Publiziert am 05.07.2016 10:36 im Bereich Allgemein

Sant Galle isch mis Heimatland…

…bont gschägget isch sis Chleid, wieds niene fendscht of dere Welt so loschtig zämegnait. Drom kennts en jede a sim Gwand, jo üsers lieb Sant Gallerland…

Unser St.Gallerlied – die kleine, leichtfüssigere Schwester des Schweizerpsalms „Trittst im Morgenrot daher“. Es klingt in unseren Ohren an, und doch kennen wir es nicht so richtig. Anstoss zu seiner Entstehung gab das 150-Jahr-Jubiläum des Kantons von 1953. Alle Schulkinder sollten es singen und ins St.Gallerland hineintragen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl sollte es stärken – das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen in unserem zusammengewürfelten Kanton. Den Wettbewerb, den die Regierung ausgeschrieben hatte, gewann der Vorschlag von Musiker Walter Schmid und Lehrer Sales Huber. Oben am Notenblatt wiesen sie noch an: Freudig, aber nicht zu schnell soll gesungen werden. Wohlan!

 

Mittlerweile hat der Kanton seine Hymne ziemlich vernachlässigt. Das St.Gallerlied lebt ja nicht auf dem Notenblatt, sondern es will erklingen. Auch im Staatsarchiv gab es keine vollständige Aufnahme, schon gar nicht in heutiger Tonqualität. So kam es diesen Mai zu einer Neuaufnahme.

 

Kein verstaubtes Lied

 

Der Kinderchor der Domsingschule St.Gallen unter der Leitung von Anita Leimgruber-Mauchle studierte das St.Gallerlied extra dafür ein. Die 35 Kinder im Alter zwischen acht und elf Jahren übten mit viel Ernst und Eifer die gut 60-jährigen Strophen. Sie sei zuerst skeptisch gewesen, ob die Kinder positiv auf den alten Text reagieren, erzählt Anita Leimgruber. Das war jedoch der Fall. Wohl auch, weil die Chorleiterin die Kinder behutsam an den Nachkriegszeit-Text  (Grenzen bewachen und zusammenstehen) heranführte. Es sei eine gute Möglichkeit gewesen, auf die Geografie des Kantons, also auf sein „bont gschäggetes Chleid“ einzugehen, und das Wappen zu thematisieren, die acht Stäbe, die vereint stark sind. Nein, die Kinder hätten es nicht „als staubiges, altes Lied“ empfunden, erklärt Anita Leimgruber. Der Chor hat das St.Gallerlied inzwischen auch an einem Konzert aufgeführt. Die Domsingschule der diözesanen Kirchenmusikschule steht übrigens allen motivierten Kindern und Jugendlichen offen.

 

Signet für unseren Kanton

 

Während des Übens sei dem Chor und der Chorleiterin bewusst geworden, dass das St.Gallerlied so etwas wie ein Signet für den Kanton ist. Die professionelle Tonaufnahme wird nun im elektronischen Langzeitarchiv des Staatsarchivs des Kantons St.Gallen aufgenommen.

 

Zugänglich ist die Aufnahme jedoch jedermann und jederzeit: Auf der Website des Kantons: www.sg.ch ist der Kinderchor zu hören und dank einer Videoaufnahme auch zu sehen. Für die Aufnahme instrumental begleitet wurde der Chor von Andreas Hausammann, Klavier, und Martina Jucker, Querflöte.