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Eine starke Fachhochschule für eine starke Wirtschaft

Die Regierung des Kantons St.Gallen will die drei Fachhochschulen im Kanton St.Gallen in einer einheitlichen, interkantonalen bzw. interstaatlichen Trägerschaft zusammenführen. Dies unter Beibehaltung der heutigen Standorte Buchs, Rapperswil und St.Gallen. Mit dem Bericht «FHO wohin? – Zeitgemässe Strukturen für eine erfolgreiche Positionierung der Fachhochschulen in der Ostschweiz» begründet die Regierung ihre Absicht und beschreibt den Fokus, den aktuellen Stand sowie Rahmen und Zeitplan der laufenden Projektarbeiten.


Der Bericht richtet sich an den Kantonsrat, der zum Thema Vorstösse eingereicht und Aufträge erteilt hatte.

 

Die Regierung schlägt dem Kantonsrat zwei grundlegende Eckpunkte für eine neue Fachhochschulstruktur vor. Erstens soll für die drei Schulstandorte eine einzige Trägerschaft geschaffen werden und zweitens soll die Trägerschaft interkantonal bzw. interstaatlich sein. Der Vorschlag der Regierung ist abgestützt auf die Projektarbeiten, ein unabhängiges Gutachten und die Konsultation der benachbarten Kantone sowie des Fürstentums Liechtenstein, die heute je an einer der drei Schulen im Kanton St.Gallen beteiligt sind.

 

Ostschweizer Wirtschaft stärken

 

Fachhochschulen sind Bildungsinstitutionen, die unmittelbar mit der Wirtschaft verbunden sind. Sie bilden für die Unternehmen in ihren Einzugsgebieten die benötigten Fachkader aus und liefern ihnen über angewandte Forschung und Entwicklung sowie mit Dienstleistungen innovatives und produktives Know-how. Eine am Bildungsmarktstarke Fachhochschule trägt entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung von Industrie und Gewerbe bei. Dies gilt besonders für die in der Ostschweiz verbreiteten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die unter dem Einfluss laufender Veränderungen vor grossen Herausforderungen, aber auch vor grossen Chancen stehen. Bei der Fachhochschulentwicklung im Kanton St.Gallen muss daher die Stärkung der Ostschweizer Wirtschaft im Vordergrund stehen. Mit einer starken Fachhochschule sind aufgrund der Qualität, Attraktivität und Positionierung grössere Beiträge zur Innovationskraft zu erwarten.

 

 

Stärkung mit einheitlicher Trägerschaft

 

Die Fachhochschulen im Kanton St.Gallen stehen heute unter getrennter Trägerschaft. Sie sind im Schweizer Vergleich (neben der Fachhochschule in Chur) mit Abstand die kleinsten Fachhochschulen. Damit sind sie auf dem Bildungsmarkt zunehmend benachteiligt. Eine einheitlich getragene Fachhochschule für die drei Standorte im Kanton St.Gallen ist folgerichtig und fällig. Sie überwindet heute noch bestehende, kleinräumige institutionelle und regionale Grenzen, eliminiert die kontraproduktive innerkantonale Konkurrenzierung und ermöglicht eine kohärente Führungslinie mit klaren politischen, strategischen und operativen Entscheidungsprozessen für alle drei Standorte. Dies schafft Synergien, die für Investitionen in die unabdingbare Weiterentwicklung benötigt werden. All dies wird den Wirtschafts- und Ausbildungsraum Ostschweiz unmittelbar stärken. Die Regierung zeigt im Bericht die entsprechenden Zusammenhänge und Perspektiven auf.

 

Gewinner sind auch die Studierenden und die Regionen

 

Die neue Fachhochschule erreicht die kritische, mit anderen Fachhochschulen der Schweiz vergleichbare Grösse. Diese ermöglicht ein umfassendes und qualitativ hochstehendes Studienangebot sowie eine innovative Forschung, die in einzelnen Schwerpunktfeldern auch international als führend wahrgenommen wird. Die erhöhte Leistungsfähigkeit einer neuen, einheitlich getragenen Fachhochschule erhöht die Attraktivität für die Studierenden und kommt Industrie und Gewerbe sowie der Gesellschaft vor Ort und in der weiteren Region zugute. Standortbeiräte und ein Organisationsmodell, welches die Standortorientierung unterstreicht, bieten Gewähr, dass die wichtige Verankerung der Schulstandorte in den Regionen erhalten bleibt.

 

Kanton St.Gallen im Lead

 

Die Bemühungen zu Strukturreformen in der Fachhochschule Ostschweiz (FHO) sind nicht neu. Seit dem Jahr 2002 gab es im Rahmen der interkantonalen Zusammenarbeit mehrfach Bestrebungen, die vier Hochschulen der FHO – FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (FHS St.Gallen), Hochschule für Technik Rapperswil (HSR Rapperswil), Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB Buchs) und Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (HTW Chur) – neu zu strukturieren. Alle diese Reformversuche scheiterten jedoch an damals unvereinbaren Interessen der Träger. Im Jahr 2015 nahm die Regierung des Kantons St.Gallen das Heft in die Hand und startete Projektarbeiten zur Neustrukturierung der Fachhochschulen im eigenen Kanton. Sie tat dies auch deshalb, weil der Kanton Graubünden, einziger Kanton der FHO mit einer Schule ausserhalb des Kantons St.Gallen, auf seiner kantonalen Gesetzesgrundlage für die HTW Chur eine eigenständige Akkreditierung angekündigt und damit den Austritt aus der FHO eingeleitet hatte.

