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Rettungsanker für bedrohte Art

Rohrkolben

Mit einer spektakulären Rettungsaktion will der Kanton St.Gallen das Aussterben des Kleinen Rohrkolbens verhindern. Dazu wurden am Dienstag mehr als 60 Tonnen Steinblöcke im Rhein bei Rüthi SG verbaut. Diese Massnahme ist die erste ihrer Art im Rahmen der neuen Biodiversitätsstrategie.


Der Kleine Rohrkolben ist eine sehr seltene Pionierpflanze, die im Kanton nur noch an einer einzigen Stelle am Rheinufer bei Rüthi wächst. Anfang Juni konnten dort auf einer Sandbank noch rund 100 Kolben gezählt werden. Wenige Tage später wurde der Bestand aber fast vollständig weggespült. Bereits ein kleines Hochwasser hätte die verbleibenden Halme mitreissen können, was zum lokalen Aussterben dieser Art geführt hätte.

 

Dieses Szenario wurde nun vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) abgewendet. Am Dienstag baute das Rheinunternehmen im Auftrag des Kantons aus mehr als 60 Tonnen Steinblöcken eine Buhne. Diese ragt fünf Meter in den Rhein und schützt die Böschung und damit die letzten verbleibenden Rohrkolben vor dem nächsten Hochwasser. Mit der Zeit wird sich unterhalb der Buhne eine neue Kiesbank bilden. Auf dieser kann sich der Kleine Rohrkolben in Zukunft wieder ausbreiten.

 

Das ist zumindest die Hoffnung des Kantons. Denn ob diese Notfallmassnahme genügt, um die Art auch langfristig vor dem Aussterben zu bewahren, ist ungewiss. «Dies hängt vor allem davon ab, wie rasch die Alpenflüsse revitalisiert werden können. Denn nur der Fluss selbst kann Lebensräume schaffen, in welchen sich der Kleine Rohrkolben und viele andere seltene Arten wirklich wohl fühlen», sagt Simon Zeller, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim ANJF.

 

Die derzeitige Rettungsaktion ist eine direkte Folge der Anfang Jahr in Kraft getretenen Biodiversitätsstrategie des Kantons. Diese sieht vor, dass die Artenvielfalt im Kanton langfristig erhalten werden soll.

 

Kleiner Rohrkolben (Typha minima)

 

Einst besiedelte der Kleine Rohrkolben alle grossen Flusstäler Zentraleuropas. Er wuchs entlang der natürlichen Sand- und Kiesbänken der mäandrierenden Flüsse. Mit der Rheinkorrektur vor 120 Jahren und der Begradigung vieler weiterer Flüsse zeichnete sich jedoch sein Niedergang ab. An den schnurgeraden Ufern bildeten sich nur noch wenige Sandbänke, die zudem von Hochwassern ständig überschwemmt oder fortgespült wurden. Mitte des 20. Jahrhunderts war die Art in Deutschland und Liechtenstein ausgestorben. In der Schweiz gibt es derzeit nur noch drei natürliche Populationen. Diese liegen alle entlang des Rheins. Wegen der prekären Lage besitzt der Kleine Rohrkolben national die höchste Gefährdungsstufe. Obwohl sich sein Verbreitungsgebiet weltweit bis nach China erstreckt, wäre sein Aussterben in der Schweiz ein herber Schlag für die hiesige Artenvielfalt, gehörte er doch einst zum typischen Landschaftsbild der Schweiz.

 

Biodiversitätsstrategie St.Gallen

 

Seit Anfang Jahr hat der Kanton St.Gallen eine Biodiversitätsstrategie. Ihr Ziel ist der Erhalt und Förderung der Artenvielfalt. Dazu werden zehn Massnahmen umgesetzt. Sie beinhalten unter anderem den Unterhalt der Biotope, die Erfassung des Gewässerzustandes, die Schaffung von Waldreservaten und wertvollen Grünflächen im Siedlungsraum oder die Aus- und Weiterbildung von Landwirten. Das vorliegende Projekt ist Teil der Massnahme 7, welche den Schutz der am stärksten bedrohten Arten vorsieht.

 

Biodiversitätsstrategie als PDF herunterladen.


Allgemein - Rettungsanker für bedrohte Art (21.08.2018 15:00)


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