Newsletter für Personen aus der Ukraine im Kanton St.Gallen
28. Oktober - 10. November 2022
Traditionelle Schweizer Sportarten und wie man auf Deutsch eine E-Mail schreibt
Grüezi mitenand! Wie wir in der letzten Ausgabe bereits mitgeteilt haben, erscheint unser Newsletter bis zum Ende des Jahres nur noch alle zwei Wochen. Diesmal zeigen wir Ihnen im Abschnitt Deutsch lernen, wie Sie eine E-Mail auf Deutsch schreiben. Wir erklären Ihnen, worauf Sie beim Aufbau achten müssen und welche Floskeln bei der Korrespondenz via E-Mail üblich sind.
Ausserdem stellen wir Ihnen Sportarten vor, von denen Sie wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben, weil es sie nur in der Schweiz gibt: Kuhkämpfe, Schwingen, Steinwerfen mit über 80 kg schweren Brocken und die "Schweizerische Mischung aus Baseball und Golf", das Hornussen.
An der Hochschule Luzern (HSLU) findet eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema «Gesellschaftlicher Wandel in der Ukraine – Chancen und Hürden» statt, an der Sie auch aktiv teilnehmen können. Mehr dazu erfahren Sie in dieser Ausgabe unseres Newsletters.
Wenn Ihnen dieser Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn doch Ihren Freunden weiter. Unter diesem Link können Sie sich anmelden: sg.ch/ukraineinfo neues Fenster.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Mit freundlichen Grüssen, Alina Mosendz-Manser
Wissenschaftliche Konferenz an der Hochschule Luzern zum Thema Ukraine
Am 16. und 17. November 2022 findet an der Hochschule Luzern (HSLU) eine Expertenkonferenz zum Thema «Gesellschaftlicher Wandel in der Ukraine – Chancen und Hürden» statt. Die Konferenz lässt Spezialistinnen und Spezialisten zu Wort kommen, die sich schon seit vielen Jahren mit der ukrainischen Wirtschaft und Gesellschaft und mit staatlichen Institutionen befassen. Der Fokus der Veranstaltung liegt darauf, welche Hürden zu überwinden sind, damit sich die Ukraine nachhaltig in die Gemeinschaft der europäischen Staaten integrieren kann.
Die Organisatoren betonen, dass es sich bei der Konferenz nicht um eine politische Veranstaltung und auch nicht um eine Hilfsaktion für die Ukraine handelt. Das Thema der Konferenz ist nicht der gegenwärtige Krieg, auch wenn der Konflikt natürlich die Rahmenbedingungen für Veränderungen stark mitbestimmt.
Die Tagung ist offen für alle am Thema Interessierten. Die Konferenzsprache ist Englisch. Das Anmeldeformular finden Sie unter folgendem Link. Die Veranstaltung findet im Gebäude der HSLU-Wirtschaft an der Zentralstrasse 9 in Luzern statt.
Wie schreibt man eine E-Mail auf Deutsch korrekt und freundlich?
Während Ihres Aufenthalts in der Schweiz haben Sie wahrscheinlich bereits mit verschiedenen staatlichen Behörden per E-Mail korrespondiert, Ihre Bewerbung für eine Stelle geschickt oder formelle Termine vereinbart. Die Etikette zum Schreiben einer E-Mail auf Deutsch in der Schweiz unterscheidet sich nicht vom Standard in anderen deutschsprachigen Ländern. Es gibt jedoch eine Reihe von Regeln, die Sie einhalten sollten, damit man Sie nicht für unhöflich hält.
Erstens werden alle geschäftlichen, offiziellen und formellen E-Mail-Korrespondenzen in der Schweiz in Hochdeutsch und nicht in Mundart geführt, was die Textverständlichkeit erleichtert. Zweitens kann eine E-Mail im Gegensatz zu Telefonanrufen, die nur während der Geschäftszeiten geführt werden sollten, jederzeit gesendet werden. Mit einer Antwort sollten Sie aber nur während der Geschäftszeiten rechnen. Drittens lohnt es sich, den Aufbau der E-Mails zu beachten, damit die elektronische Korrespondenz nicht wie ein Chat im Messenger aussieht. Kurze Antworten ohne Begrüssung, Verabschiedung und Signatur können als unzureichender Respekt gegenüber dem Gesprächspartner empfunden werden.
Im Folgenden analysieren wir den Aufbau der E-Mail anhand von Beispielen für Satzanfänge genauer.
1. Füllen Sie auf jeden Fall kurz die Betreffzeile der E-Mails aus. So weiss der Adressat, worum es geht und es besteht die Chance, dass Ihre E-Mail schneller bearbeitet wird.
