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Die Schweiz ist eine Felchen-Hochburg. Einerseits ist die Felche der wichtigste Brotfisch, anderseits Botschafterin der Biodiversität. Ausgerechnet dieser Fisch ist unter Druck. Deshalb hat ihn der Schweizerische Fischerei-Verband zum Fisch des Jahres 2022 gewählt.

Felche ist Fisch des Jahres 2022

Alet oder Döbel (Bild von Rainer Kühnis)

Die Felchen sind geschätzte Speisefische und bei Angel- und Berufsfischern sehr beliebt. Für die Berufsfischer sind sie der Brotfisch, der für ihr Einkommen zentral ist. Ob Blaufelchen, Gangfisch, Albeli, Blalig, Albock, Edelfisch, Brienzlig oder Schwebbalchen – in der lateinischen Schweiz als Palée, Lavaret oder Bondella bekannt - je nach See haben die einzelnen Felchenarten (Coregonus sp.) ganz unterschiedliche Namen.

Felchen gehören zu den lachsartigen Fischen und sind eine sehr vielseitige Fischgruppe – jeder See hat seine eigenen Arten. Vor ca. 15'000 Jahren haben sich die Gletscher nach der Eiszeit zurückgezogen und die heutige Seenlandschaft hinterlassen. Jeder See ist ein einzigartiges Ökosystem. In relativ flachen und warmen Mittellandseen wie beispielsweise Hallwiler-, Pfäffiker-, oder Murtensee herrschen ganz andere Bedingungen und teilweise auch Nahrungsangebote als in tiefen, kalten Alpenseen wie dem Walen-, Brienzer-, oder Vierwaldstädtersee. So haben sich in unseren Schweizer Seen mindestens 25 endemische, also nur hier vorkommende Felchenarten ausgebildet. Die Seen im Alpenraum sind trotz den Veränderungen in den letzten Jahrzehnten immer noch ein wahres Galapagos der Felchen.

Diese Vielfalt ist jedoch bedroht!

In den flachen Mittellandseen droht Sauerstoffmangel wegen Überdüngung und teilweise auch als Folge der Klimaerwärmung. Mit einer ganz anderen Art der Bedrohung sehen sich die Felchen in einigen der grossen Seen (Boden-, Genfer-, Neuenburgersee) konfrontiert. Nicht einheimische aquatische Neozooen stellen eingespielte Öko-Systeme auf den Kopf. Fremde Fischarten wie der Stichling oder die aus dem Schwarzmeer eingeschleppte Quaggamuschel treten als Nahrungskonkurrent ums knappe Futter oder als Räuber auf. Die Auswirkungen sind gravierend wie die Felchen- Fangstatistik am Bodensee-Obersee zeigt.

 

Weitere Informationen auf der Internetseite des Schweizerischen Fischerei-Verbandes.

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Christoph Birrer

Christoph Birrer

Abteilungsleiter

Abteilung Fischerei

Amt für Natur, Jagd und Fischerei

Davidstrasse 35
9001 St.Gallen