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Häusliche Gewalt und die Kinder mittendrin

15 Jahre nach Einführung der polizeilichen Wegweisung bei Häuslicher Gewalt lanciert der Kanton St.Gallen das Projekt «Häusliche Gewalt und die Kinder mittendrin». Ziel des Projekts ist, den Bedürfnissen der Kinder, die von Gewalt in Ehe und Partnerschaft betroffen sind, während der familiären Krise und allfälligen Verfahren gerecht zu werden. Damit soll auch verhindert werden, dass Gewalt als Konfliktverhalten von Generation zu Generation weitergegeben wird.


Im Jahr 2003 war der Kanton St.Gallen Vorreiter bei der Bekämpfung von Häuslicher Gewalt. Als erster Kanton hat er die Möglichkeit eingeführt, dass die Polizei die gewaltausübende Person zehn Tage aus der Wohnung wegweisen kann. Damit hat der Kanton St.Gallen neue Wege beschritten, um konsequent Tatpersonen in Verantwortung zu nehmen. Im Jahr 2017 verfügten die Kantons- und Stadtpolizei in 77 Fällen, dass die gewaltausübende Person für zehn Tage nicht in die gemeinsame Wohnung zurückkehren darf.

 

Bei rund 45 Prozent der Polizeieinsätze aufgrund von Konflikteskalation oder Gewalt in Ehe und Partnerschaft sind Kinder anwesend. Manchmal sind die Kinder mitten im Geschehen: Kleinkinder sind auf dem Arm des Elternteils, der gerade geschlagen wird, Kinder versuchen dazwischen zu gehen, wenn die Gewalt eskaliert, Kinder und Jugendliche flüchten zu Nachbarfamilien oder rufen selber die Polizei. Andere Kinder bleiben im Kinderzimmer und hören die Gewalt, versuchen sich abzulenken, stellen sich schlafend. Im Jahr 2017 betraf dies 474 Interventionen der Polizei. Bei 130 Familien mit Kindern musste sogar wiederholt interveniert werden.

 

Projekt unterstützt, vernetzt und sensibilisiert

 

Beim Projekt «Häusliche Gewalt und die Kinder mittendrin» ist das Sicherheits- und Justizdepartement federführend. Ausserdem am Projekt beteiligt sind das Gesundheitsdepartement, das Departement des Innern, das Bildungsdepartement, die Vereinigung St.Gallischer Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP), die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), Gerichte sowie private Fachstellen. Das Projekt beruht auf drei Pfeilern: Unterstützung der Kinder, Vernetzung aller Beteiligten und Sensibilisierung der involvierten Fachpersonen.

 

Im November 2017 wurde das Projekt gestartet und am 2. März 2018 begann die Sensibilisierung der Fachpersonen an der Tagung «Belastete Familien und die Kinder mittendrin». Im Mai beginnt in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule St.Gallen eine Bestandsaufnahme: Die bestehenden Angebote für betroffene Kinder werden zusammengetragen und allfällige Lücken benannt. Die am Projekt beteiligten Fachpersonen erheben aufgrund der bisherigen Praxis Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Als Resultat des Projekts soll bis Januar 2020 ein Praxis-Handbuch für die involvierten Behörden, Institutionen und Fachstellen entstehen.

 

Kinder leiden unter ständigen Streiteskalationen

 

Die Streitkultur der Eltern hat Auswirkungen auf die Kinder. Streit gehört zum Zusammenleben dazu. Wenn Konflikte respektvoll ausgetragen werden, profitieren alle davon. Andauernde Vorwürfe sowie ständiges Nörgeln und Streiten beim geringsten Anlass hingegen hinterlassen bei den Kindern Unsicherheit, Enttäuschung und Schuldgefühle. Eskaliert der Streit bis zur elterlichen Paargewalt, reagieren die Kinder mit Angst, Trauer, Wut, Ohnmacht oder auch mit Schlafstörungen, Bauchschmerzen bis hin zu Aggressivität und Schulschwierigkeiten.

 

Kinderschutz Schweiz hat von Häuslicher Gewalt betroffene Kinder porträtiert und veröffentlicht unter www.kinderschutz.ch. Die Porträts machen auf die Folgen Häuslicher Gewalt für Kinder aufmerksam und unterstützen das Projekt bei der Sensibilisierung des Themas.

 

 

 

 


Allgemein - Häusliche Gewalt und die Kinder mittendrin (28.03.2018 08:38)


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