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Publiziert am 15.10.2019 00:01 im Bereich Bildungsdepartement

Die Einführung des Lehrplans Volksschule seit dem Sommer 2017 wurde mit neuen Rahmenbedingungen inkl. Lektionentafel begleitet. Neue Vorgaben geben immer auch Anlass zur Diskussion. Namentlich die Organisation des Fachs Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG), unterteilt in ERG Schule und ERG Kirchen, wurde und wird kontrovers diskutiert. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse und nach Konsultation der Regierung haben wir im Erziehungsrat entschieden, die Einführung des Lehrplans Volksschule erst nach Ablauf der ganzen Einführungszeit als Gesamtpaket auszuwerten. Das bedeutet, dass keine einzelnen Elemente vor Ablauf der Einführungszeit im Sommer 2020 herauszubrechen und die Rahmenbedingungen nicht isoliert auf diese bezogen anzupassen sind.

Mit der Einführung des neuen Lehrplans wird das Ergebnis eines Grossprojektes in die Schulpraxis gebracht. Bei solchen Vorhaben ist es nach einer ersten Phase jeweils angezeigt, die Umsetzung zu reflektieren. So hielt der Erziehungsrat beim Erlass des neuen Lehrplans fest, nach Ende einer dreijährigen Einführungsphase im Sommer 2020 den Lehrplan und vor allem die entsprechenden Rahmenbedingungen zu überprüfen. Schon seit dem Vollzugsbeginn im Sommer 2017 werden von den schulnahen Anspruchsgruppen verschiedene Rückmeldungen an uns herangetragen. Nur wenige davon zielen jedoch auf eine grundsätzliche Anpassung des Lehrplans bzw. von dessen Rahmenbedingungen. Ein einziges Thema wird jedoch emotional diskutiert: die Umsetzung des Fachs ERG. Die Aufteilung des Fachs auf Schule und Kirchen wird durch die Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen seit der Einführung kritisch hinterfragt und es wird auf eine rasche Anpassung gedrängt. Der Erziehungsrat hat sich dieser Kritik angenommen und den Dialog mit den Interessensvertretungen aufgenommen. Daraus kann Folgendes konstatiert werden: Das Wahlpflichtfach ERG verursachte einen organisatorischen Mehraufwand, der jedoch nach den ersten Umsetzungsjahren tendenziell abnahm. Belegt wird ERG Schule und ERG Kirchen über den ganzen Kanton gesehen ausgewogen, die strukturelle Aufteilung löst jedoch inhaltlich-pädagogische Bedenken aus.

Einführung als Gesamtpaket auswerten

Mit diesen Erkenntnissen haben wir im Erziehungsrat beraten, ob eine vorzeitige Anpassung der Rahmenbedingungen vor Ablauf der Einführungszeit notwendig ist. Dabei habe ich auch die Regierung konsultiert. Sie ist von Gesetzes wegen zuständig für die Genehmigung des Lehrplans und seiner Rahmenbedingungen. Die Schlussfolgerung ist, dass die Einführungsphase zum Lehrplan nicht aufgrund der Diskussionen um ERG abgekürzt werden soll. Die bisherigen Beobachtungen und Analysen zur laufenden Einführung des neuen Lehrplans zeigen keinen dringenden Handlungsbedarf. Allgemein ist es uns ein Anliegen, dass die Einführung des Lehrplans Volksschule als Gesamtpaket ausgewertet wird. Dazu gehört z.B. auch die Berücksichtigung der Erfahrungen vor Ort, die mittels der lokalen Schlussberichte zur Einführung gesammelt und durch das Amt für Volksschule ausgewertet werden.

Allfällige Anpassungen auf Sommer 2021

Wir haben uns vorgenommen, in der Erziehungsratsklausur im Februar 2020 eine fundierte Würdigung der Lehrplaneinführung vorzunehmen, um den Bedarf nach allfälligen Anpassungen auf allen Ebenen zu eruieren. Werden solche vorgenommen, geschieht dies auf das Schuljahr 2021/22. Damit kann eine Umsetzungsfrist vor Ort und die Koordination mit anderen, davon abhängigen Volksschulgeschäften gewährleistet werden. Sowohl der Erziehungsrat als auch die Regierung sind überzeugt, dass wir diese Zeit brauchen, um das Lehrplanwerk nach der Einführung abrunden zu können. Ich versichere Ihnen jedoch, die Argumente aller Anspruchsgruppen aufzunehmen und sorgfältig zu prüfen.

 

Stefan Kölliker

Vorsteher des Bildungsdepartementes