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Drei Bauprojekte für die Universität St.Gallen

Die Regierung des Kantons St.Gallen wird die bauliche Entwicklung der Universität St.Gallen (HSG) in drei Projekten vorantreiben. Sie will, erstens, einen neuen Campus am Platztor erstellen und, zweitens, das bestehende Bibliotheksgebäude sanieren. Unabhängig davon beabsichtigt die HSG Stiftung, das dritte Projekt zu realisieren. Mit privaten Mitteln soll für die HSG ein Learning Center entstehen.


Nach Abschluss der Testplanungen 2016 wurden die Projekte an den Standorten Rosenberg und Platztor getrennt und separat bearbeitet. Für den Standort Rosenberg ergibt sich nun eine weitere Trennung: die Sanierung der bestehenden Bibliothek und ein neues, privat finanziertes Learning Center.

 

Ein neues Stück Stadt mit neuem Campus

 

Auf dem Areal Platztor plant der Kanton einen neuen Standort für Lehre und Forschung. Auch das Vollzeit-MBA-Programm wird im Neubau untergebracht. Bis zu 3‘000 Studierende sowie Dozierende und Mitarbeitende sollen künftig im Neubau ein- und ausgehen. Im Erdgeschoss an der St.Jakob-Strasse sind attraktive, universitätsnahe Drittnutzungen vorgesehen. Der Aussenraum des Neubaus wird öffentlich zugänglich sein. Ein Platz entlang des Unteren Graben mit grosszügigen Übergängen zur Altstadt soll dazu beitragen, ein lebendiges neues Stück Stadt zu schaffen. Um eine möglichst direkte Fusswegverbindung zu schaffen, soll in den nächsten Planungsschritten eine Verbesserung der bestehenden Treppenanlagen untersucht werden.

 

Beiträge von Bund und HSG

 

Die Gesamtkosten für den Campus Platztor betragen nach aktueller Planung 205 Millionen Franken. Darin enthalten ist ein voraussichtlicher Bundesbeitrag von 25 Millionen Franken. Nach Vorstellung der Kantonsregierung soll sich auch die Universität St.Gallen mit 20 Millionen Franken an den Gesamtkosten beteiligen. Im Rahmen des Grundstückverkaufs am Platztor leistet die Stadt St.Gallen einen Standortbeitrag von 2 Millionen Franken. Für den Kanton resultiert somit ein voraussichtlicher Kreditbedarf von 158 Millionen Franken.

 

Der Kantonsrat wird die Botschaft 2018 beraten. Die Volksabstimmung ist für 2019 vorgesehen. Wie das Gebäude dannzumal aussehen wird, soll der anschliessende Architekturwettbewerb zeigen. Dieser erfolgt gemäss dem neuen Immobilienmanagement des Kantons St.Gallen nach der Abstimmung. Frühestmöglicher Baubeginn ist 2023, die Fertigstellung 2027.

 

Innovative Lernumgebung ermöglichen

 

Um den Herausforderungen der Digitalisierung und den Qualitätsansprüchen der HSG gerecht zu werden, soll auf dem Rosenberg zudem ein Learning Center neue Formen des Lernens ermöglichen. Es bietet innovative Lernumgebungen, ergänzt mit neuen digitalen Medien und schafft damit den Rahmen für lernorientierte, persönliche Begegnungen. In Gruppenarbeitsräumen und Arenen sollen zukunftsfähige Kompetenzen gefördert werden, beispielsweise die Stärkung der Sozial- und Technologiekompetenz, die Fähigkeit, Debatten zu führen sowie unternehmerisch und kreativ zu denken. Mit den 500 Lern- und Arbeitsplätzen im Learning Center kann der Raumbedarf der HSG nach einer grösseren Lernumgebung erfüllt werden.

 

Die HSG Stiftung beabsichtigt, die Finanzierung vollumfänglich über Schenkungen zu ermöglichen. Für die Erstellung, Ausstattung und Inbetriebnahme sind Gesamtkosten von rund 40 bis 50 Millionen Franken veranschlagt. Die Realisation des HSG Learning Centers ist abhängig davon, ob bis Anfang 2018 ein mehrheitlicher Teil des Betrages sichergestellt werden kann. Für den benötigten Grundstücksanteil will der Kanton St.Gallen der HSG Stiftung ein Baurecht gewähren. Als nächster Schritt startet im August der Architekturwettbewerb. Der Baubeginn ist für 2019/20 vorgesehen, damit das Gebäude für das Frühlingssemester 2022 in Betrieb genommen werden kann.

 

Der vorgesehene Standort des Learning Centers wird den Naturgarten und die Familiengärten flächenmässig nicht tangieren. Während der Bauphase können Teile der Familiengärten jedoch beispielsweise für Bauinstallationen beansprucht werden.

 

Bibliotheksgebäude wird saniert

 

Neben dem Bau des Campus am Platztor beabsichtigt der Kanton, am Standort Rosenberg das Bibliotheksgebäude zu sanieren. Nach rund dreissig Jahren Nutzungsdauer steht die erste grössere Erneuerung an. Aufgrund des Wachstums der Studierendenzahlen der vergangenen Jahre wurde das Bibliotheksgebäude stark beansprucht. Mit der Instandsetzung werden unter anderem die Haustechnik erneuert und das Flachdach vollumfänglich saniert. Zur Instandsetzung gehören auch Massnahmen im Bereich Erdbebensicherheit und Brandschutz. Die Kapazität der Bibliothek bleibt unverändert bei 3‘500 Studierenden.

 

Die Instandsetzung kostet voraussichtlich 16 Millionen Franken. Da der wertvermehrende Teil rund 1,3 Millionen Franken beträgt, unterliegt die Vorlage dem fakultativen Finanzreferendum. Geplant ist, die Vorlage für den Kantonsrat bis im Herbst 2017 zu erarbeiten. Der Kantonsrat wird über das Geschäft im ersten Halbjahr 2018 beraten. Da die Bibliothek während des Semesters stark genutzt wird, soll die Instandsetzung in drei aufeinanderfolgenden Jahren während der Sommersemesterferien realisiert werden. 2019 soll die Sanierung starten und 2021 abgeschlossen sein.

 

Bedarf ausgewiesen

 

Die Universität St.Gallen benötigt dringend mehr Raum. Der heutige Standort am Rosenberg ist für rund 5‘000 Studierende ausgelegt, das bestehende Bibliotheksgebäude aus dem Jahr 1989 sogar nur für 3‘500 Studierende. Heute sind mehr als 8‘300 Studierende an der HSG immatrikuliert. Der Universitätsrat rechnet damit, dass sich bis

2020 das Wachstum verflachen und die Studierendenzahl bei 8‘000 bis 9‘000 einpendeln wird. Darüber hinaus laufen die Baubewilligungen für die Provisorien in den kommenden Jahren aus. Die drei Projekte stärken die HSG und die Ostschweiz, da andere Kantone in den kommenden Jahren ebenfalls hohe Investitionen in ihre Universitätsinfrastruktur tätigen. Auch der internationale Bildungswettbewerb wird weiter an Dynamik zulegen.


Allgemein - Drei Bauprojekte für die Universität St.Gallen (03.07.2017 09:09)


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