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Struktur- und artenreiche Waldränder bilden einen sehr wichtigen Lebensraum für diverse Pflanzen- und Tierarten. Waldstandorte mit ökologischen Potenzial werden für seltene Arten aufgewertet. Meist bedeutet dies Auflichten: konkret viel Holz ernten und Biotopbäume sowie genügend Totholz stehen lassen.

Arten- und strukturreiche Waldränder

Aufgewertete Waldränder sind ökologisch wertvoll und schaffen eine attraktive Landschaft zu jeder Jahreszeit. Jeder Baum und jeder Strauch blüht und fruchtet verschieden
Aufgewertete Waldränder sind ökologisch wertvoll und schaffen eine attraktive Landschaft zu jeder Jahreszeit. Jeder Baum und jeder Strauch blüht und fruchtet verschieden (Foto: Pascal Gmür).

Gemäss Bestandeskarte 2009 bestehen im Kanton St.Gallen rund 13‘800 km Waldrand. Strukturreiche, artenreiche Waldränder bilden einen äusserst wichtigen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Dank dem Lichtangebot steigt der Deckungsgrad der Kraut- und Strauchschicht. Vom Blütenreichtum und den Beeren profitieren Insekten, Vögel und diverse Kleinsäuger. Der Bund beurteilt Waldrandaufwertungen im Kanton St.Gallen als nationalen Schwerpunkt mit grossem Handlungsbedarf im Mittelland und in den Voralpen. Das Potenzial im Privatwald ist gross und mit eigenhändiger Pflege kann die Freude an arten- und struktureichen Waldrändern erhöht werden.

Lebensraumaufwertung

Dieser Bestand im Waldreservat Amden wurde vor einigen Jahren zugunsten des Auerhuhns aufgelichtet. Der einst kahle Waldboden ist nun üppig mit Heidelbeere bedeckt, Spechte nutzen die Insekten im Totholz
Dieser Bestand im Waldreservat Amden wurde vor einigen Jahren zugunsten des Auerhuhns aufgelichtet. Der einst kahle Waldboden ist nun üppig mit Heidelbeere bedeckt, Spechte nutzen die Insekten im Totholz (Foto: Pascal Gmür).

Lichter Wald wird auf besonders trockenen, mageren, nassen, sauren, steilen oder rutschigen Standorten angelegt. Diese Waldstandorte sind von Natur aus artenreich. Auf dem Geoportal sind die Waldstandortskarte, wie auch Informationen zum minimalen Laubholzanteil und zum Bodenverdichtungsrisiko einsehbar. Zur Schaffung von lichtem Wald werden Schattenbaumarten geerntet, um lichtdurchlässige Baumarten sowie Sträucher und die Krautschicht zu fördern. Somit fällt genügend Licht auf den Waldboden, dass auf auserwählten Standorten allenfalls Orchideen gedeihen können. In höheren Lagen wird die Heidelbeere, als Nahrungsgrundlage für das Auerhuhn, gefördert. Vom Freihalten einwachsender Feucht- und Trockenstandorte sowie von Waldwiesen profitieren weitere lichtbedürftige Pflanzen sowie Insekten und Kleinsäuger.

Nationale Waldzielart Auerhuhn

 Idealer Auerhuhnlebensraum im Waldreservat Amden
Idealer Auerhuhnlebensraum im Waldreservat Amden (Foto: Pascal Gmür).

Der Kanton St.Gallen trägt eine besondere Verantwortung für das schweizweit stark bedrohte Auerhuhn. Das Auerhuhn gilt als typische Indikatorart. In Wäldern mit ständigem Auerhuhnvorkommen ist die Lebensraumqualität auch für viele andere Arten hoch. Mit den Sonderwaldreservaten «Kreisalpen», «Amden», «Wengital-Regulastein» und «Moosbühel» wurden erste grosse Marksteine zum Schutz dieser Waldzielart (National Prioritäre Art NPA) gesetzt. Dank den Waldreservaten «Pardiel» und «Tamons» wird die Vernetzung im St.Galler Oberland gewährleistet. In den kommenden Jahren sollen die restlichen wichtigen Auerhuhnlebensräume vertraglich als Waldreservate vereinbart werden. Damit kann der Lebensraum nachhaltig erhalten und aufgewertet werden.

Ökologisch wertvolle Lebensräume und seltene Baum- und Straucharten

Eiben wachsen sehr langsam. Im Kanton St.Gallen bestehen mehrere national bedeutenden Eibenbestände
Eiben wachsen sehr langsam. Im Kanton St.Gallen bestehen mehrere national bedeutenden Eibenbestände (Foto: Rolf Sieber, Revierförster).

22‘345 ha des St.Galler Waldes weisen ein hohes ökologisches Potenzial auf. Es sind Waldstandorte, die vom «normalen» Wald abweichen, z.B. an besonders trockenen, ausgehagerten, nassen, sauren, steilen oder rutschigen Stellen. Ihnen kommt eine hohe Bedeutung für die Waldbiodiversität zu. Davon sind 12‘169 ha schützenswert gemäss der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung (NHG). Der Kanton St.Gallen hat unter anderem eine hohe Verantwortung für eibenreiche Wälder und national bedeutende Lindenwälder entlang des Walensees. Das Kantonsforstamt erarbeitet im Rahmen der kantonalen Biodiversitätsstrategie ein «Konzept zum Umgang und zur Behandlung der nach NHG geschützten Waldgesellschaften und weiterer wertvoller Waldstandorte».

Für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer

An diesem Waldrand könnten die Eichen freigestellt und mehr Licht auf den Boden gebracht werden. Fragen Sie ihre Revierförsterin oder ihren Revierförster
An diesem Waldrand könnten die Eichen freigestellt und mehr Licht auf den Boden gebracht werden. Fragen Sie ihre Revierförsterin oder ihren Revierförster (Foto: Pascal Gmür).

Jede Waldeigentümerin und jeder Waldeigentümer kann sich für die Waldbiodiversität einsetzen. Geeignete Waldstandorte und Waldränder sollen aufgelichtet werden. Das Potenzial im Privatwald ist gross und mit eigenhändiger Pflege kann die Freude an arten- und struktureichen Waldrändern erhöht werden. Die Revierförsterinnen und Revierförster beraten Sie gerne vor Ort im Wald.

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