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Waldreservate sind Hotspots der Biodiversität. Im Kanton St.Gallen sollen bis im Jahr 2030 insgesamt 10 Prozent der Waldfläche – rund 6'000 Hektaren Wald – als Waldreservate unter Vertrag stehen.

Lichter Bergwald im Waldreservat Murgtal mit viel Heidelbeersträuchern, einem kleinen Moorsee, Moorvegetation und Totholz.
Waldreservate wie das Waldreservat Murgtal sind Naturperlen (Foto: Revierförster Thomas Jurt).

Waldreservatskonzept und Waldziel

Die Zielerreichung der Waldreservatsfläche lag Ende 2019 bei rund 64 Prozent bzw. 6.4 Prozent der St.Galler Waldfläche.
Die Zielerreichung der Waldreservatsfläche lag Ende 2019 bei rund 64 Prozent bzw. 6.4 Prozent der St.Galler Waldfläche (89 Prozent bei den Sonderwald- und 39 Prozent bei den Naturwaldreservaten).

Im Waldreservatskonzept (Kantonsforstamt 2003) wurden rund 9’750 Hektaren Wald als potenzielle Reservatsflächen evaluiert. Oft handelt es sich um seltene und nach NHG-geschützte Waldstandorte. Diese potenziellen Flächen werden im Waldentwicklungsplan (WEP) als Vorrangfunktion oder Spezielle Funktion Natur und Landschaft ausgeschieden. Die Waldreservate sind im Geoportal aufgeschaltet und Teil der ökolgischen Infrastruktur.

 

10 Prozent Waldreservate als St.Galler Waldziel

Bis zum Jahr 2030 sollen 6’000 Hektaren oder rund zehn Prozent der Waldfläche unter Vertrag stehen, je zur Hälfte als Naturwaldreservate und als Sonderwaldreservate. Ende 2019 bestanden 3'832 Hektaren Waldreservate, davon 2'666 ha Sonderwald- und 1'165 ha Naturwaldreservate. Dies entspricht einem Anteil von 6.4 Prozent der St.Galler Waldfläche.

 

50-jährige Verträge mit Waldeigentümern

Waldreservatsverträge sind freiwillig und werden zwischen den Waldeigentümern und dem Kanton St.Gallen für 50 Jahre abgeschlossen (Vertragsnaturschutz). Bund und Kanton leisten Beiträge an die Kosten für die Aufwertung des Lebensraumes oder gelten den Ertragsausfall ab.

Waldzielart Auerhuhn

Im Waldreservat Kreisalpen werden gezielt Heidelbeeren für das Auerhuhn und Totholz gefördert.
Im Waldreservat Kreisalpen werden gezielt Heidelbeeren für das Auerhuhn und Totholz gefördert (Foto: Revierförster Ruedi Bösch).

Der Kanton St.Gallen trägt eine besondere Verantwortung für das schweizweit stark bedrohte Auerhuhn. Mit den Waldreservaten «Amden», «Kreisalpen», «Wengital-Regulastein», «Moosbühel», «Pardiel», «Tamons» und anderen Projektgebieten wurden erste grosse Meilensteine zum Schutz dieser Waldhuhnart gesetzt. Das Auerhuhn gilt als typische Indikatorenart. Man geht davon aus, dass in Wäldern mit ständigem Auerhuhnvorkommen die Lebensraumqualität auch für viele andere Arten hoch ist.

Stabiler Bestand im Kanton St.Gallen

Der Bestand des stark gefährdeten Auerhuhns ist im Kanton St.Gallen stabil. Dies ergab eine Bestandesaufnahme der Schweizerischen Vogelwarte mit modernster Methode in den Jahren 2015 bis 2017. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass Massnahmen zur Bestandesförderung, wie forstliche Lebensraumaufwertungen und Wildruhezonen, Wirkung zeigten.

Naturwaldreservate

In Naturwaldreservaten wird auf die Holzernte und die waldbauliche Pflege verzichtet. Damit wird die natürliche Entwicklung zugelassen (Prozessschutz). Oft sind Naturwaldreservatsflächen mit Sonderwaldreservaten kombiniert (Komplexreservate).

Natürliche Entwicklung mit viel Alt- und Totzolz

Der Schweizer Wald wurde seit Jahrhunderten vom Menschen gestaltet und der nachwachsende Rohstoff Schweizer Holz genutzt. Die Bäume werden in der Optimalphase genutzt, so dass sie bei der Ernte mit 80-150 Jahren maximal die Hälfte ihres biologisch möglichen Alters erreichen. Der Wald kann deshalb nicht seinen ganzen Entwicklungszyklus durchlaufen – es fehlen sowohl die lichten Pionier-, als auch die totholzreichen Alters- und Zerfallsphasen.

Totholzarten sind gefährdet

Von den etwa 6'000 totholzabhängigen (xylobionten) Arten im Schweizer Wald stehen deshalb hunderte auf der Roten Liste, vor allem holzabbauende Pilze, Flechten, Totholzkäfer, Schwebfliegen und Wespen, wie auch diverse Vögel, Amphibien, Fledermäuse und Schnecken.

Naturwaldreservate im Kanton St.Gallen:

  • WRG 1: WR Thurauen*
  • WRG 2: WR Schwammtobel*
  • WRG 3: WR Murgtal
  • WRG 3: WR Josenwald
  • WRG 3: WR Badtobel
  • WRG 4: WR Weid
  • WRG 5: WR Gulmen*
  • WRG 5: WR Neckerwald

(WRG = Waldregion; WR = Waldreservat; *Komplexreservat)

Sonderwaldreservate

In Sonderwaldreservaten wird der Lebensraum gezielt aufgewertet und meistens aufgelichtet. Davon profitieren wärmeliebende Arten wie die geschützten Waldameisen im Waldreservat Amden.
In Sonderwaldreservaten wird der Lebensraum gezielt aufgewertet und meistens aufgelichtet. Davon profitieren wärmeliebende Arten wie die geschützten Waldameisen im Waldreservat Amden (Foto: Pascal Gmür).

In Sonderwaldreservaten werden die Lebensräume von seltenen und bedrohten Arten gezielt aufgewertet. Meistens werden dabei dunkle Wälder aufgelichtet. Lichte Wälder sind als Lebensraum für licht- und wärmeliebende Tiere und Pflanzen von grosser Bedeutung, vor allem für viele Tagfalter, Vögel, Käfer, Reptilien und Blütenpflanzen (z.B. Feuerlilie oder Frauenschuh).

Waldbauliche Massnahmen wichtig

Um lichte Waldstrukturen zu erhalten, sind gezielte Massnahmen unverzichtbar: Holzerne, Entbuschen, Mähen, selten auch Beweiden (z.B. Föhren-Waldweiden).

Untersuchungen der Vogelwarte Sempach im Waldreservat Amden zeigen, dass die forstlichen Massnahmen zugunsten des Auerhuhns dafür sorgen, dass die Lebensraum-Qualität der Wälder auch für die Waldschnepfe erhalten bleibt. Auch sie ist eine national prioritäre Waldzielart.

Sonderwaldreservate im Kanton St.Gallen:


(WRG = Waldregion; WR = Waldreservat; *Komplexreservat)

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