2. Anrede. Dieses Element ist obligatorisch und sehr wichtig. Wenn Sie den Namen des Empfängers und seinen wissenschaftlichen Grad (Dr., Prof., etc.) kennen, dann erwähnen Sie ihn in der Anrede. Die höflichen Anredeformen sind Herr und Frau. Nach der Anrede können Sie ein Komma setzen und einen neuen Absatz mit einem Kleinbuchstaben beginnen. Oder Sie lassen das Komma weg und beginnen den neuen Absatz mit einem Grossbuchstaben. Beides ist korrekt, die zweite Variante ist moderner.
Beispiele für allgemeine Anrede: Sehr geehrte Damen und Herren, Sehr geschätzte Damen und Herren, Lieber Kundensupport, Guten Tag.
Beispiele für persönliche Anrede: Liebe Frau Schmidt/ Lieber Herr Müller (kann für Arbeitskollegen und Personen verwendet werden, die Sie bereits kennen). Wenn Sie per Du sind, schreiben Sie Liebe Maria/ Geschätzter Peter. Sehr geehrte(r) Frau/Herr ist formeller (für Fremde, Beamte, Lehrer, Ärzte usw.).
Mehrere Empfänger: Ist der Brief an mehrere Personen adressiert, dann lohnt es sich, alle Namen in der Anrede aufzuführen. Bei vielen Personen können Sie eine allgemeine Anrede im Plural verwenden.
Informelle Anrede: Sie können auch Hallo, Hi oder Hoi verwenden. Aber beachten Sie, dass diese Formen informell sind und nur mit Personen möglich sind, mit denen Sie ein freundschaftliches oder familiäres Verhältnis haben. Wenn Sie sich nicht sicher sind, verwenden Sie besser die formelle Form.
3. Anfang. Wenn Sie auf eine erhaltene E-Mail antworten, beginnen Sie damit, sich für die erhaltene E-Mail und/oder die Informationen zu bedanken (Vielen Dank für Ihre/deine E-Mail). Wenn Sie zuerst schreiben, ist es höflich, die Hoffnung auszudrücken, dass mit dem Gesprächspartner alles in Ordnung ist (Ich hoffe, es geht Ihnen/dir gut).
4. Hauptteil. Schreiben Sie in diesem Teil respektvoll, klar und konkret Ihre Botschaften oder Fragen. Versuchen Sie, Zweideutigkeiten sowie übermässige emotionale Formulierungen zu vermeiden, insbesondere wenn es sich um berufliche E-Mails handelt. Vermeiden Sie die Verwendung von Emojis, die in informellen Chats häufiger vorkommen. Wenn es mehrere Unterthemen gibt, lohnt es sich, sie zur besseren Lesbarkeit in Absätze zu unterteilen. Falls Sie Ihrer E-Mail weitere Dokumente im Anhang beifügen, ist dies im Text der Nachricht zu vermerken (Dokumente finden Sie im Anhang).
Beispiele für den Beginn des Hauptteils: Wie vorige Woche besprochen…, Ich würde gerne wissen…, Ich habe mich vorhin bei Ihnen gemeldet wegen…
5. Schlusssatz. Damit Ihre E-Mail nicht von Bitten unterbrochen wird, ist es notwendig, einen Schlusssatz hinzuzufügen. Darin können Sie ausdrücken, welche Reaktion Sie auf Ihre Nachricht erwarten. Ausserdem können Sie angeben, wie und wann Sie am besten erreichbar sind und dem Gesprächspartner Ihre Wünsche mitteilen.
Beispiele: erwartete Reaktion - Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, Ich warte auf Ihren Anruf, Bitte geben Sie mir Bescheid; Kontakt mit Ihnen - Bei Rückfragen stehe ich jederzeit gerne via E-Mail oder von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr unter der Rufnummer 0123/4567890 zur Verfügung; persönliche Wünsche - Bleiben Sie gesund! Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
6. Grussformel und Signatur. Auch dieser Teil der E-Mail sollte nicht vernachlässigt werden. Ebenso wie die Begrüssung weisen die Verabschiedung und die Unterschrift auf den Förmlichkeitsgrad des Schreibens hin. Nach der Abschiedsfloskel fügen Sie im nächsten Absatz Ihren Namen hinzu, ohne ein Komma zu setzen. Es empfiehlt sich, in der Signatur Ihren vollständigen Namen, Ihre Position und Organisation, die Sie vertreten und Ihre Adresse oder weitere Kontaktdaten anzugeben.
Beispiele: förmliche Grüsse - Mit freundlichen Grüssen/ Mit freundlichem Gruss /Freundliche Grüsse; weniger förmliche Grüsse - Viele Grüsse/ Schöne Grüsse/ Liebe Grüsse/ Beste Grüsse/ Sonnige Grüsse.
