Längere Trockenperioden mit erheblichen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt haben wir in den Jahren 2003, 2015, 2018 und 2022 auch in der Ostschweiz erlebt. Solche niederschlagsarmen Zeiten können gemäss Klimaprognosen in Zukunft häufiger auftreten. Diese Seite informiert über die aktuelle hydrologische Situation in den Bächen, Flüssen und im Grundwasser im Kanton St.Gallen.
Informationen zur aktuellen Lage
Allgemeine Lage (08.06.2026):
Im Winter 2025/2026 und im Frühling 2026 gab es im Kanton St.Gallen ein Niederschlagsdefizit. In den letzten sechs Monaten fiel nur 50 bis 80% der durchschnittlichen Niederschlagssumme. Durch die in der letzten Woche gefallenen Niederschläge hat sich die Trockenheitssituation lokal etwas gebessert. Konkret kam es zu einem Anstieg der Abflussmengen und Seepegel. Trotzdem sind die Wasserstände weiterhin unterdurchschnittlich und für die Jahreszeit tief bis sehr tief. An 24% der Messstationen im Kanton wird bereits wieder Niedrigwasserabfluss gemessen. Die Grundwasserstände konnten sich durch einen zweiten schneearmen Winter in Folge nicht nachhaltig auffüllen und liegen bei einem Drittel der Messstationen in einem sehr niedrigen Bereich. Die Wassertemperaturen im Tagesverlauf liegen für Wasserlebewesen noch in einem unkritischen Bereich.
Mögliche Entwicklung:
Heute, Montag, gelangt die Schweiz auf die Vorderseite eines Tiefs über der Nordsee. Die südwestliche Höhenströmung verstärkt sich und es wird feuchtwarme, instabil geschichtete Luft zum Alpenraum geführt. Am Abend und in der Nacht auf Dienstag erfasst von Westen her eine Kaltfront die Schweiz, die am Dienstag über den zentralen und östlichen Landesteilen noch länger liegen bleibt. Am Mittwoch verbleibt die Schweiz im Einflussbereich eines vor allem in höheren Luftschichten ausgeprägten Tiefs, welches kühle und feuchte Luft zur Alpennordseite führt. Die ganze Woche sind eher kühle Temperaturen angesagt. Längerfristig wird ein umfangreiches Hochdruckgebiet über Mittel- und Westeuropa erwartet, was sonnige Tage und hohe Temperaturen zur Folge hat.
Zusammenfassung:
Aufgrund der gefallenen Niederschläge hat sich die Trockenheitssituation in einigen Regionen etwas gebessert. In der nächsten Woche wird sich die Situation tendenziell wieder verschärfen. Der Wasserstand in den Bächen und Flüssen ist regional tief, für die Saison teilweise sehr tief. Der Seepegel des Bodensees ist tief und liegt knapp über dem saisonalen Minimum, der Seepegel des Walensees liegt im saisonal üblichen Schwankungsbereich. Die Wassertemperaturen liegen um das saisonale Mittel. Für den Kanton St.Gallen wird im Nordteil lokal eine Trockenheitslage der Stufe 2 bis Stufe 3 erreicht. Für eine Verbesserung der Lage werden langanhaltende und flächendeckende Niederschläge benötigt. Der Kanton St.Gallen appelliert an die Bevölkerung, sparsam mit Wasser umzugehen.
Die aktuellen Messwerte finden Sie unter: www.hydrodaten.sg.ch neues Fenster
Die nächste Beurteilung folgt am 15.06.2026.
Bulletin zur aktuellen Lage
Situation der Trockenheit (Seen, Flüsse und Grundwasser)
| Region | Gefahrenstufe |
|---|---|
| St.Gallen - Rorschach | mässige Gefahr |
| Rheintal | mässige Gefahr |
| Werdenberg | mässige Gefahr |
| Sarganserland | keine oder geringe Gefahr |
| Seeztal | keine oder geringe Gefahr |
| Linthgebiet | mässige Gefahr |
| Obertoggenburg | mässige Gefahr |
| Untertoggenburg | mässige Gefahr |
| Neckertal | erhebliche Gefahr |
| Fürstenland |
erhebliche Gefahr |
Der Bund verwendet bei der Information über Naturgefahren eine fünfteilige Skala. Im Bereich der Trockenheit informiert der Kanton St.Gallen ab der Stufe 2 mit dem Bulletin. In der obigen Tabelle und Karte wird die Stufe 1 angezeigt, wenn eine aktuelle Lagebeurteilung vorliegt.
Der Bund betreibt seit 2025 ein nationales Früherkennungs- und Warnsystem für Trockenheit. Es zeigt mehrere Wochen im Voraus auf, wenn sich eine kritische Situation anbahnt. Für die Information zur/über die Trockenheitssituation in den Regionen des Kantons St.Gallen und allfällige daraus resultierende Massnahmen zieht der Kanton neben zusätzlichen aktuellen Messwerten auch Fachbeurteilungen aus verschiedenen Abteilungen der gesamten kantonalen Verwaltung zu Rate. Damit ergänzen sich die Vorhersagen des Bundes und Produkte des Kantons gut.
