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Zeit schenken: Kostbarer als jedes Medikament

Tag der Kranken

Heidi Hanselmann präsentiert zusammen mit Thomas Maier und Melina Wälle von der Psychiatrie St.Gallen Nord die Peer-Arbeit.

Der Tag der Kranken findet schweizweit jeweils am ersten Sonntag im März statt. Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Vorsteherin des Gesundheitsdepartements, reserviert sich diesen Tag jedes Jahr, um Patientinnen und Patienten im Kanton St.Gallen zu besuchen. Der Tag der Kranken steht dieses Jahr unter dem Motto «Zeit für dich, Zeit für mich, Zeit für uns» und regt dazu an, sich Zeit zu nehmen für die eigene Gesundheit und Zeit mit kranken und beeinträchtigten Menschen zu verbringen.


Das Gesundwerden verläuft bei jedem Menschen individuell. Der Prozess verändert sich mit dem Alter, es gibt Rückschläge oder Anzeichen der Hoffnung und er verlangt Geduld und Zeit. «Sich bewusst Zeit nehmen für die eigene Gesundheit sowie Brücken bauen zwischen Gesunden und Kranken sind wertvolle Medikamente, die keine Nebenwirkungen verursachen und kostenlos mit grosser Wirkung eingesetzt werden können», sagt Regierungsrätin Heidi Hanselmann.

 

Für die Genesung braucht es aber auch Unterstützung von Angehörigen und Fachpersonen. Deshalb möchte das Gesundheitsdepartement im Zusammenhang mit dem Motto vom Tag der Kranken die Peer-Arbeit in der Psychiatrie der Öffentlichkeit näher bringen. Peers sind Mitarbeitende, die selber Psychiatrie-Erfahrungen haben und darum einen offenen und unbelasteten Zugang zu den Patientinnen und Patienten finden. In der Psychiatrie St.Gallen Nord wird seit 2015 auf der Akut- und Notfallpsychiatrie am Standort Wil eine Peer eingesetzt. Auch in der Tagesklinik in Rorschach ist ein Peer angestellt.

 

Peer als Brückenbauerin

 

Die beiden Peers in Wil und Rorschach ergänzen auf der Station ein interdisziplinäres Team. Sie nehmen Kontakt zu den Betroffenen auf, bieten Gespräche und Spaziergänge an, vermitteln Wissen und eigene Erfahrungen und nehmen an der Behandlungsplanung teil. Mit wenigen Einschränkungen steht der Kontakt zur Peer allen Betroffenen offen. Für viele Patientinnen und Patienten ist es einfacher, mit einer Peer statt mit einem «Profi» zu reden, da Peers die Problematik aus eigener Erfahrung kennen und darum ein anderes Verständnis aufbringen. Peers sind somit Brückenbauer zwischen Team, Betroffenen und Angehörigen. Sie setzen das diesjährige Motto des Tages der Kranken «Zeit für dich, Zeit für mich, Zeit für uns» in bemerkenswerter und nachhaltiger Weise um.

 

Autonomie der Betroffenen ins Zentrum stellen

 

Der Einsatz von Peers ist ein wichtiger Pfeiler der Recovery-Bewegung, die ihren Ursprung in den angelsächsischen Ländern hat. Recovery hat zum Ziel, die Autonomie der Betroffenen zu erhalten, ihre Ressourcen zu nutzen und die Selbstheilungskräfte zu stärken. «In der Psychiatrie St.Gallen Nord wird Recovery gezielt gefördert. Nicht die Diagnose steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seiner Geschichte, seinen Fähigkeiten und seinen Bedürfnissen», sagt PD Dr. Thomas Maier, Chefarzt Erwachsenenpsychiatrie.

 

Der Nutzen der Peer-Arbeit ist unbestritten und wird von verschiedenen internationalen Studien belegt. Die Zahl der Notaufnahmen kann verringert werden, stationäre Aufenthalte fallen kürzer aus, die Bedürfnisse der Betroffenen fliessen besser in die Behandlung ein, die Genesung wird positiv beeinflusst und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten steigt.

 

Expertin aus eigener Erfahrung

 

Der Kontakt zu einem Peer hilft den Betroffenen, Hoffnung zu schöpfen und das Leben wieder selber in die Hand zu nehmen. «Eine Peer macht Mut und ist das lebendige Beispiel dafür, dass man es aus einer Krisen schaffen kann», sagt Melina Wälle, die seit September 2017 auf der Akutstation in Wil als Peer arbeitet. Parallel dazu absolviert sie bei der Stiftung Pro Mente Sana die Peer-Weiterbildung. «Durch die Peer-Arbeit hat meine Krise einen Sinn bekommen», sagt Wälle.


Allgemein - Zeit schenken: Kostbarer als jedes Medikament (02.03.2018 12:00)


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