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Publiziert am 08.05.2015 08:46 im Bereich Allgemein

Erstmals hat der Kanton St.Gallen einen Bericht in leichte Sprache übersetzen lassen. Damit will das Amt für Soziales nicht sichtbare Barrieren in der Kommunikation abbauen, die sonst für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen unüberwindbar sind. Bewusst hat es den Bericht ausgewählt, der zum Gesetz für Menschen mit Behinderung verfasst wurde und sich genau an diese Bevölkerungsgruppe wendet.

Publikationen von öffentlichen Stellen werden häufig wegen Fremdwörtern, Fachausdrücken und Wurmsätzen als schwer verständlich und technisch empfunden. Für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung ist das Verstehen eines solchen Texts unmöglich. Bereits weit einfachere Texte bringen diese Menschen an ihre Grenzen.

 

Teilhabe und Selbstbestimmung bedingen Information

 

Einen ersten Schritt macht das Amt für Soziales nun mit der Übersetzung eines Berichts in leichte Sprache. Vor rund drei Jahren erliess der Kanton ein neues Gesetz über soziale Sicherung und Integration von Menschen mit Behinderung. Es baut auf einem ganzheitlichen Konzept auf. Dieses liegt nun übersetzt für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen vor. Gerade Betroffene sollen verstehen, was der Kanton für sie tut. Schliesslich sind Teilhabe und Selbstbestimmung wichtige Leitziele der st.gallischen Politik für Menschen mit Behinderung.

Rechte und Angebote aufzeigen

Im übersetzten Text wird in einfacher Weise aufgezeigt, dass für Menschen mit Behinderung beispielsweise vielfältige spezialisierte Leistungen wie Wohnangebote oder Werkstätten bestehen. Zudem muss der Kanton sicherstellen, dass Menschen mit Behinderung Zugang zum öffentlichen Grundangebot haben. Das bedeutet in der Praxis, dass öffentliche Gebäude rollstuhlgängig sind oder dass blinde Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen können. Aber eben auch, dass Menschen mit Behinderung Zugang zu Informationen und Wissen erhalten.

 

Sperrige Sprache als Hürde

 

Von sichtbaren Hürden z.B. bei Bauten wird viel gesprochen, aber noch wenig von den unsichtbaren Hürden in der Kommunikation. Menschen mit einer kognitiven Einschränkung bleibt der Zugang zu Informationen deshalb oft verwehrt. Für sie ist das Lesen von längeren, komplexen Texten schwierig bis unmöglich. Sie haben eine angeborene Lese- und Schreibschwäche oder sind kognitiv beeinträchtigt. Lese- und Schreibkompetenz sind für ein selbständiges Leben aber nahezu unabdingbare Voraussetzungen, da gerade Ämter, Versicherungen oder Behörden ihre Texte überwiegend in einer schwierigen Sprache verfassen.

 

Leichte Sprache ist nicht einfach

 

Diese Hürden abzubauen, ist Ziel der leichten Sprache. Leichte Sprache ist in der Schweiz noch ein relativ neuer Ansatz. Grundsätzlich gilt: einfache Wörter, kurze Sätze. Anstatt «verfassen» schreibt man «aufschreiben», aus «finanziellen Ressourcen» wird «Geld». Fremd- und Fachwörter sind Tabu. Für die erste Übersetzung arbeitete das Amt für Soziales mit einem erfahrenen Journalisten zusammen. Da das Resultat dieser Übersetzung für Menschen ohne Beeinträchtigung schwierig zu bewerten ist, wurde die Verständlichkeit zusammen mit «Wir für uns», einer Selbstvertretendengruppe, überprüft.