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Publiziert am 21.08.2019 09:17 im Bereich Allgemein

Der Kanton St.Gallen hat sein Energiegesetz weiterentwickelt. Mit dem neuen Gesetz sollen Gebäude energieffizenter und klimafreundlicher werden. Die Regierung überweist die Botschaft für das neue Gesetz nun dem Kantonsrat.

Rund zwei Drittel der Gebäude im Kanton St.Gallen werden mit Heizöl oder Gas beheizt. Dadurch verursachen Gebäude knapp einen Drittel des CO2 Ausstosses. Beim Kauf von Erdgas und Erdöl fliesst zudem viel Geld ins Ausland. Das sind Investitionen, die keinen Beitrag zur Wertschöpfung in der Schweiz leisten. Das muss nicht sein: Anlagen für die Nutzung erneuerbarer, regionaler Energien haben sich längstens bewährt. 

Aus diesen Gründen überarbeitet der Kanton St.Gallen sein Energiegesetz. Erstens soll das Gesetz nach zehn Jahren dem Stand der Technik angepasst werden. Zweitens sollen die Vorschriften über die Kantonsgrenzen hinweg möglichst harmonisiert werden. Die Regierung hat die Botschaft zum VI. Nachtrag zum Energiegesetz nun verabschiedet. Im November dieses Jahres findet die erste Lesung im Parlament statt. 

«Villa Durchzug» im Fokus 

Für Neubauten sehen die neuen Vorschriften vor, erprobte, energieeffiziente und klimafreundliche Technologien bereits beim Bau einzusetzen, statt später nachzurüsten. Bei bestehenden Gebäuden greift das neue Gesetz, wenn Hauseigentümerinnen und Haueigentümer eine Heizung ersetzen. Betroffen sind Häuser, die vor den 1990er-Jahren gebaut und seither nie energetisch erneuert wurden. Im übertragenen Sinn ist die «Villa Durchzug» gemeint: Häuser mit kaum isoliertem Dach, alten Fenstern und kalten Böden, die zu 100 Prozent fossil beheizt werden. Fossile Heizungen sind weiterhin erlaubt, wird aber in einer «Villa Durchzug» wieder eine Öl- oder Gasheizung installiert, muss diese zum Beispiel mit neuen Fenstern oder Solarkollektoren kombiniert werden. 

Langfristig rechnen lohnt sich 

Neue Technologien setzen sich meist nicht von Anfang an durch. Seit langem verwendete Anlagen oder Technologien sind in der Anschaffung oft günstiger als neue Produkte. Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer entscheiden sich deshalb oft für ältere Technologien, obwohl diese überholt und energetisch mangelhaft sind. Grund dafür ist häufig die verkürzte Sicht auf die Investitionskosten. Dabei bleiben die Folgekosten unberücksichtigt. Ein typisches Beispiel sind Heizsysteme; Wärmepumpen sind meist energieeffizienter und über die gesamte Lebensdauer betrachtet günstiger. 

Investitionen bleiben in der Region 

Das neue Energiegesetz stärkt die lokale und regionale Wirtschaft. Von energetischen Gebäudemodernisierungen profitieren neben den Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern die regionale Bauwirtschaft, ihre Zulieferer und die Haustechnikbranche. Das regionale Gewerbe plant, installiert und unterhält die neuen Gebäude und Anlagen. So bleibt rund 80 Prozent des Geldes in der Schweiz. Diese Investitionen schaffen Arbeitsplätze in den Regionen. 

Neues Gesetz nach Vernehmlassung angepasst 

2018 schickte die Regierung den Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung. Mehrere Akteure forderten, dass erneuerbare Brennstoffe wie Biogas oder Bioöle beim Ersatz fossiler Heizungen angerechnet werden können. Dieses Anliegen berücksichtigte die Regierung nun im vorliegenden Gesetzesentwurf. In vielen Stellungnahmen wurden zudem die Fristen für den Ersatz zentraler Elektroheizungen und zentraler Elektroboiler kritisiert. Es sei nicht zielführend, noch funktionierende Anlagen zu ersetzen. Die Regierung verzichtet darum auf diese Fristen. Sie hält aber an ihrer Einschätzung fest, dass diese Form der Wärmeerzeugung ineffizient und nicht zeitgemäss ist.