Amt für Volksschule
Rundbrief Elternbildung
Ausgabe 3/2025
Liebe Leserinnen und Leser
Das Jahr neigt sich seinem Ende zu, und mit dem Jahreswechsel, der traditionell die Zeit der grossen Vorsätze ist, wächst oft auch der Wunsch, wieder neu zu beginnen. Wir nehmen uns vor, Dinge besser zu machen, zum Beispiel uns intensiver mit Erziehungsfragen auseinanderzusetzen, endlich auf eine gesunde Ernährung umzustellen, mehr Zeit draussen zu verbringen oder gelassener und ausgeglichener durch den Alltag zu navigieren. Die Liste ist lang – und oft schreiben wir sie mit einer leisen Strenge an uns selbst.
Vielleicht aber dürfen wir diesen Jahreswechsel einmal anders betrachten. Nicht als Moment, in dem wir uns optimieren müssen, sondern als Einladung, milder mit uns zu sein. Verständnisvoller und versöhnlicher gegenüber all dem, was wir bereits tragen, leisten und täglich neu versuchen.
Denn manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir uns erlauben, einfach Mensch zu sein. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wunderbare Weihnachtstage und einen guten Start ins 2026.
Andrea Lenzin
Koordinationsstelle Elternbildung
St.Galler Forum 2025 – Rückblick und Ausblick
Das St.Galler Forum 2025 stand unter dem Motto «Verbunden» – mit sich und anderen. Bereits am Morgen begeisterte Anna Miller mit ihrem Impuls zur digitalen Achtsamkeit: Mit einer gelungenen Mischung aus Tiefgang, Humor und authentischer Offenheit gelang es ihr, die rund 500 anwesenden Gäste vom ersten Moment an mitzunehmen und spürbar zu berühren.
Im zweiten Teil erhielten Eltern sowie weitere Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen praxisnahe und fundierte Einblicke in die Bedeutung von Bindung und Beziehungsgestaltung. Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch beeindruckte mit seinem herausragenden Fachwissen und seiner lebendigen Art der Vermittlung – und zeigte sich auch in der anschliessenden Podiumsdiskussion engagiert und pointiert.
Auch das St.Galler Forum 2026 verspricht erneut ein Highlight zu werden. Am Samstag, 14. November 2026, feiern wir die 30. Ausgabe des Forums. Das Thema «Was sind die (grössten) Herausforderungen heutiger Eltern?» lädt dazu ein, sowohl einen Rück- als auch einen Ausblick zu wagen – und vor allem die Gegenwart aufmerksam zu beleuchten.
Vernetzungstreffen Elternbildung – Rückblick und Daten Elternkurs
Beim jährlichen Vernetzungstreffen Elternbildung waren dieses Jahr nebst den kommunalen Verantwortlichen der Elternbildung auch Elternbildner und Elternbildnerinnen eingeladen. Der renommierte Paarforscher Prof. Dr. Guy Bodenmann referierte zum Thema: «Wie Eltern streiten, Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Kindern». Nach einer intensiven Fragerunde stellte Herr Bodenmann den neu konzipierten Elternkurs «Kio – Konflikt ist ok» vor. Diese neue, praxisorientierte Weiterbildung für Fachpersonen findet statt:
Start der Ausbildung: 2. Februar 2026
Selbststudium: 2. Februar bis 6. Mai 2026 – Umfang ca. 4 Tage
Vertiefungstage vor Ort: 7. bis 8. Mai 2026
Lizenzierungstage vor Ort: 4. bis 5. Juni 2026
Save the Date: RegioForum 2026
Im Jahr 2026 organisiert die Koordinationsstelle Elternbildung zwei RegioForen. Bitte merken Sie sich die Termine bereits jetzt vor. Fachstellen aus der jeweiligen Region haben die Möglichkeit, an einem Tisch Ihre Angebote und sich selbst zu präsentieren. Das Anmeldeportal ist bereits geöffnet. Das detaillierte Programm wird Anfang des Jahres auf der Webseite elternbildung.sg.ch neues Fenster veröffentlicht.
