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Publiziert am 04.12.2019 14:21 im Bereich Umwelt

Auenböden sind vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Anlässlich des Weltbodentages vom 5. Dezember 2019 ernennt die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) den Auenboden zum Boden des Jahres 2020.

Auenböden befinden sich in Flusstälern, die im natürlichen Zustand sehr dynamische Naturräume sind. Periodische Hochwasser führen zu einem Wechsel von Ablagerung und Erosion von Sedimenten. Auenböden charakterisieren sich durch die Wechsellagen verschiedener Ablagerungsschichten. Durch die Häufigkeit der Überschwemmungen kann sich kein Oberboden ausbilden. Der Fluss ändert häufig seinen Lauf und überschwemmt Flächen, die zuvor trocken waren. Diese Dynamik erzeugt eine grosse Vielfalt an Arten und Lebensräumen, die einem ständigen Wandel unterworfen sind. Früher wurden Flüsse begradigt und eingedämmt um Siedlungen zu schützen und die fruchtbaren Auenböden zu bewirtschaften. So wurden seit 1850 ca. 70 % der Auen zerstört. Diese aussergewöhnlichen Naturräume werden heute teilweise durch Revitalisierungen wiederhergestellt.

Eine typische Bodenabfolge in einem Auengebiet beginnt in dem mehrmals pro Jahr überschwemmten Flussbett mit einem nur ganz schwach entwickelten, geschichteten Auenboden unter einer gehölzfreien Aue. Hier gedeihen vorwiegend krautige Pionierpflanzen, die sich rasch entwickeln und jedes Jahr neu ansiedeln können. Leider sind invasive Neophyten, also nicht heimische Pflanzen, auf diesen Flächen sehr konkurrenzstark und können alles überwuchern. Auf Auenterrassen sind die Standortsbedingungen stabil genug, dass sich trotz der Hochwasser, die dort jährlich oder seltener auftreten, ein Pionierwald entwickeln kann. In dieser Lage findet man in der Regel Böden des Bodentyps Fluvisol, immer noch schwach entwickelt aber mit einem meist schön ausgebildeten Oberboden. In den weiter vom Fluss entfernten Bereichen und auf den höher gelegenen Terrassen findet man schliesslich Böden des Bodentyps Braunerde. Durch chemische Verwitterungsprozesse ist dort über längere Zeit ein gut entwickelter, fruchtbarer Boden entstanden. 

Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) - der Auenboden