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Publiziert am 26.04.2017 09:13 im Bereich Allgemein

Das familien- und schulergänzende Kinderbetreuungsangebot wurde in den letzten Jahren im Kanton St.Gallen deutlich ausgebaut. Es liegt aber nach wie vor unter dem Schweizer Durchschnitt. Dies zeigt eine Analyse, die im Auftrag des Kantons durchgeführt wurde. Sie wurde nötig, da der Kantonsrat die Regierung im letzten Frühjahr beauftragte, einen Bericht zur Dämpfung des Fachkräftemangels und zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auszuarbeiten.

Der Auftrag des Kantonsrates geht auf den Bericht zum Fachkräftemangel im Kanton aus dem Jahr 2015 zurück. Nur mit einem bedarfsgerechten und finanzierbaren familienergänzenden Kinderbetreuungsangebot kann die Erwerbsbeteiligung von Müttern erhöht werden. Um den Ist-Zustand im Kanton zu erfassen, hat das Amt für Soziales zusammen mit dem Amt für Volksschule eine externe Analyse in Auftrag gegeben.

 

St.Galler Angebot unterhalb des Schweizer Durchschnitts

 

Die Analyse, die vom Forschungsbüro Infras erstellt wurde, zeigt auf, dass das Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung im Kanton unterdurchschnittlich ist. Pro 100 Kinder stehen sechs Vollzeitplätze zur Verfügung. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei zehn Vollzeitplätzen. In den letzten sechs Jahren wurden 350 neue Plätze im Vorschulbereich geschaffen, was einem Ausbau von 30 Prozent entspricht. Der Bund unterstützt den Ausbau des Angebots seit dem Jahr 2003 mit Anschubfinanzierungen.

 

Finanzierungssituation ist anspruchsvoll 

 

Im Durchschnitt werden 61 Prozent der Vollkosten eines Betreuungsplatzes im Kanton St.Gallen von den Eltern bezahlt. Das ist eine grosse finanzielle Belastung für die Familien. Diese nutzen die Angebote daher nur, wenn sich die Erwerbsarbeit tatsächlich lohnt und die Qualität stimmt. Gleichzeitig müssen aber auch die Angebote rentabel sein. Die Kosten für einen Betreuungsplatz liegen im Kanton St.Gallen bei rund 94 Franken pro Tag und Kind, 16 Franken unter dem kostendeckenden Satz. 26 Prozent der Einrichtungen im Kanton weisen ein Defizit aus. Dies kann ein Hinweis dafür sein, dass die Einrichtungen ungenügend finanziert sind, zum Beispiel weil sie keine kostendeckenden Elternbeiträge erheben können oder nicht genügend ausgelastet sind.

 

Regionale Unterschiede sind gross 

 

Die Gemeinden tragen ungefähr 27 Prozent der Vollkosten der Kinderbetreuungsangebote. Insgesamt kostet dies die St.Galler Gemeinden rund 19 Millionen Franken. Davon fliesst gut die Hälfte in die vorschulische Betreuung, die andere Hälfte in schulische Angebote (7.6 Millionen) und in die Tagesfamilienbetreuung (knapp 1 Million). Die regionalen Unterschiede sind gross: In den Städten und Agglomerationsgemeinden liegt das Angebot über dem St.Galler Durchschnitt. Fast 70 Prozent der Gesamtausgaben entfallen auf die drei grössten Städte (Wil, Rapperswil-Jona und St.Gallen).

 

Ausbau bringt Vorteile 

 

Infras empfiehlt, das Angebot weiter auszubauen. Die Nutzung der familien- und schulergänzenden Betreuung sei im Kanton St.Gallen vergleichsweise tief und die Erwerbsquote von Frauen und Müttern unterdurchschnittlich. Von einem weiteren Ausbau des Betreuungsangebots profitierten nicht nur die Eltern, sondern auch die Arbeitgebenden und die öffentliche Hand. Das inländische Fachkräftepotenzial könne besser genutzt werden und es erhöhten sich mit der Erwerbsbeteiligung auch die Steuereinnahmen, heisst es in der Studie von Infras. 

 

Weitere Analysen folgen 

 

Die Ergebnisse des Expertenberichts fliessen nun in einen Bericht der Regierung zuhanden des Kantonsrates ein. Dieser soll aufzeigen, welche Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter Achtung der gesetzlichen Zuständigkeiten bestehen. Dazu sind noch weitere Abklärungen des Amtes für Soziales und des Amtes für Volksschule nötig. Der Bericht soll dem Kantonsrat bis Anfang 2018 vorliegen.