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Publiziert am 07.03.2013 07:42 im Bereich Allgemein

Die Fachstelle für Statistik hat ihren neuen Analysebericht zu den bedarfsabhängigen Sozialleistungen publiziert. Er präsentiert Basiskennzahlen zur Sozialhilfe, Alimentenbevorschussung und Mutterschaftsbeiträge der Jahre 2005-2011. In einer Spezialanalyse wird die Situation junger Erwachsener in der Sozialhilfe beleuchtet.

Im Kanton St.Gallen wurden im Jahr 2011 insgesamt 2,1 Prozent der Bevölkerung mit Sozialhilfe unterstützt, womit die Sozialhilfequote gegenüber dem Vorjahr unverändert ist. In den vergangenen sieben Jahren bewegte sich die Sozialhilfequote in der engen Spannbreite von 2 bis 2,4 Prozent. Im Jahr 2011 war knapp jede dritte mit Sozialhilfe unterstützte Person jünger als 18 Jahre. Kinder und Jugendliche sind überdurchschnittlich häufig auf Sozialhilfe angewiesen und haben mit 3,2 Prozent die höchste Sozialhilfequote. Dies entspricht 2'971 Kindern und Jugendlichen. Ihr Armutsrisiko liegt nach wie vor deutlich über demjenigen der Gesamtbevölkerung, obwohl ihre Betroffenheit von offener Armut gegenüber 2006 überdurchschnittlich deutlich gesunken ist.

 

Tiefes Ausbildungsniveau als Risikofaktor

 

Fast jede zweite Sozialhilfe beziehende Person im Alter zwischen 20 und 64 Jahren verfügt nicht über eine abgeschlossene berufliche Ausbildung. Hinsichtlich der Ausbildungssituation bestehen deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Staatengruppen. Schweizerinnen und Schweizer sowie Personen aus EU/EFTA-Staaten verfügen doppelt so häufig über eine Ausbildung wie Staatsangehörige aus dem übrigen Europa und aussereuropäischen Staaten. 

Der Sachverhalt einer fehlenden beruflichen Ausbildung zeigt sich bereits bei den unterstützten jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren recht deutlich: 58 Prozent von ihnen befinden sich weder im Ausbildungsprozess noch verfügen sie über eine abgeschlossene Ausbildung. Verstreicht dieser Lebensabschnitt ohne Erwerb eines Abschlusses, erhöht dies auch das Sozialhilferisiko im weiteren Lebensverlauf.

 

Verbesserte Erwerbssituation als Ausweg

 

Mehr als jeder dritte 2011 abgeschlossene Fall (36 Prozent) konnte die Sozialhilfe aufgrund der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, der Erhöhung des Beschäftigungsumfangs oder einer verbesserten Lohnsituation verlassen. In weiteren 30 Prozent der Fälle erfolgte die Ablösung von der Sozialhilfe durch die Beendigung der Zuständigkeit infolge von Wegzug, Kontaktabbruch oder Todesfällen. Gegenüber 2010 hat sich die Anzahl erwerbsbedingter Fallaustritte aufgrund der verbesserten Arbeitsmarktsituation erhöht.

 

Junge Erwachsene mit Sozialhilfebezug

 

Junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren tragen mit 2,4 Prozent das zweithöchste Sozialhilferisiko der Bevölkerung (nach den Kindern und Jugendlichen). Die Gründe für einen Sozialhilfebezug sind bei jungen Frauen und Männern unterschiedlich gelagert. Während bei den jungen Frauen eine frühe Familiengründung ein gewisses Risiko birgt, haben junge Männer überdurchschnittlich häufig keine abgeschlossene Ausbildung.

Die Mehrheit der abgeschlossenen Sozialhilfedossiers von jungen Erwachsenen weist Unterstützungsdauern von unter einem Jahr auf (60 Prozent). Allerdings kehrte bei den 18- bis 25-Jährigen jeder dritte zwischen 2007 und 2011 beendete Fall bis Ende 2011 wieder in die Sozialhilfe einer St.Galler Gemeinde zurück. Der Anteil an Wiederaufnahmen liegt damit bei den 18- bis 25-Jährigen deutlich höher als im Durchschnitt sämtlicher Altersgruppen (24 Prozent). Dazu trägt auch die überdurchschnittliche Wohnortmobilität der jungen Erwachsenen bei.

Das Amt für Soziales thematisiert in einem Positionspapier die Risikofaktoren und Herausforderungen im Leben der jungen Erwachsenen und stellt spezielle Begleitprogramme der Gemeinden für Sozialhilfe beziehende junge Erwachsene vor. Das Papier kann eingesehen werden unter http://www.soziales.sg.ch/home/sozialhilfe_und_sozialberatung/sozialhilfe.html.

 

Analysebericht beziehen

 

Die Publikation "Statistik der Sozialhilfe, Alimentenbevorschussung und Mutterschaftsbeiträge im Kanton St.Gallen, Kennzahlen 2005-2011" in der Reihe "Kanton St.Gallen: Statistik aktuell" der Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen ist als Druckversion für 15 Franken bestellbar unter Tel.: 058 229 34 86 oder Email marzena.avesani@sg.ch. Die Publikation steht auch zum kostenlosen Download unter www.statistik.sg.ch zur Verfügung.