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20'000 Nasen in Freiheit entlassen

20'000 Nasen in Freiheit entlassen

Regierungsrat Bruno Damann hat diese Woche 20'000 Nasen, eine Fischart, an der Linth ausgesetzt. Mit diesem Projekt soll die vom Aussterben bedrohte Spezies gefördert werden. Die Wiederansiedlung der Nase ist Teil der Biodiversitätsstrategie des Kantons St.Gallen.


 

Einst galt die Nase als Fisch der armen Leute und kam in unseren Gewässern massenhaft vor. Ab dem 19. Jahrhundert verlor sie jedoch immer mehr Lebensraum, weil die Flüsse zusehends verbaut und begradigt wurden. Am Mittwoch, 30. August, hat der Kanton St.Gallen im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts 20'000 Nasen in den renaturierten Seitenarm der Linth, den so genannten Hänggelgiessen, ausgesetzt. «Götti» der Aktion war Regierungsrat Bruno Damann. Er entliess eigenhändig ein Becken voll fingerlanger Jungfische ins Wasser. «Die vermehrte Beobachtung von wildlebenden Nasen im Kanton St.Gallen gibt uns Hoffnung, dass sich die Bedingungen gebessert haben und die Nase vielleicht bald ein Comeback feiern kann», so Damann.

 

Vorgängige Untersuchungen von Fischbiologen haben ergeben, dass sich der Lebensraum an der Linth tatsächlich verbessert hat. Dies ist vermutlich auf Renaturierungsprojekte zurückzuführen. Um die nötige Anzahl an Jungfischen bereitzustellen, entnahm man Eier von wildlebenden Nasen aus der Murg im Kanton Thurgau. Diese reiften im Fischereizentrum Steinach am Bodensee zu Jungfischen heran.

 

Grenzübergreifender Schutz

 

Seit dem Jahr 2012 bestehen mehrere solche Aufzuchtprogramme. Inzwischen sind die Programme länderübergreifend und es beteiligen sich Vorarlberg und das Fürstentum Liechtenstein daran. Zusammen mit der Schweiz erarbeiten sie momentan ein Schutz- und Förderprogramm für die Nase. Schon heute gibt es erste Erfolge. Seit zwei bis drei Jahren findet man in einigen renaturierten Gewässern im Alpenrheintal, einschliesslich iKanton St.Gallen, wieder vereinzelt sowohl ausgewachsene Tiere als auch Jungtiere. Damit die Nase jedoch wieder grossflächig in unsere Flüsse zurückkommt, muss ihre Population weiterhin regelmässig mit Wiederansiedlungsprojekten unterstützt werden.

 

Dieses Wiederansiedlungsprojekt findet im Rahmen der Anfang 2018 gestarteten kantonalen Biodiversitätsstrategie statt. Mit der Strategie hat sich der Kanton St.Gallen unter anderem das Ziel gesetzt, stark bedrohte Arten zu fördern. Bruno Damann ist als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes für die Biodiversitätsstrategie verantwortlich und damit auch oberster Artenförderer des Kantons.  

 

Nase (Chondrostoma nasus)

 

Einst zogen die Nasen jedes Frühjahr genau wie die Lachse in grossen Schwärmen die Flüsse zu ihren Laichplätzen hoch. Dabei legten sie Strecken von über hundert Kilometern zurück. Doch die Kanalisierung und Verbauung der Fliessgewässer durch Kraftwerke im letzten Jahrhundert unterbrachen diese Laichwanderungen und brachte die Nase in der Schweiz an den Rand der Ausrottung. Heute sind in der Schweiz nur noch rund zwei Prozent der ursprünglichen Population vorhanden. Aktuell gibt es jedoch Hoffnung, dass sich der karpfenartige Wanderfisch mit seiner namensgebenden verdickten Oberlippe wieder verbreitet. Denn seit einigen Jahren wird er in verschiedenen Kantonen wieder vermehrt beobachtet. Dies ist vor allem auf die Gewässerrenaturierungen zurückzuführen.

 

Früher war die Nase der Brotfisch vieler Fischer. Sie liessen sich tonnenweise fangen. Dabei waren sie so häufig, dass sie sogar als Dünger auf den Feldern eingesetzt wurden. Beim Kartoffelsetzen etwa gab man zu jeder Kartoffel eine Nase dazu.

 

Biodiversitätsstrategie St.Gallen

 

Seit Anfang Jahr hat der Kanton St.Gallen eine Biodiversitätsstrategie. Ihr Ziel ist der Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt. Dazu werden zehn Massnahmen umgesetzt. Diese beinhalten unter anderem den Unterhalt der Biotope, die Erfassung des Gewässerzustands, die Schaffung von Waldreservaten und wertvollen Grünflächen im Siedlungsraum sowie die Aus- und Weiterbildung von Landwirten. Die Wiederansiedlung der Nase ist Teil der Massnahme 7, die den Schutz der am stärksten bedrohten Arten vorsieht.

 

Biodiversitätsstrategie als PDF herunterladen

 


Allgemein - 20'000 Nasen in Freiheit entlassen (31.08.2018 09:39)


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