Logo Kanton St.Gallen
Publiziert am 21.01.2013 10:43 im Bereich Allgemein

Der Erziehungsrat des Kantons St.Gallen hat den Entscheid gefällt, wie die vom Kantonsrat im Rahmen des Sparpaketes II vorgeschriebene Kürzung der Lektionen an den Mittelschulen umgesetzt werden soll. Der Kantonsrat hatte im Rahmen der Sparmassnahmen im Juni 2012 beschlossen, an den Mittelschulen ab 2014 jährlich 900'000 Franken einzusparen, indem total drei Lektionen zu kürzen sind.

In Abweichung zu seinem Vorentscheid, wonach im Gymnasium je eine Lektion Deutsch sowie eine Lektion im Wahlbereich Bildnerisches Gestalten/Musik gestrichen werden soll, hat der Erziehungsrat entschieden, dass stattdessen zwei Lektionen "zur Verfügung Schule" gestrichen werden sollen. An der Kürzung einer Lektion im Fach Englisch wird festgehalten. Die neue Stundentafel muss noch von der Regierung genehmigt werden.

 

Die Kompetenz zur Festlegung der Stundentafel bei den Mittelschulen liegt bei Erziehungsrat und Regierung. Der Kantonsrat hat daher bei der Verabschiedung des Sparpaketes II im Juni 2012 einzig festgelegt, dass in den drei Lehrgängen der Mittelschule – dem Gymnasium, der Wirtschaftsmittelschule und der Fachmittelschule (FMS) – je drei Jahreswochenlektionen einzusparen sind. Eine Jahreswochenlektion entspricht einer Lektion Unterricht, welche während eines Schuljahres Woche für Woche erteilt wird.

 

In einem ersten Schritt hat der Erziehungsrat im Oktober 2012 die Fächer vorgeschlagen, in welchen aus seiner Sicht die Einsparungen erfolgen sollen. Der Vorentscheid ist in der Öffentlichkeit und bei den interessierten Kreisen auf viel Echo gestossen. Namentlich jene Fachkreise, welche von einer Kürzung direkt betroffen gewesen wären, haben im Rahmen der durchgeführten Vernehmlassung deutlich gegen die geplanten Lektionenreduktionen Stellung bezogen. Sie befürchten einen Qualitätsabbau an den Mittelschulen. Der Erziehungsrat kann die vorgebrachten Argumente weitgehend nachvollziehen. Er hat deshalb entschieden, auf die in Aussicht genommenen Kürzungen in den Fächern Deutsch und im Wahlbereich Bildnerisches Gestalten/Musik zu verzichten. Stattdessen soll die vom Kantonsrat geforderte Einsparung durch eine Reduktion von Lektionen "zur Verfügung Schule" erfolgen.

 

Kürzung von Englisch und von Lektionen "zur Verfügung Schule" am Gymnasium

 

Bei den Lektionen "zur Verfügung Schule" handelt es sich um Unterrichtseinheiten, in welchen die Schulen autonom über die Unterrichtsinhalte bestimmen. Bis anhin standen an den Gymnasien vier dieser Lektionen, verteilt über die gesamte Ausbildungszeit, zur Verfügung. Für die Schülerinnen und Schüler ist dieser Bereich obligatorisch. Dieses Gefäss wird an den Schulen heute recht unterschiedlich eingesetzt. So werden damit beispielsweise gymnasiale Kernfächer wie Französisch oder Englisch vertieft oder überfachliche Kompetenzen, namentlich im Bereich Informatik, geübt. Beliebt sind die Lektionen "zur Verfügung Schule" auch für neue Unterrichtsformen, beispielsweise im Rahmen von interdisziplinärem Projektunterricht oder im Rahmen von themenspezifischen Schulhalbtagen. Bei den Schulleitungen werden diese Lektionen sehr geschätzt, ermöglichen sie doch in bescheidenem Rahmen, den einzelnen Schulen ein spezifisches Profil zu verleihen. Auch der Erziehungsrat bedauert, dass dies künftig nicht mehr in gleichem Mass möglich sein wird, hält die Kürzungen in diesem Bereich allerdings für eher verkraftbar als in den Grundlagenfächern.

 

Festgehalten wird an der Kürzung einer Lektion im Fach Englisch. Mit Blick auf die Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler künftig mit höheren Vorkenntnissen ins Gymnasium eintreten, weil sie bereits ab der Primarschule den Englischunterricht besucht haben, erscheint die Lektionenreduktion in diesem Fach unabhängig von der überragenden Bedeutung der englischen Sprache in Forschung, Wissenschaft und Geschäftswelt für vertretbar.

 

Evaluation der Fachmittelschule abwarten

 

In der FMS sollen zwei Lektionen im Fach Bildnerisches Gestalten, welche bislang in Halbklassen unterrichtet worden sind, neu in ganzen Klassen erteilt werden. Damit wird sich der Schwerpunkt des Unterrichtes vom dreidimensionalen Gestalten ins zweidimensionale verlagern. Wo die dritte Lektion eingespart werden soll, lässt der Erziehungsrat zum jetzigen Zeitpunkt noch offen, weil im Moment eine Evaluation des Lehrganges am Laufen ist. Der Entscheid über die Kürzung der dritten Lektion soll nach Vorliegen der Ergebnisse dieser Evaluation gefällt werden. Das Sparziel wird auch auf diese Art und Weise erreicht.

 

Kaum Spielraum in der Wirtschaftsmittelschule

 

An der Wirtschaftsmittelschule ist der Spielraum für die Kantone aufgrund von Bundesvorgaben relativ gering. Der Erziehungsrat sieht vor, je eine Lektion in den Fächern Volkswirtschaftslehre, Naturwissenschaften und Geografie zu kürzen. Weil bei der Platzierung der Lektionen nur wenig Freiraum besteht, hat der Erziehungsrat in der Wirtschaftsmittelschule, anders als in den beiden übrigen Lehrgängen, bereits eine neue Stundentafel verabschieden können.

 

Einführung einlaufend

 

Mit seinen Entscheiden hat der Erziehungsrat eine erste strategische Weichenstellung für die weiteren Umsetzungsarbeiten vorgenommen. In einem nächsten Schritt werden nun auch für das Gymnasium und die FMS die neuen kantonalen Stundentafeln und Lehrpläne ausgearbeitet. Diese sollen aufzeigen, auf welche konkreten Unterrichtsinhalte künftig verzichtet wird. Die neue Stundentafel soll im Frühjahr 2013 erlassen und von der Regierung genehmigt werden. Sie würde dann für all jene Schülerinnen und Schüler gelten, welche ab August 2013 in einen Mittelschullehrgang eintreten. Gemeinsam mit dem Bildungsdepartement, dem Amt für Mittelschulen und der Kantonalen Rektorenkonferenz wird der Erziehungsrat Massnahmen prüfen, um den Abbau der Lektionen abzufedern und ein Absinken der Schul- und Ausbildungsqualität an den Mittelschulen nach Kräften zu verhindern.