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Publiziert am 02.07.2015 00:00 im Bereich Allgemein

Seit Juni 2014 leitet eine knapp fünf Kilometer lange Druckleitung das gereinigte Abwasser der ARA St.Gallen Hofen in Wittenbach zu einem Kraftwerk auf der ARA Morgental in Steinach und von dort in den Bodensee. Die Zeiten sind damit vorbei, als im Flüsschen Steinach zeitweise mehr gereinigtes Abwasser als Frischwasser floss. Die Auswirkungen auf die Gewässerqualität sind markant.

Bis im Mai 2014 flossen im Unterlauf der Steinach bei Niederwasser bis zu 80 Prozent gereinigtes Abwasser aus der ARA Hofen. Trotz guter Reinigungsleistung der ARA war die Wasserqualität in der Steinach schlecht. Die gesetzlichen Anforderungen waren jahrelang klar nicht erfüllt. Zudem störten der Geruch nach Abwasser, Schaumbildung und Trübung des Wassers das äusserliche Bild. 

Die Wasserqualität ist wesentlich besser

Stark belastet war die Steinach vor allem mit Phosphat, Nitrat und gelöstem organischen Kohlenstoff (DOC). Dies ist typisch für ein Gewässer mit hohem Abwasseranteil. Bei den organischen Spurenstoffen, den sogenannten Mikroverunreinigungen, war die Steinach der am stärksten belastete Bodenseezufluss. Messungen nach Inbetriebnahme der Abwasserleitung zeigen bei allen Parametern wesentlich geringere Belastungen. Bei den Mikroverunreinigungen fielen einzelne Konzentrationen sogar unter die Messgrenze. 

Wasserlebewesen erholen sich

Die Artenzusammensetzung der Kieselalgen, ein Indikator für die Wasserqualität, hat sehr rasch positiv auf die bessere Wasserqualität reagiert. An der untersten Messstelle hat sich die Zustandsklasse von mässig auf gut erhöht und erfüllt somit erstmals die Zielvorgaben.

Die wirbellosen Wassertiere, wie Insektenlarven, Würmer oder Schnecken benötigen im Vergleich zu den Kieselalgen deutlich mehr Zeit, um sich an die neuen Verhältnisse anzupassen. Aber auch hier wird in den nächsten Jahren eine Verbesserung erwartet. 

Fische finden ihren Weg

Die Steinach ist ein typisches Bachforellengewässer. Im Unterlauf finden sich zahlreiche weitere Fischarten, die aus dem Bodensee einsteigen. Vor allem die Seeforelle ist von überregionaler Bedeutung und daher in der Steinach von besonderem Interesse. Untersuchungen nach dem Bau der Abwasserleitung zeigen, dass die Seeforellen die Steinach auch mit dem „neuen Geruch“ als Laichgewässer aufsuchen. Es darf also auch in Zukunft mit einem guten Bestand gerechnet werden. 

Bach fällt nicht trocken

Früher wurde das gereinigte Abwasser der ARA Hofen und über einen Ausgleichsweiher und ein kleines Kraftwerk in die Steinach geleitet. Dies verursachte bei Niederwasser ein bis zwei Mal täglich ein rasantes An- und Abschwellen des Wasserstandes. Es floss also schon früher praktisch jeden Tag während kurzer Zeit kein Abwasser in der Steinach. Das Abflussminimum ist damit heute immer noch gleich wie früher. Das künstliche An- und Abschwellen des Wasserstandes jedoch fällt weg. Das wirkt sich positiv auf die Lebewesen aus. So werden keine Tiere mehr fortgespült oder sitzen wegen zu raschem Abflussrückgang auf dem Trockenen.

Ausgeprägte Trockenperioden gab es 2014 keine. Eine solche konnte im Juli 2006 genutzt werden, um eine Situation ohne Abwasser zu erzeugen. Der Abfluss am Ende des Steinachtobels fiel damals nicht unter 50 Liter pro Sekunde. Die Steinach fiel entgegen der Befürchtungen nicht trocken. Eine grosse Strukturvielfalt mit kleinen Abstürzen und Pools, wie sie im Steinachtobel anzutreffen ist, bietet den Tieren im Wasser genügend Rückzugsmöglichkeiten auch bei tiefer Wasserführung.