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Musikalische Bildung

Am 23. September 2012 hat das Schweizer Stimmvolk mit grosser Mehrheit einem neuen Verfassungsartikel zugestimmt, wonach Bund und Kantone verpflichtet sind, die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Dazu müssen sie sich einerseits für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen einsetzen. Andererseits muss der Bund im ausserschulischen Bereich Grundsätze für den Zugang der Jugend zum Musizieren und die Förderung musikalisch Begabter festlegen.


Schulischer Musikunterricht

Im Kanton St.Gallen ist die Wichtigkeit von Musik für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und deren positiver Einfluss auf die ganzheitliche Bildung seit jeher anerkannt. Entsprechend ist Musik in der Volksschule ein wichtiger Unterrichtsbestandteil, der im Jahr 2008 mit der obligatorischen Aufnahme der musikalischen Grundschule in die Lektionentafel noch gestärkt wurde. Auch im neuen Lehrplan Volksschule ist der Fachbereich Musik gut ausgebaut und wird mit einem attraktiven neuen Lehrmittel «MusAik» in der Primarschule zusätzlich gestärkt. Ausserdem bestehen verschiedene Angebote zur Förderung von musikalisch besonders begabten Schülerinnen und Schülern. Diese gehen von der integrierten Förderung im Rahmen des Unterrichts bis hin zum Besuch einer Schule für Hochbegabte in der Oberstufe. Im Kanton St.Gallen sind derzeit sechs Oberstufenschulen als Talentschulen Musik anerkannt.

 

Auf der Sekundarstufe II ist der Musikunterricht an Berufsfachschulen weit weniger gut ausgebaut. Hier sind dem Kanton jedoch die Hände gebunden, weil die Regelungskompetenz im Bereich der Berufsbildung umfassend beim Bund liegt. Hingegen ist Musik in den Mittelschulen ebenfalls gut aufgestellt: Sie ist einerseits Grundlagenfach und kann andererseits als Schwerpunkt- oder Ergänzungsfach belegt werden. Ausserdem bestehen auch hier verschiedene Angebote zur Förderung musikalischer Begabungen, etwa im Rahmen von Instrumentalunterricht, Chören oder Orchestern.

 

Der Kantonsrat hat deshalb bei der Behandlung eines XVII. Nachtrags zum Volksschulgesetz in der April- und der Junisession 2017 festgehalten, dass der Musikunterricht an den Schulen im Kanton St.Gallen gut ausgebaut ist und die Vorgaben der Bundesverfassung erfüllt. Entsprechend ortete er beim Musikunterricht in den Schulen keinen Regelungsbedarf.

 

Freiwilliger Instrumental- und Vokalunterricht

Zur Umsetzung des eingangs erwähnten Verfassungsauftrages hat der Bund im Kulturförderungsgesetz festgelegt, dass die von Kantonen oder Gemeinden geführten oder unterstützten Musikschulen verpflichtet sind, für alle Kinder und Jugendlichen bis zum Abschluss der Sekundarstufe II Tarife deutlich unter den Erwachsenentarifen anzubieten. Bei der Festlegung der Tarife sind zudem die wirtschaftliche Situation der Eltern und der erhöhte Ausbildungsbedarf von musikalisch Begabten zu berücksichtigen. Darüber hinaus liegt die Ausgestaltung der Tarife weiterhin bei den Musikschulen bzw. deren Trägern.

 

Instrumentalunterricht[1] ist für Schülerinnen und Schüler im Kanton St.Gallen ein Angebot auf freiwilliger Basis. Er wird von 30 Musikschulen angeboten, die entweder in einen Volksschulträger integriert sind oder von einer politischen Gemeinde, einem Zweckverband oder einem Verein geführt werden. Die Musikschulen decken das ganze Kantonsgebiet ab und bieten für Schülerinnen und Schüler der Volksschule und der Sekundarstufe II bis mindestens zur Vollendung des 20. Altersjahres deutlich tiefere Tarife als für Erwachsene und in der Regel auch eine Art «Familienrabatt» an. Sie erfüllen damit die erwähnten Bundesvorgaben. Das Gleiche gilt für den freiwilligen Instrumentalunterricht an staatlichen Mittelschulen.

 

Insgesamt sind im Kanton St.Gallen also die Vorgaben der Bundesverfassung auch in Bezug auf den Instrumentalunterricht faktisch bereits erfüllt. Es fehlte bisher aber eine explizite gesetzliche Absicherung des bestehenden, umfassenden Angebotes. Der Kantonsrat hat deshalb in seiner Junisession 2017 Änderungen im Volksschul- und Mittelschulgesetz beschlossen.[2] Demnach müssen Volksschulträger für Schülerinnen und Schüler der Volksschule und der kantonalen Berufsfachschulen mit Wohnsitz im Kanton St.Gallen den Zugang zu freiwilligem Instrumentalunterricht ermöglichen. Wie die Volksschulträger die Angebotspflicht erfüllen – ob mit einer eigenen Musikschule oder indem sie sich einer regionalen Musikschule anschliessen – entscheiden sie im Rahmen ihrer Organisationsautonomie nach eigenem Ermessen.

Eine entsprechende Angebotspflicht wurde auch im Mittelschulgesetz verankert. Auch an Mittelschulen soll inskünftig der Instrumentalunterricht nicht nur Mittel-, sondern auch Berufsschülerinnen und -schülern offenstehen. Letztere können somit ab dem Schuljahr 2018/19 wählen, ob sie den Instrumentalunterricht an einer Musikschule oder einer Mittelschule besuchen.

 

Programm Jugend und Musik

Der Bund hat zur Umsetzung des Verfassungsauftrages das Programm «Jugend und Musik» ins Leben gerufen. Dieses hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche früh zur musikalischen Aktivität zu führen und damit ihre ganzheitliche Entwicklung zu fördern. Dazu fördert der Bund die Ausbildung von Leiterinnen und Leitern sowie des Angebots an Musiklagern und -kursen für Kinder und Jugendliche. Informationen zum Programm «Jugend und Musik» sind auf der Homepage des Bundesamtes für Kultur unter http://www.bak.admin.ch/jm/index.html?lang=de erhältlich.  

 

lic.iur. RA Franziska Gschwend

Leiterin Dienst für Recht und Personal des Bildungsdepartementes

 

 

 

[1] Nachfolgend für Instrumental- und Vokalunterricht verwendet.

[2] vgl. die Referendumsvorlage unter www. ratsinfo.sg.ch → Geschäftssuche → 22.16.10 →  XVII. Nachtrag zum Volksschulgesetz → Referendumsvorlage

 

 


Bildung - Musikalische Bildung (14.11.2017 07:26)


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