Bibliotheken sind heute mehr als Orte zum Lesen und Lernen. Sie bringen Menschen zusammen und fördern den Austausch zwischen verschiedenen Generationen und Bevölkerungsgruppen. Am St.Galler Bibliothekstag vom 28. Mai 2026 diskutierten Fachpersonen über die Chancen und Herausforderungen von Bibliotheken als soziale Treffpunkte. Zudem wurde der St.Galler Bibliothekspreis verliehen.
Die Kantonsbibliothek Vadiana organisiert gemeinsam mit der Bibliothekskommission jedes Jahr den kantonalen Bibliothekstag, an dem auch der Bibliothekspreis verliehen wird. Aus den eingereichten Projekten schlug die kantonale Bibliothekskommission vier innovative und wegweisende Projekte dem Publikum vor. Dieses Jahr ausgezeichnet wurde die Bibliothek Walenstadt mit dem Projekt «Stadtner Lesesommer 2025». Wie die Bibliothek Walenstadt berichtet, haben 104 Mädchen und Jungen das gemeinsame Lesesommerziel erreicht. Die Kooperation der Bibliotheksverantwortlichen mit den Lehrpersonen zeigte breite Wirkung und trug zur Förderung der Lesekompetenz und Lesefreude bei den Stadtner Kindern bei.
Der Bibliothekspreis ist mit 2'000 Franken dotiert. Mit dem Preis fördert die Bibliothekskommission die Weiterentwicklung der Bibliotheken und würdigt deren geleistete Arbeit.
Soziale Treffpunkte für alle Generationen
Aufbauend auf den Diskussionen und Inputs des letztjährigen Bibliothekstags zur wichtigen Rolle der Bibliotheken bei der Demokratieförderung und Meinungsbildung widmet sich das aktuelle Thema des Bibliothekstags den Chancen und Grenzen der Bibliothek als Raum für soziale Interaktion.
Bibliotheken schaffen nicht nur die Möglichkeit, dass Menschen sich begegnen, sondern auch, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, kulturellen Hintergründen, Bildungsniveaus, Altersstufen und Interessen austauschen können. In einer Bibliothek sind Menschen im Austausch, sie lernen in der Diskussion voneinander. Das Medien- und Veranstaltungsangebot konfrontiert sie mit neuen Ansichten, Erfahrungen und Wissenswelten und lädt so ein, das eigene Denken zu hinterfragen. Gerade in Zeiten zunehmender sozialer Isolation gewinnen Bibliotheken als öffentliche Orte für alle an Bedeutung.
Gemeinsam Lösungen für die Bibliothek der Zukunft entwickeln
In dieser Weise ein sozialer Ort zu sein, ist für die Bibliotheken nicht nur eine Chance, sondern auch eine Herausforderung. Offen für alle zu sein, stellt andere Ansprüche nicht nur an die Infrastruktur, sondern auch an das Medien- und Veranstaltungsangebot und nicht zuletzt an die fachlichen und menschlichen Kompetenzen des Personals. Wie gehen Bibliotheken mit diesen vielfältigen und sich teilweise vielleicht auch widersprechenden Anforderungen um? Wie können sie Begegnung fördern und gleichzeitig klare Rahmenbedingungen dafür schaffen?
Der Bibliothekstag bot Raum, um Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen sichtbar zu machen und gemeinsam über zukunftsfähige Lösungen nachzudenken. Die fachlichen Inputs der Fachstelle Alter und Gesundheit der Stadt Rapperswil-Jona, die Erfahrungen der Stadtbibliothek Rapperswil-Jona und der persönliche Austausch unter den anwesenden Bibliothekarinnen und Bibliothekaren brachten wertvolle Impulse und neue Perspektiven auf die Chancen und Grenzen der Bibliothek als sozialer Ort.
