Publiziert am 06.06.2019 10:17 im Bereich Allgemein
Teilnehmende des Informations- und Netzwerkanlasses Gesundheit

Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, stellen für die moderne Medizin eine immer grössere Bedrohung dar. Der diesjährige «Informations- und Netzwerkanlass Gesundheit» widmete sich darum dem Thema Antibiotikaresistenzen und beleuchtete die Thematik aus verschiedenen Perspektiven.

Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann konnte beim traditionellen Netzwerkanlass in Wil wiederum zahlreiche interessierte Kadermitglieder aus dem kantonalen Gesundheitswesen begrüssen. Sie betonte zu Beginn der Veranstaltung: «Die Gefahr, die von Antibiotikaresistenzen ausgeht, ist wohl vielen bekannt, aber trotzdem wird die Problematik gerne verharmlost. Resistente Bakterien werden uns auch in Zukunft beschäftigen. Darum müssen wir jetzt wirkungsvolle Massnahmen ergreifen.» Über die Entstehung von Resistenzen und mögliche Massnahmen berichteten im Anschluss vier Referierende. 

Umfassende Strategie des Bundesrates 

Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), berichtete über die politische Entstehungsgeschichte der «Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR)». StAR wurde im November 2015 vom Bundesrat verabschiedet. Strupler zeigte auf, dass sich die Strategie am «One-Health-Ansatz» orientiert: Da Antibiotikaresistenzen Mensch, Tier und Umwelt betreffen und diese drei Bereiche wiederum eng miteinander verknüpft sind, braucht es bereichsübergreifende und vernetzte Massnahmen. Ein wichtiger Pfeiler der Strategie ist die Information der Öffentlichkeit. Dazu wurde im letzten November eine Kampagne lanciert mit dem Slogan «Antibiotika: Nutze sie richtig, es ist wichtig». 

Entstehung, Verbreitung und Kontrollmassnahmen 

Philipp Kohler, Oberarzt an der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen, erläuterte das Prinzip der Resistenzentstehung und –verbreitung anhand verschiedener Beispiele aus dem Spitalalltag. Wenn bei einem Patienten oder einer Patientin resistente Bakterien festgestellt werden, werden verschiedene Massnahmen eingeleitet: Der betroffene Patient wird isoliert, bei Mitpatienten wird ein regelmässiges Screening durchgeführt und die Abteilung wird wiederholt desinfiziert. Kohler zeigte auf, welche Rolle der Patientenaustausch zwischen Akut- und Langzeitinstitutionen spielt. Die Resistenz-Überwachung und –Bekämpfung müsse darum grenzüberschreitend stattfinden. 

Kleine Massnahmen mit grosser Wirkung 

Kantonsärztin Danuta Reinholz zeigte auf, dass die ganze Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen leisten kann. Dazu gehört, dass Antibiotika gemäss Verschreibung eingenommen und nicht gebrauchte Portionen zur Entsorgung in die Apotheke gebracht werden. Zentral ist auch eine sorgfältige Handhygiene. Reinholz wies darauf hin, dass im Alltag das regelmässige Waschen der Hände mit Wasser und Seife genügt. Die Hände sollten jeweils solange gewaschen werden, bis sie vollständig mit Seife bedeckt sind. Besonders wichtig ist das Einseifen der Fingerzwischenräume. Auch Impfungen helfen, die Menschen gesund zu halten und den Einsatz von Antibiotika zu verhindern. 

Gemeinsam am gleichen Strang und in die gleiche Richtung ziehen 

Roger Stephan, Professor für Lebensmittelsicherheit und –hygiene der Universität Zürich erklärte, wie sich antibiotikaresistente Bakterien in der Lebensmittelkette ausbreiten und welche Folgen dies für die Konsumentinnen und Konsumenten hat. Stephan zeigte die Ausbreitung von resistenten Bakterien unter anderem bei Fleisch, Fliessgewässern, Süsswasserfischen, Importgemüse oder Hundefutter. Nur eine Veränderung bei der eingesetzten Menge und den eingesetzten Wirkstoffen könne verhindern, dass sich resistente Keime weiter ausbreiten. Diese Aufgabe müsse aber von allen beteiligten Playern gemeinsam angegangen werden und bedinge, dass auch die Konsumenten gewillt sind, Kosten für die Anpassung der Lebensmittelproduktion mitzutragen. 

Jeder kann etwas tun 

Heidi Hanselmann, Vorsteherin des Gesundheitsdepartementes, unterstrich in ihrem Fazit die Selbstverantwortung der Bevölkerung: «Wer sich gesund hält, Hygieneregeln befolgt und seinen Impfstatus überprüft hilft vermeiden, dass Antibiotika eingesetzt werden müssen.» 

«Informations- und Netzwerkanlass Gesundheit»

Das Gesundheitsdepartement führt jedes Jahr im Juni in Wil auf dem Gelände der Psychiatrie St.Gallen eine Informationsveranstaltung für das Kader im Gesundheitswesen durch. Die Veranstaltung richtet sich an ein breit gefächertes Teilnehmerfeld aus dem kantonalen Gesundheitswesen und soll den Teilnehmenden eine Plattform für einen unkomplizierten Austausch bieten.