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Publiziert am 23.04.2019 13:35 im Bereich Kantonspolizei
Kapo-Ratgeber: Kinder alleine unterwegs

Selbst wenn es den Eltern nicht wohl dabei ist, so müssen Kinder irgendwann lernen, ihren Weg ohne Mama und Papa zu bewältigen. Umso wichtiger ist es, dem Nachwuchs beizubringen, wie man alleine sicher unterwegs ist. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen, wie Sie Ihr Kind schützen können, ohne es stets zu begleiten.

Gehen Sie anfangs gemeinsam mit Ihrem Kind zur Schule. Bewältigen Sie die Strecke so, wie es danach auch Ihr Kind tun wird. Fahren Sie also nicht mit dem Auto, wenn das Kind später zu Fuss in die Schule geht. Machen Sie es auf dem Weg auf Besonderheiten wie Fussgängerstreifen oder Gehwege aber auch auf Gefahren wie schnell fahrende Autos oder unübersichtliche Strassen aufmerksam. Verhalten Sie sich vorbildhaft, denn das Kind wird sich Ihr Verhalten abschauen und aneignen. Schicken Sie Ihr Kind immer mit anderen Kindern in Gruppen los, damit diese aufeinander aufpassen und sich helfen können. Vereinbaren Sie Zeiten, zu denen Ihr Kind wieder zu Hause sein muss und erklären Sie, wieso es so wichtig ist, dass es sich an die vereinbarten Zeiten hält. Geben Sie ihm Ihre Telefonnummer oder allenfalls ein Handy mit, damit es sich im Notfall bei Ihnen melden kann.

Vermitteln Sie Ihrem Kind Respekt vor gewissen Situationen, aber flössen Sie ihm keine Angst ein. Unsichere Kinder werden erfahrungsgemäss von Tätern bevorzugter angesprochen als Kinder, die Selbstbewusstsein ausstrahlen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es auf sein Bauchgefühl hören soll. Vermitteln Sie ihm, dass es jederzeit schreien oder weglaufen kann, wenn es bedrängt wird oder sich nicht mehr wohl fühlt. Sagen Sie ihm, dass es gegenüber von Fremden Nein sagen darf und erklären Sie, wann ein Nein eher unvorteilhaft wäre (beispielsweise beim Arzt). Machen Sie ihm klar, dass es nicht verpflichtet ist, Auskünfte oder Erklärungen an Fremde abzugeben, selbst wenn diese Personen erwachsen sind. Zeigen Sie ihm in diesem Zusammenhang auch, dass es beispielsweise nicht zu nahe an ein Auto herantreten soll, nur weil jemand es zu sich ruft. Verängstigen Sie das Kind nicht, aber erklären Sie immer wieder, dass es nicht mit Fremden mitgehen oder von Ihnen Geschenke annehmen darf, auch wenn dies verlockend ist.

Üben Sie mit Ihrem Kind, indem Sie eine Situation beschreiben und das Kind fragen, wie es reagieren würde. So lernt es, Schwierigkeiten verschiedenster Art selbst zu meistern. Wiederholen Sie solche Übungen immer wieder spielerisch, indem Sie beispielsweise fragen: "Was würdest du machen, wenn du nach Hause kommen würdest und niemand da wäre?" Nehmen Sie die Antworten des Kindes ernst und besprechen Sie diese gemeinsam. Erklären Sie, welche Verhaltensweisen gut und welche unvorteilhaft wären oder schlagen Sie Alternativen vor.

Zeigen Sie Ihrem Kind, wo es auf dem Weg Orte oder Menschen gibt, die ihm vertraut sind und an die es sich wenden kann. Dies kann beispielsweise die Kassiererin eines Supermarktes sein, der dem Kind bekannt ist oder das Haus einer befreundeten Familie. Sogenannte "Rettungsinseln" können Ihrem Kind ein Gefühl der Sicherheit geben. Machen Sie Ihrem Kind ausserdem klar, dass es mit Ihnen über alles sprechen darf und hören Sie genau zu, was Ihnen Ihr Kind erzählt. Fragen Sie jeweils nach, wo es war und mit wem. Schimpfen Sie nicht, wenn es einen Fehler gemacht hat, wie beispielsweise wenn es einen anderen Nachhauseweg genommen hat. Ihr Kind wird sich sonst vielleicht nicht mehr an Sie wenden.

Sollte Ihr Kind einmal nicht wie vereinbart zu Hause sein, fragen Sie sofort bei Freunden oder Lehrpersonen nach. Zögern Sie nicht, die Polizei über die Telefonnummer 117 zu kontaktieren. Diese wird sich unverzüglich auf die Suche machen.

Mit diesen Tipps kann sich Ihr Kind auch ohne Sie sicher auf den Weg machen und einen grossen Schritt in Richtung Selbständigkeit gehen. Die Kantonspolizei St.Gallen berät Sie im nächsten Kapo-Ratgeber gerne wieder zu einem anderen Thema.