Traditionelle Schweizer Sportarten
Schwingen
Schwingen ist die Schweizer Form des Ringkampfs. Dabei stehen sich zwei Männer - und neuerdings auch Frauen - auf einem Sägemehlplatz gegenüber und versuchen, sich gegenseitig auf den Rücken zu zwingen. Die Schwinghose, eine robuste Überhose, des Gegners dürfen sie dabei nicht loslassen. Fairness wird bei dieser Sportart grossgeschrieben: Wer gewinnt, putzt dem Unterlegenen nach dem Kampf das Sägemehl vom Rücken.
Die Schwingerinnen und Schwinger messen sich im Sommerhalbjahr an Schwingfesten. Diese finden draussen und meist in ländlichen Gegenden statt und werden oft von viel Folklore untermalt. Alle drei Jahre wird am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF), einem riesigen Anlass mit mehreren Hunderttausend Zuschauerinnen und Zuschauern, der Eidgenössische Schwingerkönig gekürt. Das Interesse der breiten Öffentlichkeit am Schwingsport ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Dadurch ist das Schwingen auch kommerzieller geworden und die Schwingerkönige können mittlerweile viel Geld mit Werbung verdienen.
Steinstossen
Ebenfalls Teil der Schwing- und Älplerfeste ist das Steinstossen. Dabei versuchen die Teilnehmer, 20kg bis über 90kg schwere Steine mit oder ohne Anlauf so weit wie möglich zu werfen. Als Königsdisziplin gilt der sogenannte Unspunnenstein, der 83.5kg schwer ist. Der Original-Unspunnenstein von 1805 wurde bereits zweimal gestohlen. Jurassische Separatisten, deren Ziel die Unabhängigkeit der Region Jura vom Kanton Bern ist, entführten ihn 1984 als politisches Zeichen. Der Unspunnenstein tauchte 2001 zwar wieder auf, wurde aber nur drei Jahre später wieder geraubt und blieb seither verschwunden. Deswegen werfen die Sportler heute ein Replikat. Das Steinstossen gehört zu den ältesten Sportarten überhaupt. In der Schweiz geht der Ursprung aufs 13. Jahrhundert zurück.
Hier können Sie sich diese urchige Sportart anschauen neues Fenster
Hornussen
Eine weitere traditionelle Schweizer Nationalsportart ist das Hornussen. Im Ausland nennt man diesen Mannschaftssport auch “Swiss Golf” oder “Farmers Golf”. Mit einem elastischen Stecken schlägt ein Spieler die “Nouss”, ein kleines, schwarzes Objekt, vom Abschlagbock so weit wie möglich in das gegnerische Feld. Darin stehen die Spieler der zweiten Mannschaft bereit, um die “Nouss” mit grossen Brettern in der Luft zu stoppen, bevor sie den Boden berührt.
Die genauen Ursprünge des Hornussens sind nicht geklärt. Erstmals schriftlich erwähnt wird es in Kirchenbüchern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Da die Spiele meist am Sonntag stattfanden und damit in Konkurrenz zum Kirchenbesuch standen, versuchten kirchliche Obrigkeiten früher immer wieder, das Hornussen zu verbieten.
In diesem Video auf Englisch erfahren Sie mehr über das Hornussen neues Fenster
Kuhkämpfe
Im Kanton Wallis werden traditionell Ringkuhkämpfe durchgeführt. Dabei kommen Kühe der besonders kampflustigen Rasse “Ehringer” zum Einsatz. An mehreren Volksfesten von Frühling bis Herbst sollen die Kampfkühe in einer Arena ausmachen, wer die Stärkste unter ihnen ist. Dabei geht es nicht wie beim Stierkampf um Leben und Tod. Grössere Verletzungen gibt es nur selten und die Tiere können dem Kampf auch ausweichen. Einige Tierschutzorganisationen kritisieren diese Kämpfe aber trotzdem, da sie bei den Tieren grossen Stress auslösen sollen.
Einen kleinen Einblick in die Kuhkämpfe erhalten Sie hier neues Fenster
Bootschen
Viel weniger bekannt als die oben erwähnten “Nationalsportarten” ist das Bootschen. Das traditionelle Wurfspiel der Jenischen wurde lange nur auf den Stellplätzen der Fahrenden gespielt. Seit 2005 gibt es jedoch öffentliche Turniere und mittlerweile sogar eine Schweizer Meisterschaft. Das Spiel ähnelt dem italienischen Boccia oder dem französischen Petanque. Für das Bootschen braucht es aber weder einen speziell präparierten Platz noch gekaufte Kugeln. Als Wurfgegenstände dienen Steine. Ziel des Spieles ist, seinen eigenen Stein, den Bootsch möglichst nahe an das Plamp, den Zielgegenstand zu werfen.
Hier können Sie sich einen Ausschnitt aus einem Bootsch-Spiel anschauen neues Fenster