- Mittwoch, 29. April 2026, 19.30 Uhr, Pfalzkeller, St.Gallen
👉 Anmeldung RegioForum 2026 - Pfalzkeller St.Gallen | sg.ch neues Fenster - Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19.30 Uhr, Aula Kantonsschule Sargans
👉 Anmeldung RegioForum 2026 - Aula Kantonsschule Sargans | sg.ch neues Fenster
Verankerung der gewaltfreien Erziehung im Zivilgesetzbuch
In vielen Ländern gibt es bereits gesetzliche Regelungen, die das Recht auf gewaltfreie Erziehung sichern. In der Schweiz war das «Züchtigungsrecht» der Eltern bereits 1978 abgeschafft worden – das heisst: Körperliche Bestrafungen waren formal nicht mehr rechtlich zulässig. Allerdings gab es keine ausdrückliche Formulierung, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Dies soll sich nun ändern:
Nach Ablauf der Referendumsfrist Mitte Januar tritt das Gesetz Ende Januar 2026 in Kraft (unter der sehr wahrscheinlichen Annahme, dass kein Referendum dagegen ergriffen wird und zustande kommt).
Podcast «Gewaltfreie Erziehung»
Im Podcast «Gewaltfreie Erziehung» spricht Damian Haas mit Stéphanie Bürgi-Dollet von Kinderschutz Schweiz über Ursachen und Folgen von körperlicher und psychischer Gewalt in Familien. Sie zeigen, wie Eltern Stress und Überforderung ohne Gewalt bewältigen und durch Wissen, Selbstreflexion und Unterstützung eine respektvolle, gewaltfreie Erziehung gestalten können.
Vorträge über Kindheit, Elternsein und Familienleben
Was tun, wenn sich ein Kind in der Schule verweigert? Wie gefährlich ist Cannabiskonsum für Jugendliche? Wie stärken Eltern ihr neurodivergentes Kind? Die Vortragsreihe «Kosmos Kind» bietet Antworten.
«Kosmos Kind» ist eine gemeinsame Initiative der «Akademie. Für das Kind. Giedion Risch» und der Stiftung Elternsein, Herausgeberin des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi.
Unter fuerdaskind.ch neues Fenster finden Sie die Anmeldemöglichkeit und weitere Informationen, unter anderem eine Auswahl von Videos und Podcasts, aus den bisherigen Veranstaltungen.
Auffrischung für bewährten Orientierungsrahmen
Der Orientierungsrahmen für Bildung und Betreuung von Kindern ist neu aufgelegt worden. Neu ist, dass er sich an ein grösseres Zielpublikum richtet, für die Arbeit von Kindern von 0 bis 12 Jahren konzipiert ist und in drei Originalversionen verfügbar ist.
Der neue Orientierungsrahmen kann ab sofort auf der Webseite von Alliance Enfance neues Fenster bestellt oder heruntergeladen werden.
Einstellung zu Familien und Geschlechterrollen
Die im Frühjahr 2025 veröffentlichte Publikation des Bundesamts für Statistik zeigt anhand der Daten von 2013 bis 2023 deutliche Veränderungen in der Einstellung zu Familie und Geschlechterrollen. Eine Mehrheit der 15- bis 80-Jährigen ist überzeugt, dass Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren glücklich aufwachsen können – die Zustimmung stieg von knapp 40 auf 64 Prozent. Gleichzeitig verlieren traditionelle Rollenmuster an Bedeutung.
Ein Viertel findet, Männer sollten den Familienunterhalt sichern, zehn Jahre zuvor waren es noch knapp 40 Prozent. Auch die Ansicht, dass Frauen besser für die Betreuung kleiner Kinder geeignet sind, sank von 50 auf 35 Prozent. Viele wünschen sich ein egalitäres Erwerbsmodell mit Teilzeitarbeit für beide Elternteile.
