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Vier Ideen mit Potenzial ausgezeichnet

Am Mittwoch hat das Amt für Kultur in St.Gallen die vier Preisträgerinnen und Preisträger des erstmals ausgeschriebenen Film-Wettbewerbs bekannt gegeben und würdigte diese für ihre Ideen. Für die Weiterbearbeitung des Filmstoffs zu einem Treatment, eine Vorstufe des Drehbuchs, erhalten die Ausgezeichneten je 15'000 Franken.


Aufgrund von Geldsorgen kann ein Vater seiner Tochter das Pferdereiten nicht mehr finanzieren. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, steigt das junge Bauernmädchen schliesslich auf das Reiten von Kühen um. Als auch noch die Schliessung des väterlichen Landwirtschaftsbetriebs droht, bricht die kleine Reiterin mit ihrer Kuh Cervelat Richtung Olma auf, um dort ein vermeintlich rettendes Preisgeld im Schönheitsconcours zu gewinnen. So lautet die geplante Handlung für den Film «Cowgirl» und so lautet die liebenswürdige, leichtfüssige und gleichzeitig kämpferisch-humorvolle Geschichte des jungen Aargauer Autors Marc Vogel.

 

Dies ist eine von vier von der Filmkommission ausgezeichneten Filmideen, die für die Ausarbeitung einer ersten Drehbuchvorlage mit 15'000 Franken unterstützt wird. Zu den weiteren Preisträgern gehören die St.Galler Urs Bühler und Ninian Green sowie das Thurgauer Duo Roland Schäfli und Michèle Minelli. Am Mittwochabend fand im KinoK in der St.Galler Lokremise die Preisverleihung statt.

 

Easybots, Träume und ein Kriminalfall

 

Die vier von der Jury ausgewählten Filmideen zeugen von der Vielfalt, Originalität und hochstehenden Qualität der eingereichten Geschichten mit St.Galler Bezug. Auch bezüglich Genres wird ein breites Spektrum abgedeckt, wie die Science-Fiction-Geschichte von Drehbuchautor Urs Bühler zeigt. In dieser Handlung verstecken sich im Jahr 2037 die letzten normalen Menschen im Alpstein. Der Rest der Gesellschaft ist mit sogenannten Easybots verseucht. Das sind mikroskopisch kleine Roboter, die im Gehirn der Befallenen Empathie und Solidarität ausschalten. Dennoch sind die Bewohner des Alpsteins gezwungen, sich für Beutezüge immer wieder von Neuem in die Täler zu begeben, wo sie allenfalls in gefährlichen Kontakt mit den dortigen Bewohnern kommen.

Filmkommissionsmitglied Luc Schaedler würdigte Urs Bühlers vielversprechende und futuristische Geschichte, die auf unkonventionelle Art aktuelle und relevante Fragen zu künftigen technischen Entwicklungen stellt.

 

Filmproduzentin und Jurymitglied Brigitte Hofer würdigte des Weiteren den jungen Filmemacher Ninian Green, der sich, motiviert von der persönlichen Geschichte seiner Eltern, auf Spurensuche des Musicals «Raisin» begibt, das 1979 in St.Gallen als Gastspielreihe gezeigt wurde. Während drei Monaten hielt sich ein rund vierzigköpfiges afroamerikanisches Ensemble in St.Gallen auf und setzte sich mit dem Musical gegen Rassendiskriminierung und soziale Misstände in den USA ein. Das war mit Blick auf die damalige Atmosphäre im beschaulichen St.Gallen ein durchaus besonderes Projekt. Für vertiefte Recherchen sucht Ninian Green nun weiteres dokumentarisches Material wie Fotografien, Filmaufzeichnungen und andere Erinnerungsstücke. Die filmische Verabeitung dieses Aufeinandertreffens verschiedener Welten machte die Filmjury neugierig und lässt auf ein aussergewöhnliches Kinoerlebnis hoffen.

 

Noch weiter zurück reicht die auf einem historischen Kriminalfall beruhende und sorgfältig recherchierte Geschichte rund um die Schneiderin Frieda Keller und den Kindsmord von 1904, der nach dem in St.Gallen ergangenen Gerichtsurteil die Schweiz polarisierte und gerade auch Frauen mobilisierte. Die im Kanton Thurgau wohnhaften Roland Schäfli und Michèle Minelli verarbeiten in «Die Verlorene» die tragische Geschichte der unverheirateten und durch Vergewaltigung schwanger gewordenen Frieda Keller und deren Verurteilung durch eine männerbestimmte Justiz. Nur auf Druck der Öffentlichkeit wurde die Frau begnadigt und das von der St.Galler Justiz ausgesprochen Todesurteil aufgehoben. Ihr restliches Leben verbrachte Frieda Keller im Zuchthaus in Einzelhaft mit der zusätzlichen Auflage eines Schweigegebots.

 

Förderung von Filmideen

 

In der Schweiz wird die Abfassung von Treatments (Vorstufe eines Drehbuchs) und Drehbüchern bedeutend seltener gefördert als eigentliche Filmproduktionen. Dies, obwohl das Erstellen von Treatments und Drehbüchern oder entsprechenden Konzepten eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung von überzeugenden Filmen ist. Die St.Galler Filmförderung ist sich dieser Lücke bewusst und hat mit der Ausschreibung eines Treatment-Wettbewerbs im Sommer 2017 gezielt dort angesetzt. Eingegangen sind über dreissig Filmideen von guter Qualität. Die Filmkommission wählte schliesslich die vier überzeugendsten Filmideen aus und fördert deren Weiterverarbeitung zu einem Treatment mit je 15‘000 Franken.

 

Die Kommission besteht aus Brigitte Hofer, Filmproduzentin, und Luc Schaedler, Dokumentarfilmer, sowie Ursula Badrutt, Leiterin der Kulturförderung, Esther Hungerbühler, Mitarbeiterin Kulturförderung, und Mireille Loher, Geschäftsführerin der Filmkommission im Amt für Kultur.

 

Anlässlich der Preisverleihung am 10. Januar 2018 zeigte das KinoK den zweiten und bereits mehrmals ausgezeichneten Kurzfilm «Airport» der St.Gallerin Michaela Müller. Der Film war damit zum ersten Mal in St.Gallen selbst zu sehen.


Allgemein - Vier Ideen mit Potenzial ausgezeichnet (10.01.2018 20:00)


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