Logo Kanton St.Gallen
Publiziert am 24.09.2019 14:53 im Bereich Volksschule
Lehrplan Volksschule

Der Erziehungsrat hat an seiner Sitzung vom 11. September 2019 den Fahrplan für die Auswertung der Einführung des Lehrplans thematisiert.

Seit dem Schuljahr 2017/18 und noch bis und mit Schuljahr 2019/20 steht der neue Lehrplan des Kantons St.Gallen projektgemäss in einer dreijährigen Einführungsphase. Die entsprechende Planung sieht vor, dass mit Abschluss dieser Einführung erstmals Anpassungen an den Rahmenbedingungen geprüft werden.

Der Lehrplan enthält als Rahmenbedingung namentlich ein Fach Ethik, Religionen und Gemeinschaft (ERG). ERG wird als Wahlpflichtfach mit zwei Ausprägungen unterrichtet: Die Eltern entscheiden, ob ihr Kind ERG bei der Schule (ERG Schule) oder bei den Landeskirchen (ERG Kirchen) besucht. Diese Aufteilung hat zu Kritik seitens der Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen mit Druck in Richtung vorzeitiger Anpassungen geführt. Der Erziehungsrat und eine von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe unter Zuzug der Interessenvertretungen haben sich dieser Kritik angenommen und verschiedene Abklärungen veranlasst.

Flankierend hat der Verband St.Galler Volksschulträger / SGV bei seinen Mitgliedern eine Umfrage zu ERG durchgeführt. Die Umfrage hat zum Schluss geführt, dass das Wahlpflichtfach ERG einen organisatorischen Mehraufwand verursacht, dass dieser aber zumutbar (und nach den ersten Umsetzungsjahren tendenziell abnehmend) ist. Daneben wurden auch inhaltlich-pädagogische Bedenken gegen die Aufteilung in ERG Schule und ERG Kirchen geäussert. Die Umfrage hat drittens gezeigt, dass ERG Schule und ERG Kirchen über den ganzen Kanton gesehen ausgewogen belegt wird. Im Grundsatz hat die Umfrage ergeben, dass bei den Schulträgern eine kritische Haltung gegenüber ERG Kirchen überwiegt.

Der Erziehungsrat hat in diesem Zusammenhang den Fahrplan für die Auswertung der Einführung des Lehrplans thematisiert. Dabei hat er auch die Regierung konsultiert: Die Regierung ist von Gesetzes wegen zuständig, Lehrplanentscheide des Erziehungsrates zu genehmigen. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass die Einführungsphase zum Lehrplan nicht aufgrund der Diskussionen um ERG abgekürzt werden soll.

Vor diesem Hintergrund hat der Erziehungsrat am 11. September 2019 folgendes festgestellt und beschlossen:

  1. Die bisherigen Analysen zur laufenden Einführung des neuen Lehrplans zeigen keinen dringenden Handlungsbedarf auf.
  2. Die Einführung des Lehrplans wird mit Bezug auf alle Elemente einheitlich, als Gesamtpaket, ausgewertet.
  3. Die Auswertung der Lehrplaneinführung berücksichtigt die Einführungsphase in ihrer vollen geplanten Länge. Dies bedeutet, dass über allfällige Anpassungen an den Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 2020 mit Vorlauf an die Schulträger für Wirkung ab dem Schuljahr 2021/22 zu befinden ist.
  4. Die Steuergruppe Lehrplan wird (unter Einbezug der Arbeitsgruppe ERG) die verschiedenen Bereiche der Rahmenbedingungen zum Lehrplan analysieren und für den Erziehungsrat auf dessen Klausur im Februar 2020 mit einer Gesamtauslegung die Entscheidgrundlagen für allfällige Anpassungen vorbereiten.

Erforderliche Anpassungen an den Rahmenbedingungen werden demnach der Regierung der Amtsdauer 2020-2024 vor den Sommerferien 2020 zur Genehmigung unterbreitet, sodass die Schulträger die Umsetzung auf das Schuljahr 2021/22 ohne Zeitdruck vorbereiten können.