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Publiziert am 26.09.2019 09:25 im Bereich Allgemein
Flyerbild FAREX

Wer das Gefühl hat, dass sich Personen aus dem eigenen Umfeld radikalisieren, kann sich neu an die Fachstelle FAREX wenden. Expertinnen und Experten beraten Eltern, Jugendliche, Lehrpersonen und Vorgesetze bei Fragen zu den Themen Radikalisierung und Extremismus. Mit der Fachstelle wollen der Kanton und die Gemeinden im Kanton St.Gallen Fälle von möglicher Radikalisierung frühzeitig erkennen, das Umfeld beraten und bei Extremismus intervenieren.

Was tun, wenn der Sohn im Zimmer plötzlich Nazi-Embleme aufhängt? Oder die Schulfreundin auf dem Handy jihadistische Videos schaut? Was tun, wenn der Arbeitskollege neuerdings immer rassenfeindlichere Witze erzählt oder die Lehrtochter dem Chef aus religiösen Gründen anders gegenübertritt? In solchen Situationen sind Eltern, Freunde oder Vorgesetzte schnell überfordert. Hier will die Fach- und Anlaufstelle Radikalisierung und Extremismus (FAREX) Hilfe bieten. Je früher interveniert wird, desto besser kann man einen möglichen Radikalisierungsprozess stoppen.

FAREX als zentrale Kontaktstelle

Mit der neuen Fachstelle bieten der Kanton und die Gemeinden der Öffentlichkeit nun einen einfachen, niederschwelligen und vor allem zentralen Zugang an. Wo man sich früher zwischen verschiedenen Beratungsstellen entscheiden musste, gibt es neu also eine Stelle mit einer Telefonnummer, einer Email-Adresse, einem Internet-Auftritt und einem Auftritt in den sozialen Medien. Hier werden die Personen nicht nur weiterverwiesen, sondern bereits von den Fachpersonen der FAREX unterstützt. Das Fachteam verfügt über fachspezifisches Wissen und Erfahrung, um selber die Situation einschätzen und das Risiko bewerten zu können. So erhalten die Kontaktierenden bereits eine erste Beratung. 

Die FAREX ist gut vernetzt: Sie funktioniert in Zusammenarbeit den kantonalen Fachstellen, den Schulen, der Schulsozialarbeit, dem Kinderschutzzentrum, der Psychiatrie, den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden sowie mit der Polizei, der Staats- und Jugendanwaltschaft und anderen Fachstellen. Der Kanton hat die FAREX bei der Kriseninterventionsgruppe des Schulpsychologischen Dienstes angesiedelt, weil diese das Anforderungsprofil in idealer Weise erfüllt. Wie oft sich jemand bei FAREX meldet, wird die zweijährige Aufbauphase zeigen. 

Kanton und Gemeinden finanzieren Angebot

Der Kanton und die Gemeinden rechnen für die zweijährige Aufbauphase mit jährlichen Kosten von rund 119'000 Franken sowie einmaligen Kosten von 9'500 Franken. Damit wird eine Erreichbarkeit über 24 Stunden an 365 Tagen finanziert. Während der zweijährigen Aufbauphase übernimmt der Kanton diese Kosten. In der Folge wird sich zeigen wie die Bedarfs- und Erfolgsquote in der Tat ist und wie die Finanzierung längerfristig gesichert werden kann.

Nationale und kantonale Politik als Auslöser

In der Februarsession 2018 hatte der Kantonsrat das Postulat 43.16.05 «Massnahmen zur Prävention von religiöser Radikalisierung» mit geändertem Wortlaut gutgeheissen. Der Kantonsrat beauftragte damit die Regierung, ihm über die im Kanton St.Gallen vorhandenen Präventionsmassnahmen sowie über die im Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus vorgeschlagenen Massnahmen Bericht zu erstatten. Aufgrund einer Analyse entschied die Regierung im Juni 2018, Massnahme 10 des Nationalen Aktionsplans vorzuziehen. Diese verlangt Fach- und Beratungsstellen für die Thematik der Radikalisierung und des gewalttätigen Extremismus.

Fragen zu Radikalisierung und Extremismus?

FAREX hilft unter der Nummer 0848 0848 55

Mehr Informationen hier: www.farex.ch