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Publiziert am 19.02.2013 09:01 im Bereich Allgemein

Das "Projekt Wartau" (1984-2013) der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich ist ein Meilenstein in der Erforschung der frühen Geschichte des gesamten Alpenrheintals. Zum Abschluss des Projekts erscheint der dritte und letzte Auswertungsband. Er ist dem eisenzeitlichen Brandopferplatz auf dem Ochsenberg bei Gretschins, Gemeinde Wartau, gewidmet. Die öffentliche Vernissage findet am Dienstag, 26. Februar 2013, um 19.00 Uhr in der evangelischen Kirche Gretschins statt.

Brandopferplätze sind Opferplätze, bei denen die Opfergaben verbrannt wurden und so den Göttern zukommen sollten. Brandopfer gehören zu den ältesten Kultpraktiken der Menschheit. Seit der Mittelbronzezeit (Mitte 2. Jahrtausend v.Chr.) bilden Brandopferplätze ein gemeinsames Phänomen des Alpenraumes. Archäologisch fassbar sind sie durch Anhäufungen von Asche, verbrannten Knochen von Tieropfern und verbrannten pflanzlichen Opfergaben (Getreide, Brei, Brot, Früchte). Scherben von Tongefässen waren wohl nicht Opfergut, sondern werden mit der Zubereitung ritueller Mahlzeiten verbunden. In der Eisenzeit kommen vermehrt Schmuck, Werkzeuge und Waffen hinzu. Die Brandopferplätze liegen an markanten Geländestellen. Dies zeigt sich auch beim Ochsenberg durch die exponierte topografische Lage 200 Meter über dem Talboden.

 

Brandopferplatz Ochsenberg

 

Der eisenzeitliche Opferplatz liegt auf einer alten, seit der Jungsteinzeit (4. Jahrtausend v.Chr.) belegten Siedlungsstelle. In der älteren Eisenzeit (7. Jahrhundert v.Chr.) begann die Umnutzung als Opferplatz. Fassbar sind Gruben mit verbrannten Tierknochen und Feuerstellen. Die Gruben wurden mit dem Abraum der Opferfeuer gefüllt. Die eigentlichen Opferstellen, die sogenannten Altäre, die von anderen Brandopferplätzen bekannt sind, wurden auf dem Ochsenberg nicht ergraben. Die rege Bautätigkeit im Mittelalter hat das Terrain teilweise stark verändert und die Spuren älterer Nutzungsphasen zerstört. Feuerstellen unterschiedlicher Bauart dienten während der gesamten Eisenzeit der Zubereitung des Opfermahls. Dafür sprechen Häufungen von nicht verbrannten Knochen in ihrer Umgebung, denn nur bestimmte Körperteile der Tiere wie Kopf oder Füsse wurden verbrannt. Der Rest wurde gekocht und als Kultmahlzeit verspeist. Nachgewiesene Opfertiere sind Schaf, Ziege, Rind und Schwein.

Im 5. Jahrhundert v.Chr. wurde der Opferplatz – unter Respektierung der älteren Strukturen – erweitert. Auch aus dieser Nutzungsphase haben sich nur die Stellen für die Zubereitung und den Verzehr der Opfermahle erhalten. Zudem liegt aus der jüngeren Eisenzeit eine Deponie aus Rückständen der Brandopfer vor. Sie bestand aus Asche und Holzkohle, verbrannten Tierknochen, verbranntem Brot oder Brei sowie verschiedenen Opfergaben aus Metall und Glas. Im Laufe von 500 Jahren bildete sich auf einer Fläche von etwa 12 Quadratmetern eine rund 30 Zentimeter starke Abraumschicht.

 

Geopferte Waffen

 

Im späten 1. Jahrhundert v.Chr. erfolgte eine aussergewöhnliche Deponierung von mehr als 90 eisernen Waffen und Geräten. Über die Hälfte davon sind Waffen und Waffenbestandteile (Lanzenspitzen, Lanzenschuhe und Schwerter), der Rest hauptsächlich Messer. Diese Deponierung scheint innerhalb kurzer Zeit erfolgt zu sein, möglicherweise als Opfer nach einem Kriegszug. Zahlreiche Waffen und Geräte zeigen absichtliche Verformungen und Zerteilungsspuren. Das Opferritual bestand darin, die Objekte beim Opfern zuerst unbrauchbar zu machen und dann zusätzlich ins Feuer zu werfen. Metallografische Untersuchungen zeigen, dass die Objekte längere Zeit im Feuer lagen und so stark ausglühten.

Waffenopfer sind bereits seit dem 5. Jahrhundert belegt, allerdings ausschliesslich durch zahlreiche Fragmente von Bronzehelmen. Darunter finden sich auch zwei kleine Fragmente von Helmen aus Mittelitalien und viele Stücke von ostalpinen und slowenischen Helmtypen.

 

An der Alpentransversale

 

Der Brandopferplatz auf dem Ochsenberg zeigt nicht nur Spuren von Kult und Glaube, sondern lässt auch eine Rekonstruktion des eisenzeitlichen Beziehungsnetzes zu. Neben starken Bezügen nach Süden zeigt sich eine markante inneralpine Komponente. Das Alpenrheintal entpuppt sich einmal mehr als Transitland und als Gebiet, das Einflüsse aus allen Himmelsrichtungen verbindet und vereint.

 

Dank und öffentliche Vernissage

 

Der Druck des Auswertungsbandes wurde finanziert durch den Lotteriefonds des Kantons St.Gallen, die Universität Zürich, den Verein Südkultur, die politische Gemeinde Wartau, die Ortsgemeinde Wartau, die Karl Mayer-Stiftung (Vaduz) und die Stiftung Fürstlicher Kommerzienrat Guido Feger (Vaduz).

Die Vernissage des dritten Bandes findet am Dienstag, 26. Februar 2013, um 19.00 Uhr in der evangelischen Kirche in Gretschins statt. Sie ist öffentlich; eine beschränkte Anzahl Parkplätze ist vorhanden.

Informationen zur Fundstelle Ochsenberg und zur Burgruine Wartau findet man vor Ort auf Informationstafeln im Burghof der Ruine Wartau sowie unter www.archaeologie.sg.ch.