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Publiziert am 16.07.2019 15:43 im Bereich Umwelt
Photovoltaik-Anlage auf einem Landwirtschaftsbetrieb

Um seine Existenz zu sichern, muss ein Landwirtschaftsbetrieb seine Produkte und Dienstleistungen wirtschaftlich erbringen und erfolgreich verkaufen. Dazu sind neben Fachwissen und Einsatz ebenso unternehmerisches Handeln, Eigeninitiative und Kreativität nötig. Zahlreiche Vorschriften sind zu befolgen und die Erwartungen der Öffentlichkeit an die Landwirtschaft nehmen zu. Heute lud das Amt für Umwelt Medienschaffende auf einen Landwirtschaftsbetrieb ein, um die Beziehung von Landwirtschaft und Umweltschutz zu zeigen.

Die Landwirtschaft gehört zu den Branchen, die sich oft in einem Spannungsfeld bewegen. Die Öffentlichkeit profitiert von den Produkten und Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte, jedoch führt die Unterstützung der Bauernbetriebe immer wieder zu Diskussionen in der Politik. Oft geht bei den Konsumentinnen und Konsumenten vergessen, dass hinter jedem Betrieb meist eine Familie steht, die mit dem Hof ihr Einkommen erwirtschaften muss. 

Dass Landwirtschaftsbetriebe vom Bund Direktzahlungen erhalten ist bekannt. Um Direktzahlungen zu erhalten, müssen Betriebe die vom Bund vorgeschriebenen Auflagen erfüllen. Dazu gehören der ökologische Leistungsnachweis mit einer tierfreundlichen Nutztierhaltung, Auflagen zur Bewirtschaftung, ein gezielter Pflanzenschutz, eine ausgeglichene Nährstoffbilanz und ein angemessener Anteil an Biodiversitätsförderflächen. 

Im Auftrag des kantonalen Landwirtschaftsamts (LWA) prüfen drei akkreditierte Kontrolldienste regelmässig, ob die Landwirtschaftsbetriebe die Anforderungen der Direktzahlungsverordnung (DZV) einhalten. Abweichungen werden dem LWA mitgeteilt. Eine breit abgestützte Kommission für Direktzahlungsprogramme beurteilt die Mängel und beantragt dem LWA entsprechende Sanktionen, das heisst eine Kürzung der Direktzahlungen. 

Zusätzlich kontrollieren auch weitere kantonale Ämter die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Das Amt für Umwelt (AFU) ist für den Vollzug der Umweltschutzvorschriften in der Landwirtschaft zuständig. Das AFU überprüft unter anderem die Einhaltung des baulichen Gewässerschutzes auf den Landwirtschaftsbetrieben, beispielsweise im Rahmen von landwirtschaftlichen Baugesuchen, überwacht Nährstoffbilanzen und Hofdüngerverschiebungen von Landwirtschaftsbetrieben und berät Landwirtschafts­betriebe und Gemeinden zu Fragen des landwirtschaftlichen Umweltschutzes.

Exemplarisch für viele Landwirtschaftsbetriebe steht der Betrieb der Familie Sager in Lömmenschwil. Er umfasst eine Fläche von 35 Hektaren. Davon werden 2,5 ha extensiv bewirtschaftet. Auf rund 6 ha stehen 800 Hochstammbäume und auf 3 ha wird Tafelobst produziert. Die übrigen Flächen werden als Naturwiesen für die Futterproduktion gebraucht; versorgt werden damit die 60 Milchkühe. Die Milch wird in die Molkerei nach Rorschach geliefert. Das Tafelobst wird grösstenteils direkt vermarktet: Hofladen, Bauernmarkt, Hauslieferdienst. Der Betrieb wird nach den Richtlinien der integrierten Produktion geführt. Im Rahmen eines Sommermedienanlasses luden das Amt für Umwelt und die Staatskanzlei Medienschaffende auf den Betrieb der Familie Sager ein.

Die Familie Sager legt grossen Wert auf den Schutz der Umwelt. Beispielsweise wird durch einen eigens erstellten Waschplatz sichergestellt, dass Wasser, welches Pflanzenschutzmittel enthält, nicht in ein Gewässer, sondern in die Güllegrube fliesst. Auch beim Schutz der Obstbäume prüft die Familie den Einsatz neuer Methoden. Um zum Beispiel die Obstbäume vor dem Nachtfalter "Pflaumenwickler" zu schützen, testen sie die Verwirrungstechnik: Statt die Insekten und die Pflanzen mit giftigen Stoffen zu bestäuben, wird die Luft über den Bäumen mit dem Sexuallockstoff (Pheromon) des Wicklers gesättigt. So finden die Männchen die Weibchen nicht mehr, sie können sich nicht paaren und es entstehen keine oder nur wenige Raupen, die den Bäumen schaden.