Der Bildungsrat des Kantons St.Gallen hat Massnahmen beschlossen, um die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in der Volksschule gezielt zu stärken. Er will die Bildungsungleichheiten frühzeitig sichtbar machen und den Französischunterricht weiterentwickeln.
Die Erkenntnisse aus der nationalen Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) 2023 im Bereich Sprachen im 11. Schuljahr zeigen für den Kanton St.Gallen insgesamt ein stabiles Leistungsniveau. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass vor allem die soziale Herkunft, Unterschiede zwischen Mädchen und Knaben sowie die Motivation einen grossen Einfluss darauf haben, ob Schülerinnen und Schüler die sprachlichen Grundkompetenzen erreichen.
Der Bildungsrat hat deshalb für die Jahre 2027 bis 2031 zwei Projektaufträge erteilt. Die Massnahmen bauen bewusst auf bestehenden Strukturen auf und berücksichtigen den Handlungsspielraum der Schulträger. Sie sollen einfach nutzbar sein und gleichzeitig helfen, Bildungsungleichheiten frühzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen. Im Zentrum stehen drei Schwerpunkte: der Aufbau eines kantonalen Bildungsmonitorings, die gezielte Förderung der Lesekompetenz sowie die Weiterentwicklung eines motivierenden und qualitativ hochwertigen Unterrichts in der zweiten Landessprache Französisch.
Bildungsmonitoring als Basis für gezielte Förderung
Mit dem Bildungsmonitoring sollen Schulträger künftig systematisch über Daten zum sozioökonomischen Hintergrund ihrer Schülerinnen und Schüler verfügen. Damit sollen Ressourcen, Förderangebote oder Klassengrössen gezielt gesteuert und Bildungsungleichheiten frühzeitig erkannt werden können. Die Umsetzung ist im Zusammenhang mit dem neuen Volksschulgesetz vorgesehen.
Zudem startet der Kanton das Projekt «Lesekompetenzen». Schulen und Lehrpersonen sollen zwischen 2027 und 2031 mit freiwilligen, niederschwelligen Angeboten unterstützt werden. Geplant sind unter anderem Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen, praxisorientierte Hilfsmittel zur Diagnostik und Förderung der Lesekompetenz, die stärkere Einbindung von Bibliotheken sowie eine Übersicht über bestehende Praxisprojekte und Förderangebote.
Neue Ansätze für einen motivierenden Französischunterricht
Das Thema der Sprachenstrategie wird derzeit im Rahmen der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) diskutiert. Um den Sprachenunterricht zu verbessern, besteht aus Sicht der EDK Anpassungsbedarf bei den Bildungszielen und den Lehrplänen. Ergänzend dazu hat der Bildungsrat für den Französischunterricht auf kantonaler Stufe bereits heute Massnahmen beschlossen.
Mit dem Projekt «Motivation zweite Landessprache» sollen gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule St.Gallen und Fachpersonen aus der Praxis neue Ansätze entwickelt werden. Im Fokus stehen motivierende Unterrichtsformen, authentische Sprachbegegnungen sowie Austausch- und Mobilitätsangebote über die Sprachgrenzen hinweg. Zusätzlich wird geprüft, ob eine vertiefte Zusammenarbeit mit einem Partnerkanton möglich ist.
Arbeitsgruppe hat ÜGK-Daten ausgewertet
Die Analyse ist unter Einbezug der Pädagogischen Kommission Volksschule erfolgt. Eine Arbeitsgruppe hat die Daten ausgewertet und sie mit Einschätzungen aus der Schulpraxis ergänzt. Zusätzlich haben Austausche mit Schulleitungen sowie Fachpersonen aus Hochschulen, Bibliotheken und dem Lehrmittelbereich stattgefunden. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für die nun beschlossenen Massnahmen.
