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Bildungsdaten im Trend

Haben Sie gewusst, dass eine Schülerin oder ein Schüler die St.Galler Gemeinden durchschnittlich 18‘300 Franken je Jahr kostet? Oder dass die Schülerzahlen der Volksschule im Kanton St.Gallen in den letzten 10 Jahren gesunken sind, in den kommenden Jahren aber wieder deutlich ansteigen werden?


Diese und viele andere Informationen sind zwei Publikationen zu entnehmen, die im zu Ende gehenden Jahr 2018 entstanden sind: dem Bildungsbericht Schweiz[1] der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) und dem ersten Monitoringbericht[2] des St.Galler Erziehungsrates. Der Bildungsbericht Schweiz ist Teil des Bildungsmonitorings Schweiz und wird im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und des Bundes alle vier Jahre durch ein Expertenteam erarbeitet – mit allen Registern einer ressourcenstarken Professionalität. Der Monitoringbericht des Erziehungsrates wurde demgegenüber im Geschäftsablauf des Bildungsdepartementes und der Fachstelle für Statistik im Volkswirtschaftsdepartement verfasst; dies tut seiner Qualität keinen Abbruch, hat aber die Ambitionen der Arbeit von Anfang an begrenzt.

 

Die beiden Werke sind also vom Aufwand und von der Funktion her nicht miteinander vergleichbar, sie „spielen nicht in der gleichen Liga“. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie Daten der Schulen systematisch, unter Nutzung verlässlicher Quellen, aufbereiten und auch Ansätze zu ihrer Interpretation liefern. Aggregierte Bildungsdaten sind eine junge Errungenschaft. Sie werden von den Akteuren der Bildung, von der Politik und von der Öffentlichkeit mit offenen Armen aufgenommen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Zeitalter der Digitalisierung, wo Vernetzung, Transparenz sowie Streben nach Präzision in Aufwand und Ertrag – nach Effektivität und Effizienz im «Führungsdeutsch» – die Lebenshaltung dominieren. Es darf nicht wundern, wenn diese Lebenshaltung auch das Bildungswesen erfasst, zumal die Bildung den Kanton 580 Mio. Franken im Jahr oder 27 Prozent seines Nettoaufwandes kostet und der Aufwand für die Volksschule in den Gemeinden den Löwenanteil der Finanzhaushalte ausmacht. Diese Ausgaben sind gut investiertes Geld, denn Bildung ist bekanntlich die beste Ressource unseres Landes und des am Rand der Schweiz gelegenen, eher kleinräumig gegliederten Kantons St.Gallen ohnehin. Politik und Bevölkerung im Kanton St.Gallen sagen denn auch stets «Ja» zu sinnvollen Bildungsinvestitionen.

 

Wann ist aber eine Bildungsinvestition sinnvoll? Niemand will Geld sinnlos ausgeben. Bildung ist zwar ein langfristiger Prozess und ihr Erfolg wegen vieler Einflussfaktoren nur schwer messbar. Dennoch gehört auch sie auf den Prüfstand der Rechenschaftslegung, und diese erfolgt heute datenbasiert. Dies erklärt den Trend zum Management von Bildungsdaten, das seinen Niederschlag in immer zahlreicheren Analyseberichten findet. Berichte zum Status der Bildung sind heute unverzichtbare Grundlagen für Entscheide zur Entwicklung der Bildung.

 

Nochmals aber: Wann ist eine Bildungsinvestition sinnvoll? Die Politik lauert seit geraumer Zeit auf die neu aufbereiteten Finanzkennzahlen der St.Galler Volksschule. Wegen noch auszuräumenden Unebenheiten in der Rechnungslegung der Gemeinden liegen diese Zahlen erst im Jahr 2020 vor. Bis dann richtet sich die Aufmerksamkeit der Finanzpolitik umso stärker auf den neuen Monitoringbericht des Erziehungsrates. Dieser hat daher fürs erste bewusst eine „finanzielle Schlagseite“. Bildung ist allerdings nicht eine rein ökonomische Angelegenheit. Die Sichtweise der Ökonomie, der Effektivität und vor allem der Effizienz, wird ihr keineswegs vollumfänglich gerecht. Bildung ist auch Charakter- und Herzenssache und kann insoweit nicht statistisch, sondern muss als Selbstzweck legitimiert werden. Das muss auch in der digitalen Zukunft – und besonders in ihr! – so sein.

 

Das Unwort „Verökonomisierung“ beschreibt das Risiko, welches mit den neu zugänglichen Datensammlungen zur Bildung verbunden ist. Monitoring neigt dazu, die Anreize des Handelns einseitig von den Kosten-Nutzen-Überlegungen her zu definieren, weil bei ihm einfacher mit sogenannt harten Zahlen als mit sogenannt weichen Thesen operiert werden kann. Weil aber Bilden und Ausbilden Sache von Menschen, nicht von Kostenstellen ist, wird die Herausforderung künftiger Monitoringberichte zur Bildung vermehrt darin liegen, den Fokus nicht nur auf den Franken, sondern auch auf den Menschen zu legen. Dies hat der Erziehungsrat schon im ersten Monitoringbericht ergänzend getan. Beispiel: Der Bericht zeigt auf, dass die Zahl der bilingualen Maturitäten an öffentlichen Mittelschulen während der letzten Jahre deutlich angestiegen ist. Und er zeigt ausserdem, dass sich die Naturwissenschaften zunehmender Beliebtheit bei den Studienanfängerinnen und Studienanfängern erfreuen. Die Neugier am Neuen ist bei der jungen Generation also ungebrochen vorhanden. Der Erziehungsrat wird in späteren Berichten noch vermehrt solche und ähnliche Aspekte hervorheben.

 

Jürg Raschle 

Generalsekretär Bildungsdepartement und Geschäftsführer Erziehungsrat

 

 

 

[1]   Der Bildungsbericht Schweiz 2018 kann auf der Internetseite der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung bezogen werden (https://www.skbf-csre.ch). 

 

[2]   Der Monitoringbericht des Erziehungsrates wurde in der Schriftenreihe «Statistik aktuell» publiziert (www.statistik.sg.ch).

 

 


Bildung - Bildungsdaten im Trend (09.11.2018 11:11)


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