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Publiziert am 23.04.2015 10:43 im Bereich Allgemein

Die Regierung hat die Prüfung des Projekts „Medical Master St. Gallen“ in Auftrag gegeben. Wie generell in der Schweiz besteht auch im Kanton St. Gallen ein Mangel an inländischen Ärztinnen und Ärzten. Dies zwingt vor allem die Spitäler zur Rekrutierung von im Ausland ausgebildetem Gesundheitspersonal, welche sich aber zusehends schwieriger gestaltet. Nun handelt die Regierung: Sie will abklären lassen, wie ein St. Galler Beitrag zur Ausbildung von ärztlichem Fachpersonal aussehen könnte.

Im Bericht des Bundesrates zum Ärztemangel aus dem Jahr 2011 wird die zu geringe Ausbildungstätigkeit von ärztlichem Fachpersonal in der Schweiz deutlich. Um den Bedarf an Ärztinnen und Ärzten zu decken, wären in unserem Land rund 1200 bis 1300 Abschlüsse jährlich nötig, im Jahr 2013 wurde aber lediglich die Zahl von 790 Master-Abschlüssen erreicht. In den letzten Jahren wurde die entstandene Lücke mit ärztlichem Personal aus dem Ausland gedeckt. „Diese Rekrutierung von zusätzlichen Ärztinnen und Ärzten vorwiegend aus Deutschland und Österreich wird künftig aber schwieriger, da die umliegenden Länder zunehmend Anstrengungen unternehmen, dass der dort ausgebildete ärztliche Nachwuchs nicht abwandert“, stellt Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann fest. Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative kann dieses Problem zusätzlich verschärfen.

     

Die Ausbildungsangebote an den schweizerischen Universitäten mit medizinischen Fakultäten wurden bereits in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut, so dass ab diesem Jahr voraussichtlich rund 1100 Studienplätze pro Jahr für angehende Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stehen dürften. Das wird aber – insbesondere unter Berücksichtigung der Studienabbrüche – noch immer nicht ausreichen, um den künftigen Ärztebedarf in der Schweiz mit eigenem Personal zu decken. Im Jahr 2014 haben effektiv 1155 Studierende ein Studium der Humanmedizin in der Schweiz aufgenommen. Geht man von einer Abbruchquote zwischen 10 und 20 Prozent aus, so wird die vom Bundesrat angestrebte Zahl weiterhin um rund 300 bis 400 Abschlüsse pro Jahr unterschritten. Die Kantone Tessin und Luzern haben Pläne, einen Beitrag zur Ausbildung des ärztlichen Personals zu leisten, wie auch die ETH im Rahmen ihrer Autonomie Massnahmen zur Stärkung der Medizinausbildung prüft.

 

Die Regierung des Kantons St. Gallen möchte nun abklären lassen, was der Kanton zur Bekämpfung des Ärztemangels beitragen kann. Gegenstand des Projektauftrags ist die Prüfung von drei Varianten für medizinische Studienplätze unter Beteiligung der Universität St. Gallen: Erstens der Aufbau eines kompletten Masterstudiengangs mit externem Bachelor, zweitens der Aufbau eines Teil-Masterstudiengangs in Kooperation mit einer bestehenden medizinischen Fakultät und drittens die Möglichkeit eines allenfalls späteren Ausbaus des Studiengangs zu einem Vollstudium mit Bachelor- und Masterabschluss. Gesundheitschefin Hanselmann freut sich: „Die Rolle als Akademisches Lehrspital könnte das Kantonsspital St. Gallen als grösstes nichtuniversitäres Spital der Schweiz gut übernehmen.“

 

Noch ist es aber nicht ganz so weit. Nach Abschluss des Projektauftrags in rund zehn Monaten wird der Prozess der politischen Entscheidungsfindung starten.