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Publiziert am 13.06.2019 08:38 im Bereich Allgemein
Installation im Kulturraum S4 in Sargans

«Unter Tag – Kulturgut der Zukunft», so lautet der Titel der dritten Station des Kulturraums S4. Dieses Mal macht die Veranstaltungsreihe in Sargans Station, im Innern des Gonzen. Aktuelle künstlerische Positionen treffen dabei auf zukunftsorientierte Technologie und die Archaik des Bergs.

So lauschig der Zugang zu «Unter Tag» beim Holzerplatz im Vild in Sargans auch sein mag, die Kaverne ist ein hartes Pflaster. Die schiere Grösse ist ebenso eine Herausforderung wie der zerklüftete Grund und die hohe Luftfeuchtigkeit. Doch Herausforderungen sind auch attraktiv und verführen zu Höchstleistungen. Das weiss nicht nur ein Unternehmer wie Beat De Coi, der seit rund dreissig Jahren in der Sensortechnologie tätig ist und ein Projekt für die unterirdische Herstellung von Halbleitern verfolgt, sondern das wissen auch Kunstschaffende. Gemeinsam ist Künstlerinnen und Künstlern und einem innovativen Unternehmer dieser Art zudem ein hohes Mass an Neugierde, Experimentierlust, Risikobereitschaft und Beharrlichkeit. Das ist die vielversprechende Basis für die Ausstellung «Unter Tag – Kulturgut der Zukunft». 

Technologie als Kulturgut 

Rasante technologische Entwicklungen verändern Alltag und Gesellschaft. Es gehört zu den Besonderheiten zeitgemässer Kunst, dass sie visionär ist, dass sie Errungenschaften der Technik zu einem Zeitpunkt adoptiert und reflektiert, zu dem die breite Öffentlichkeit diese noch kaum wahrnimmt. «Unter Tag – Kulturgut der Zukunft» ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten einerseits und zukunftsorientierter Technologie und dem rauen Berg andererseits. Mit ESPROS Photonics AG besteht in Sargans ein Unternehmen, das in der Robotik und Photonik wegweisend tätig ist und dessen Produkte Teil unseres künftigen Kulturgutes werden könnten. Die vor mehr als zehn Jahren aus dem Gonzen ausgehobene Kaverne war als neue Produktionsstätte für Halbleiter gedacht, konnte bislang aber kaum genutzt werden. 

Kunst in der Kaverne 

Nun darf vorübergehend die lose Reihe Kulturraum S4 hier Halt machen – Kunst zieht in die Kaverne ein. Ein grosser Teil der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler sind unter anderem mit Werkbeiträgen des Kantons St.Gallen gefördert worden. Nun geben sie Einblick in ihr ortsspezifisches Schaffen. In der grossen, 100 Meter langen Kaverne, wo die Herstellung von Sensoren und Prozessoren geplant war, ziehen zwei verhüllte Autos der Marke Chrysler Vision langsam ihre Linien, vor und zurück. Ilona Ruegg hat mit «Driver (Double Vision)» eine Installation geschaffen, die eigentlich unvereinbare Situationen wie die Abgeschlossenheit des Raumes und das Auto als weiterhin zukunftsträchtiges Vehikel für Prestige, Freiheit und Unabhängigkeit zusammenbringt, und dem Absurden heutiger scheinbar unendlicher Möglichkeiten eine vielschichtige Metapher gibt. 

Es tönt der Berg, es glänzt die Technik 

Den Tropfgeräuschen im Raum und von blossem Ohr nicht wahrnehmbaren Stein-Tönen geht Barblina Meierhans nach. Mittels Tonabnehmer und einfachen Verstärkungs­vorgängen kommen die Besucherinnen und Besucher in den besonderen Genuss naturgetriebener Klangkompositionen. Florian Germann kümmert sich um das Klima als Kulturgut der Zukunft und baute eine Wettermaschine ins Gestein. Nicolò Krättli und Jonathan Banz hinterlassen Spuren des heutigen Lebens – Relikte, die unmittelbar nach ihrer Platzierung in das feinkörnige Gestein eingeschlossen werden. Andy Guhl installiert mit «Switch Wafer I» ein buntes Spiel zum Staunen, zeigt aber auch einen raffinierten Umgang mit der komplexen Nano-Technologie von ESPROS Photonics AG. 

Das Sensorium von Tieren 

In der dunklen Ecke wird Kerzenschein monströs, ohne seine Poetik zu verlieren – ein Beitrag von Asi Föckers. Und gleich zur Begrüssung begegnet das Publikum dem Hund mit Brille in einer Videoinstallation von Ursula Palla. Falls Rettung nötig wird, sind die Tiere mit ihrem weitreichenden Sensorium parat. Ein paar Schritte weiter über das unwegsame Gestein treffen Besucherinnen und Besucher auf sachte, doch unaufhaltsam fliessende Lavaströme – «Notes from the Unterdground» des Filmemachers Peter Mettler verschmilzt wörtlich mit dem Spritzbeton des Notausgang-Stollens. 

Weitere Informationen 

Folgende Kulturschaffende sind beteiligt: Asi Föcker, Gabriele Gerber/Lukas Bardill, Florian Germann, Andy Guhl, Nicolò Krättli und Jonathan Banz, Barblina Meierhans, Peter Mettler, Timo Müller, Ursula Palla, Ilona Ruegg, Matthias Rüegg. 

Ort: Kaverne ESPROS Photonics AG, St.Gallerstrasse 135, 7320 Sargans, Zugang: Holzerplatz im Vild (neben Gonzen Bergwerk) 

Öffnungszeiten: 28. Juni bis 18. August 2019, Fr – Sa 16.00-19.00, So 12.00 – 16.00 Weitere Informationen und Veranstaltungen sind auf dem Faltblatt zur Ausstellung und unter sg.ch/kultur zu finden.