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Herzchirurgische Versorgung in St.Gallen

Die vorberatende Kommission des Kantonsrates hat den Bericht «Herzchirurgische Versorgung von st.gallischen Patientinnen und Patienten» diskutiert und mit eingeladenen Spezialisten die geänderten medizinischen, volkswirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen eingehend erörtert. Die aktuelle Ballung der herzmedizinischen Versorgung ausserhalb der Ostschweiz ist heikel, Überkapazitäten sollen bereinigt und ausbildungsmässige sowie volkswirtschaftliche Vorteile für unsere Region ernsthaft geprüft werden.


Unter dem Präsidium von Walter Locher, St.Gallen, beriet die vorberatende Kommission den Ende 2017 vorgelegten Bericht der Regierung, der in Erfüllung eines durch den Kantonsrat bereits 2007 gutgeheissenen Postulats folgte. Darin wurde verlangt, die Weiterführung vertraglicher Lösungen mit ausserkantonalen Anbietern dem Aufbau einer eigenen Herzchirurgie im Raum St.Gallen durch einen Dritten sowie der Schaffung einer eigenen Herzchirurgie am Kantonsspital St.Gallen gegenüberzustellen.

 

Die von der vorberatenden Kommission behandelte herzchirurgische Versorgung betrifft nicht die Schaffung von Angeboten im Bereich der hochspezialisierten Medizin (Transplantationsmedizin und Kinderherzchirurgie), sondern den Aufbau eines eigenständigen Angebotes für Bypass- und Herz-Klappenchirurgie im Kanton St.Gallen. Herzchirurgische Eingriffe werden heute an insgesamt 16 Zentren in der Schweiz durchgeführt. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der herzchirurgischen Eingriffe an St.Galler Patientinnen und Patienten zu rechnen.

 

Die anwesenden Spezialisten machten deutlich, dass sich die Situation im Verlauf der letzten Jahre aufgrund des medizinischen Fortschrittes stark gewandelt hat: Die Kardiologie und die Herzchirurgie sind immer weniger voneinander zu trennen, die Zusammenarbeit in «Herz-Teams», deren Versorgungsleistung am Patienten immer fliessender wird, hat sich in den letzten Jahren erheblich verstärkt. Längerfristig besteht die Gefahr, dass eine Kardiologie ohne Herzchirurgie am gleichen Standort in ihrem Leistungsspektrum stark eingeschränkt sein wird. Unter anderem auch wegen dieser Entwicklung hat die Geschäftsleitung des Kantonsspitals St.Gallen beschlossen, der Regierung einen entsprechenden Leistungsauftrag für die neue Spitalliste ab dem Jahr 2022 zu beantragen und die Vorbereitungen an die Hand zu nehmen. Die Regierung wird den Antrag im Rahmen der vorgegebenen rechtlichen Evaluationskriterien zum gegebenen Zeitpunkt prüfen.

 

Von Seiten der Experten wurde weiter erläutert, dass mit der möglichen Schaffung einer herzchirurgischen Abteilung keine Überkapazitäten geschaffen werden und damit keine Kostensteigerung einhergehen soll. Die vorberatende Kommission will ihrerseits Überkapazitäten in der Versorgung vermeiden, stellt sich aber kritisch zur aktuellen Ballung herzchirurgischer Versorgung ausserhalb der Ostschweiz. Es besteht grundsätzlich bereits heute eine gesetzliche Verpflichtung, die Angebote interkantonal zu koordinieren, was aber nur unzureichend geschehen ist.

 

Eine eigene Herzchirurgie könnte für die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischem Fachpersonal einen wichtigen Beitrag leisten und für die Versorgung unseres Kantons und der angrenzenden Gebiete auch volkwirtschaftlich bedeutsam sein. Das in Aussicht gestellte Gesuch aus St.Gallen wird im dannzumaligen Zeitpunkt konkret zu prüfen sein.

 

Der Kantonsrat berät die Vorlage in der kommenden Februarsession. Der Bericht der Regierung ist im Ratsinformationssystem www.ratsinfo.sg.ch unter der Nummer 40.17.07 zu finden.


Allgemein - Herzchirurgische Versorgung in St.Gallen (02.02.2018 10:00)


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