Einschränkungen Wasserbezug
Bei Trockenheit kann der Wasserbezug aus Gewässern eingeschränkt oder verboten werden. Die Bevölkerung wird über Medienmitteilungen und lokal durch die Gemeindebehörden informiert.
Trinkwasserversorgung
Die Sicherstellung der Trink-, Brauch- und Löschwasserversorgung ist eine wichtige Aufgabe, welche von den politischen Gemeinden oder - in ihrem Auftrag - von Korporationen und Ortsgemeinden wahrgenommen wird. Die Wassergewinnung basiert im Kanton St.Gallen auf lokalen Ressourcen mit lokaler Verteilung des Trinkwassers. So betreibt fast jede Gemeinde im Kanton ihr eigenes Wasserwerk. Die kleinräumige Versorgungsstruktur mit gut 130 öffentlichen Wasserversorgungen in 75 politischen Gemeinden ist historisch und topografisch begründet und hat sich bis heute erhalten und bewährt.
Aufgrund dieser Vielfalt sind generelle Aussagen zur Beurteilung der Lage der Trinkwasserversorgungen während Trockenperioden nicht flächendeckend möglich. Dennoch haben sich die Vertreter der Plattform Wasserversorgung als Ansprechpartner für die nachfolgenden Regionen zur Verfügung gestellt:
Region Zürichsee-Linth: Sekretariat, 055 224 00 40
Region Toggenburg: Sekretariat, 071 932 50 00
Region Neckertal: Vreni Wild, 079 696 64 73
Region Fürstenland: Andreas Gnos, 071 913 00 71
Region St.Gallen: Regionale Wasserversorgung St.Gallen AG neues Fenster / 071 224 59 50
Region Unteres Rheintal: Thomas Giger, 071 722 23 21
Region Werdenberg: Jürg Göldi, 081 755 44 80
Region Sarganserland: Markus Hilbi, 081 725 49 30
Für die Region Oberes Rheintal sind die nachfolgenden Gemeinden direkt zu kontaktieren:
- Marbach: Telefon 071 775 81 91
- Altstätten: Telefon 071 757 77 11
- Eichberg: Telefon 071 757 87 87
- Oberriet: Telefon 071 763 64 64
- Rüthi: Telefon 071 767 77 77
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Wie hängt die Gefahr einer Trockenheit mit der Gefahr eines Waldbrandes zusammen?
Trockenheit und Waldbrand sind zwei verschiedene Prozesse.
- Trockenheit ist ein langsamer Prozess, der sich mit der abnehmenden Feuchtigkeit im Boden und mit sinkenden Pegelständen in Oberflächengewässern und Grundwasserspiegel verschärft. Trockenheit erhöht über Wochen die Menge an Brennmaterial wie Holz, Laub oder Gras, was die Waldbrandgefahr erhöhen kann.
- Ein Waldbrand ist ein plötzlicher Prozess. Auslöser können menschliches Fehlverhalten oder Blitzeinschläge sein. Ob es zu einem Waldbrand kommt, hängt neben einer dauerhaften Trockenheit von mehreren weiteren Faktoren ab.
- Einer dieser Faktoren ist die Luftfeuchtigkeit. Ist die Luft sehr feucht, ist es auch bei grosser Trockenheit weniger wahrscheinlich, dass es zu einem Waldbrand kommt.
- Regenfälle können die Waldbrandgefahr verringern, indem sie die Luftfeuchtigkeit zeitweise erhöhen oder die obersten Bodenschichten befeuchten. Jedoch können kurze Regenfälle eine starke Trockenheit, die sich durch tiefe Grundwasserstände und tiefgründig trockene Böden auszeichnet, nicht verbessern.
- Umgekehrt können oberflächlich trockene Böden die Waldbrandgefahr erhöhen, ohne dass eine Trockenheitssituation herrscht. Dies, weil die tiefen Bodenschichten genug feucht sind
- Auch einmalige oder kurze Wetterereignisse können kurzfristig die Brandgefahr erhöhen, z.B. Wind oder direkte Sonneneinstrahlung auf Boden im Frühjahr. Dies, auch wenn keine akute Trockenheit herrscht.
Fazit: Besteht die Gefahr einer Trockenheit, heisst das nicht, dass auch die Gefahr eines Waldbrandes besteht. Andererseits kann ein Waldbrand ausbrechen, ohne dass Bund und Kantone eine Trockenheitswarnstufe ausgerufen haben.
Quelle: BAFU
Weitere Informationen und Merkblätter
- Informationsplattform zur Früherkennung von Trockenheit in der Schweiz neues Fenster
- Informationen zu Hitzewelle und Trockenheit in der Schweiz neues Fenster
- Naturgefahren - aktuelle Situation in der Schweiz neues Fenster
- Themenschwerpunkte des National Centre for Climate Services (NCCS) neues Fenster
- Hydrologischer Atlas der Schweiz neues Fenster
Noch offene Fragen?
Antonella Armirotti
Mitarbeiterin Kommunikation
Generalsekretariat
Lämmlisbrunnenstrasse 54
9001 St.Gallen