In der Realität dominiert jedoch weiterhin die Kombination «Mutter Teilzeit, Vater Vollzeit». Damit wird sichtbar: Die Einstellungen wandeln sich schneller als die gelebte Realität.
- Miteinander reden – 101 Fragen für starke Kinder, Patricia Lannen/Oskar Jenni, 2005, Kein & Aber
- Was Familien leichter macht, Nora Imlau, 2025, Beltz Verlagsgruppe GmbH & Co. KG
- Lasst uns reden, Lou Elvarsdóttir/Julia Dibbern, 2025, Beltz Verlagsgruppe GmbH & Co. KG
- Zu viel des Guten zu wenig fürs Leben, Inke Hummel, 2025, Humboldt Verlag
Frau Sabatella, Sie dozieren an der ZHAW zum Thema «Mental Load». Viele von uns kennen dieses Gefühl der dauernden Überbelastung. Haben diese Belastungen in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen, oder handelt es sich um ein Phänomen, das es schon lange gibt, aber erst heute klar benannt wird?
Das Phänomen des «Mental Load» ist keineswegs neu, es entstand in den 80er-Jahren und hat sich damals auf den Arbeitskontext bezogen. Die unsichtbare Denkarbeit, die vor allem im Familien- und Care-Bereich entsteht, begleitet Eltern seit jeher. Was sich jedoch verändert hat, ist die gesellschaftliche Sichtbarkeit und die Sprache, die wir heute dafür haben. Viele Menschen können dieses Gefühl mittlerweile klarer einordnen und benennen. Gleichzeitig haben sich auch die Anforderungen verdichtet: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, hohe Flexibilitätsansprüche, die ständige Erreichbarkeit und zunehmende administrative Aufgaben führen dazu, dass der mentale Druck objektiv gestiegen ist. Wir erleben also sowohl eine tatsächliche Zunahme der Belastung als auch ein gestärktes Bewusstsein dafür.
Gerade in bestimmten Lebensphasen können Eltern dem «Mental Load» kaum entkommen – selbst wenn beide achtsam mit ihren Ressourcen umgehen. Welche Strategien oder Lösungsansätze sehen Sie dennoch, um diese mentale Belastung zu reduzieren oder besser zu verteilen?
Ein wichtiger Ansatz besteht darin, die unsichtbare Arbeit sichtbar zu machen. Erst wenn klar wird, wer welche mentalen Aufgaben trägt, lässt sich eine faire Verteilung gestalten. Hilfreich sind ausserdem gemeinsame Routinen und Ritualisierungen, alles, was immer gleich läuft muss nicht besprochen werden. Hilfreich kann auch Entlastung durch externe Unterstützung sein, wenn dies möglich ist.
Sie werden an unseren RegioForen zum Thema «Mental Load» referieren. Wo sehen Sie aus Ihrer Perspektive die grössten Herausforderungen, mit denen heutige Eltern zusätzlich konfrontiert sind?
Heutige Eltern bewegen sich in einem Spannungsfeld aus hohen Erwartungen und begrenzten Ressourcen. Vieles, was früher generationenübergreifend gelöst wurde, ist heute der Kernfamilie überlassen. Dazu kommt der steigende organisatorische Aufwand oder die Digitalisierung, die wie schon erwähnt zu einer permanenten Erreichbarkeit führt. Nicht nur durch die Arbeit, sondern auch von der Schule oder von Freunden ist man ständig erreichbar. Diese Faktoren führen dazu, dass sich «Mental Load» heute nicht nur intensiver anfühlt, sondern strukturell schwerer zu bewältigen ist.
- Ende März 2026
Versand Rundbrief Elternbildung - Mi, 29. April 2026, 19.00 Uhr
RegioForum, St.Gallen - Mi, 27. Mai 2026, 18.30 Uhr
Ideenbörse, online - Ende August 2026
Versand Rundbrief Elternbildung - Mi, 21. Oktober 2026, 19.00 Uhr
RegioForum, Sargans - Sa, 14. November 2026, 9.30 Uhr
St.Galler Forum, Gossau - Mitte Dezember 2026
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