in aussenpolitischen Beziehungen.
Dank der direkten Demokratie können sich Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz an vielen politischen Prozessen beteiligen. Drei- bis viermal im Jahr finden Abstimmungen zu verschiedenen Themen statt. Die Abstimmung erfolgt in der Regel schriftlich. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten per Post Informationshefte und Stimmzettel. Diese müssen sie innerhalb einer bestimmten Frist mit ihrer Stimme einsenden oder am Tag der Abstimmung in die Urne werfen. Die Kantone Glarus und Appenzell Innerrhoden führen jedoch nach wie vor sogenannte Landsgemeinden durch. Das sind Abstimmungen per Handzeichen auf den zentralen Plätzen der Kantonshauptstädte. Die Landsgemeinde ist eine die Urform der Schweizer Demokratie, die erste historisch belegte Landsgemeinde fand im Jahre 1294 statt.
Neben Föderalismus und direkter Demokratie ist die Neutralität eine weitere wichtige Säule der Schweizer Politik. Die Schweiz ist seit 1815 international als neutraler Staat anerkannt. In der Praxis bedeutet dies, dass sich die Schweiz nicht an Kriegen beteiligen, sondern nur die Selbstverteidigung sicherstellen darf. Bezüglich Rüstungsgüter muss sie alle Kriegsparteien gleich behandeln. Ausserdem darf sie den Kriegsparteien weder Söldner noch ihr Territorium zur Verfügung stellen. Um jedoch die eigene Verteidigungsfähigkeit zu gewährleisten, verfügt die Schweiz über eine Armee und unterhält eigene Streitkräfte auf angemessenem Niveau. Die Schweiz ist kein NATO-Mitglied, kooperiert aber mit der Allianz in den «Partnership for Peace»-Programmen.
26 Schweizer Kantone
Von den 26 Schweizer Kantonen gelten 20 als Vollkantone und 6 als Halbkantone. Der einzige Unterschied zwischen den beiden ist, dass Halbkantone nur eine Vertreterin oder einen Vertreter im Ständerat haben, Vollkantone haben deren zwei. Mit gut 7000 km² ist Graubünden der flächenmässig grösste Kanton, am kleinsten ist Basel-Stadt mit 37 km².
Der Kanton St.Gallen entstand 1803 neues Fenster. Seine Grenzen sind nicht natürlich gewachsen, sondern wurden damals von Frankreich gezogen. So entstand die einzigartige Form unseres Kantons: Mit den im Zentrum umschlossenen Kantonen Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden ähnelt sie einem Ring.
Die vier offiziellen Sprachen der Schweiz
Da die Schweiz vier Landessprachen hat, kursiert unter Ukrainerinnen und Ukrainern der Mythos, dass die ganze Schweiz vier Sprachen spricht. Das ist jedoch nicht der Fall. Deutsch ist am weitesten verbreitet und in 21 Kantonen Amtssprache, Französisch in sieben, Italienisch in zwei und Rätoromanisch nur in einem. Gibt es jetzt also 31 Kantone? Nein, natürlich nicht. Die meisten Kantone haben zwar nur eine Amtssprache, einige aber haben zwei, weil sie einen deutschsprachigen und einen französischsprachigen Raum umfassen, und der Kanton Graubünden hat mit Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch sogar drei. Die rätoromanische Sprache wurde übrigens erst 1938 als Landessprache und 1996 auch als offizielle Amtssprache anerkannt.
Wenn Sie also im französischsprachigen Kanton Neuchâtel sind, werden Sie dort wahrscheinlich wenige muttersprachlich deutsch-, italienisch- oder romanischsprachige Menschen treffen. Ebenso hat unser Kanton St.Gallen nur Deutsch als Amtssprache, nicht alle vier Landessprachen gleichzeitig.
Wie feiert die Schweiz den 1. August?
Viele Gemeinden organisieren zum Nationalfeiertag ein Fest für die Bevölkerung. Wenn Sie an diesen Feierlichkeiten teilnehmen möchten, erkundigen Sie sich bei der Gemeindeverwaltung über Ort und Zeit.
Am Abend des 1. August wird in einigen Bergregionen ein weithin sichtbares Höhenfeuer entzündet. Für diese Tradition werden meterhoch Holzscheite aufgetürmt und angezündet. Wenn Sie also ein solches Höhenfeuer sehen, haben Sie keine Angst, es ist kein Waldbrand. Bei trockener und heisser Witterung verhängen die Kantone jedoch manchmal ein totales oder teilweises Feuerverbot.
Brunch auf dem Bauernhof
Eine weitere Tradition ist der 1.August-Brunch auf dem Bauernhof. Dies ist eine großartige Gelegenheit, nicht nur die Arbeit der lokalen Bauern zu sehen, sondern auch um Leute kennenzulernen. Und besonders für Kinder ist es schön, die Bauernhoftiere zu sehen. Beim Brunch gibt es eine große Auswahl an traditionellen Gerichten zu probieren - zum Beispiel Rösti mit Spiegelei, hausgemachtes Brot sowie Käse- und Fleischspezialitäten. Bitte beachten Sie, dass für diese Veranstaltungen eine Voranmeldung erforderlich ist, da die Anzahl der Gäste limitiert ist. Insgesamt 21 Bauernhöfe im Kanton St.Gallen öffnen dieses Jahr ihre Türen für einen festlichen Brunch. Die Teilnahme kostet für einen Erwachsenen rund 30 Franken, Kinder bezahlen einen reduzierten Preis.
Hier finden Sie eine Liste der St.Galler Bauernhöfe mit Brunch am 1. August neues Fenster
Achtung! Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe
Aufgrund der heissen und trockenen Witterung gilt seit dem 27.Juli ein teilweises Feuerverbot.
Im Kanton St.Gallen ist im Wald und in Waldesnähe (im Abstand von 200 Metern zum Wald) das Entzünden von Feuer und Abbrennen von Feuerwerk sowie das Wegwerfen von brennenden Streichhölzern und Raucherwaren bis auf Widerruf verboten.
Generell verboten ist das Steigenlassen von Himmelslaternen (auch Ballone mit Wunderkerzen, Kong-Ming-Laternen, Glück- oder Wunschlaternen).
Wer dagegen verstösst, wird gebüsst.