Publiziert am 15.08.2019 00:01 im Bereich Bildungsdepartement

Ein Sprachaustausch während der Schulzeit ist gut für die kulturelle Horizonterweiterung, die persönliche Entwicklung und die Erweiterung der Sprachkompetenz. Dieses Potenzial sollten wir nicht ungenutzt lassen. Die Regionalen Didaktischen Zentren (RDZ) unterstützen darum ab 1. September 2019 Schulen und Lehrpersonen, die sich für einen Sprachaustausch interessieren.

Im Kanton St. Gallen sind die Schulen für Sprachaustausch zuständig. Interessierte Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schüler kümmern sich selbstständig um eine Partnerklasse, die Reise, die Gastfamilie und das Budget. Je nach Ressourcen und Prioritätensetzung kann die Schule sie darin unterstützen. Vielen Kantonen fehlen die Mittel, um den Sprachaustausch systematisch zu fördern – so auch dem Kanton St. Gallen. Das ist bedauerlich, weil die Mehrsprachigkeit der Schweiz nicht nur ein Markenzeichen unseres Landes ist und gebührend gepflegt werden sollte, sondern sich ein Sprachaustausch so mit relativ wenig Aufwand gestalten lässt. Die Schulsysteme sind harmonisiert und die Distanzen verhältnismässig kurz. Sprache ist immer auch Kultur: Wer einen Sprachaustausch macht, erfährt einen Kulturaustausch und leistet einen Beitrag zum Zusammenhalt der Schweiz. Nicht zuletzt fördert eine solche Horizonterweiterung auch die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler und natürlich die Sprachkompetenz.

Austauschstatistik: St. Gallen ist vorgerückt

Über die positiven Auswirkungen eines Sprachaustausches besteht in den Kantonen weitgehend Konsens. Das St. Galler Bildungsdepartement hat neben dem MINT-Bereich mit der IT-Bildungsoffensive in den letzten Jahren auch den Sprachaustausch vermehrt gefördert, diesen allerdings ohne zusätzliche Ressourcen. Die Agentur Movetia, welche von Bund und Kantonen beauftragt wurde, den Austausch schweizweit zu fördern, betreibt Austauschprogramme für alle Stufen bzw. berät und unterstützt Schulen bei der Planung eigener Austauschprojekte – auch finanziell. Auf unseren Kommunikationskanälen (Website, Newsletter, Schulblatt) weisen wir regelmässig auf Angebote von Movetia hin, leiten Anfragen weiter und haben im Jahr 2015 den ersten Austauschkongress in St. Gallen mitorganisiert. In der alljährlich erscheinenden nationalen Austauschstatistik ist unser Kanton im laufenden Jahr auf den fünften Platz vorgerückt, was mich natürlich freut! 

Neues Angebot in den RDZ

Mit einem ganzheitlichen Unterrichtsverständnis dürfen wir die Chancen, die ein Sprachaustausch bietet, nicht ignorieren. Ob ein Kind einen Sprachaustausch machen kann, sollte in unserem Land, unserem Kanton keine Frage der finanziellen Verhältnisse des Elternhauses oder der Gemeinde sein. Bereits kurze und punktuelle Austauschaktivitäten können motivieren und die Digitalisierung öffnet alternative, kostengünstige Möglichkeiten, z. B. via Skype. Movetia hat die Schweizerische Strategie für Austausch und Mobilität von Bund und Kantonen erarbeitet, welche die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zusammen mit dem Bund 2017 verabschiedet hat. Ziel ist eine qualitative und quantitative Stärkung von Austausch und Mobilität. Im Kanton St. Gallen arbeiten wir aktuell an der Umsetzung dieser Strategie. Ab 1. September 2019 können sich Schulen und Lehrpersonen in den Regionalen Didaktischen Zentren (RDZ) zum Angebot von Movetia informieren oder zu eigenen Austauschprojekten beraten lassen. Das Amt für Volksschule und der Verband St. Galler Volksschulträger (SGV) finanzieren gemeinsam das Angebot. Ein Zeichen auch an die Gemeinden 192 Schulblatt 4/2019 Editorial und Schulleitungen, dem Sprachaustausch vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken. Ziel ist es, dass mehr St. Galler Lehrpersonen der 5./6. Primarklassen und der Oberstufe ihren Schülerinnen und Schülern einen Austausch mit Gleichaltrigen einer anderen Sprachregion ermöglichen. Weitere Informationen dazu sind in der Rubrik Volksschule in diesem Schulblatt zu finden. Wir sind mit unserem neuen Angebot auf dem richtigen Weg. Nutzen Sie es und ermöglichen Sie Ihrer Klasse einen Sprachaustausch!

 

Stefan Kölliker
Vorsteher des Bildungsdepartementes