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Publiziert am 29.08.2013 09:05 im Bereich Allgemein

Neueste Untersuchungen zeigen, dass sich die grosse Mehrheit der Mädchen und Knaben in der Schweiz bei der Berufswahl sehr traditionell verhält. Die kantonale Gleichstellungsförderung thematisiert an ihrer Sonderschau "typisch ♀? – typisch ♂?" an der Ostschweizer Bildungsausstellung (OBA) die Bedeutung von Rollenstereotypen bei der Berufswahl. Auf einem Parcours und mit einem Wettbewerb werden die Jugendlichen ermuntert, sich mit ihren eigenen Rollenvorstellungen zu beschäftigen.

Die grosse Mehrheit der Jugendlichen verhält sich bei der Berufswahl sehr traditionell. Bis sich gesellschaftliche Rollenvorstellungen verändern, dauert es Jahrzehnte. Dies belegen Fachleute, die sich berufshalber mit dem Verhalten von Jungen und Mädchen bei der Berufswahl auseinandersetzen. So wählen in der Ostschweiz noch immer 70 Prozent der Mädchen einen der drei Berufe KV, Detailhandel oder Pflege. Die Wahl der Knaben ist zwar etwas breiter, doch auch sie verläuft entlang den traditionellen Rollenbildern.

Nachteile früher Berufswahl

Die Gründe für dieses Verhalten sind komplex und dennoch nachvollziehbar. Einerseits wollen gerade Teenager nicht aus der sprichwörtlichen Rolle fallen. Mädchen und Knaben, die sich für einen untypischen Beruf entscheiden, brauchen Mut, etwas anderes zu tun als die grosse Mehrheit. Das Umfeld – Eltern, Lehrpersonen, Ausbildner usw. – ist gefragt und muss Jugendliche ermutigen, bei der Berufswahl die eigenen Bedürfnissen und Potenziale in den Vordergrund zu stellen und weniger den Erwartungen anderer zu folgen. Denn eine grössere Vielfalt bei der Berufswahl wäre für die gesunde Weiterentwicklung der Wirtschaft notwendig, sind doch gewisse Stellen kaum mehr zu besetzen. Auch darin sind sich die Fachleute einig.

Die Sonderschau des Departementes des Innern des Kantons St.Gallen "typisch ♀? – typisch ♂?" greift das aktuelle und volkswirtschaftlich relevante Thema auf. Der grosse, etwas geheimnisvoll anmutende Kubus ist mit unzähligen Piktogrammen tapeziert und nicht zu übersehen. In der Mitte prangt das Wort "Typisch?", umrahmt von einem Piktogramm für eine Frau und einen Mann. Und um "typisch Frau" respektive Mann oder eben nicht "typisch Frau" respektive Mann geht es.

Wie typisch ist typisch?

Am Stand werden die Jugendlichen angeregt, sich mit ihren eigenen Rollenbildern auseinander zu setzen. Ausgehend von einem Quiz zu Genderfragen diskutieren sie mit jungen Erwachsenen und werden ermuntert, Phänomene, die sie bis jetzt selbstverständlich als sogenannt "typisch Mann" oder "typisch Frau" betrachtet haben, zu hinterfragen. Sie erfahren beispielsweise, dass in der Regel Knaben eher technisches Geschick, Mädchen hingegen eher eine soziale Ader zugeschrieben wird und welche Auswirkungen diese Zuschreibungen auf Mädchen und Knaben bei der Berufswahl haben.

 

Die Stationen im Innern des Parcours zeigen auf, wie Rollenstereotypen in der Berufswelt wirken: Warum ist es noch nicht selbstverständlich, dass Sara eine Lehre als Automechanikerin beginnt und Leo Betreuer wird? Aus welchen Gründen gelangen Männer noch immer leichter in Führungspositionen als Frauen? Warum verdienen Frauen und Männer für die gleiche Arbeit nicht automatisch gleich viel? Zur Abrundung wird auch die Verteilung der Haus- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern thematisiert. Denn auch dort spielen bekanntlich Stereotypen eine gewichtige Rolle. Wer kocht, wer putzt, wer kümmert sich um die Kinder? Ist diese Arbeitsaufteilung an ein Geschlecht gebunden oder könnte sie von künftigen Generationen neu ausgehandelt werden?

 

Zwei Exponate der St.Galler Künstlerin Iris Betschart laden die Besucher und Besucherinnen der Halle Erwachsenenbildung ein, sich ebenfalls mit dem Thema Rollenstereotypen auseinander zu setzen.