 

Wirtschaft, Nachbarkantone und Fürstentum Liechtenstein sind einbezogen

 

Die St.Galler Regierung führt zwei Projekte: ein Projekt «Trägerschaft» und ein Projekt «Neuorganisation». Ziel des Projekts «Trägerschaft» ist es, aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen die drei Fachhochschulen im Kanton St.Gallen mit Beibehaltung der heutigen Standorte in einer einzigen Trägerschaft zusammengeführt werden können. Im Projekt «Neuorganisation» wird die operative Organisation und Ausrichtung der neuen Hochschulinstitution bearbeitet. In beide Projektarbeiten sind Vertretungen der Wirtschaft und der Mitträger eingebunden. Letztere wurden vor Fertigstellung des Berichts auf der politischen Ebene bezüglich Trägerschaft konsultiert. Der nun vorliegende Bericht beschreibt zur Hauptsache den aktuellen Arbeits- und Verhandlungsstand im Projekt «Trägerschaft» und enthält ergänzend erste Überlegungen für eine mögliche Ausgestaltung der operativen Organisations- und Führungsstruktur.

 

Unabhängiges Gutachten stützt einheitliche Trägerschaft

 

Auf Veranlassung des Kantonsrates liess die Regierung im Herbst/Winter 2016/2017 flankierend zur laufenden Projektarbeit ein unabhängiges Gutachten zu drei möglichen Trägerschaftsmodellen erstellen. Das Gutachten wurde am 22. Februar 2017 veröffentlicht (abrufbar unter https://kanton.sg/gutachten-fh). Es stützt explizit die Stossrichtung des Projekts zur Neustrukturierung, namentlich eine einheitliche Trägerschaft für alle drei Schulstandorte.

 

Konkordat wenn möglich, Kantonalisierung wenn nötig

 

An den drei Fachhochschulen im Kanton St.Gallen sind bisher die jeweiligen Nachbarkantone mitbeteiligt. Im Schweizer Vergleich ist das ungewöhnlich: Überall dort, wo sich die Schulstandorte auf einen einzigen Kanton konzentrieren, ist der Standortkanton einziger Träger. Dennoch zieht die Regierung auch für eine trägerschaftlich zusammengeführte Fachhochschule ein interkantonales bzw. interstaatliches Konkordat der alleinigen Führung durch den Kanton St.Gallen vor. Ein Konkordat führt die bisherige Zusammenarbeit im Ostschweizer Bildungs- und Wirtschaftsraum fort und stärkt die bildungspolitische und wirtschaftliche Position der Ostschweiz und jedes einzelnen Mitträgers im überregionalen Wettbewerb. Als Muster für ein Konkordat bietet sich die unlängst mit Schwyz und Glarus für die HSR Rapperswil zustande gekommene trägerschaftliche Lösung an. Das Gutachten vom Februar 2017 empfiehlt seinerseits ein Konkordat, allerdings unter der Voraussetzung eines klaren Willens der Partner. Für die Regierung des Kantons St.Gallen ist eine Kantonalisierung der Fachhochschulen auf seinem Gebiet für den Fall des Scheiterns einer interkantonalen bzw. interstaatlichen Trägerschaft ein mögliches «Rückfallszenario».

 

Mehrkosten sind verkraftbar

 

Die Konkordatsverhandlungen mit den Nachbarkantonen und dem Fürstentum Liechtenstein stehen unter der Prämisse, dass diesen im Vergleich zu heute tiefere oder wenigstens keine höheren Beteiligungskosten erwachsen. Dies führt für den Hauptträgerkanton St.Gallen zu gewissen Mehrkosten, indem sich sein Anteil an der Restkostenfinanzierung von bisher rund 79 Prozent auf rund 85 Prozent erhöht. Die Mehrkosten belaufen sich im Durchschnitt vergangener Rechnungsjahre auf rund 2,74 Mio. Franken. Davon fallen rund 1,54 Mio. Franken ohnehin an, da der Kanton Graubünden aus der Mitträgerschaft der NTB Buchs aussteigt, sodass die systembedingten Mehrkosten rund 1,2 Mio. Franken betragen. Diese Mehrkosten sind nach Ansicht der Regierung verkraftbar – dies mit Blick auf den gesamten Trägerbeitrag des Kantons St.Gallen an die drei Fachhochschulen von bisher schon rund 41,1 Mio. Franken, aber auch vor dem Hintergrund, dass entsprechend dem Muster der HSR Rapperswil ein Konkordatsmodell mit vorrangigen Rechten des hauptverantwortlichen Standortkantons St.Gallen anzustreben ist. Bei einer allfälligen Kantonalisierung der Fachhochschule nach einem Scheitern der Konkordatsverhandlungen wäre mit zusätzlichen Mehrkosten von rund 4,8 Mio. Franken zu rechnen.

 

Neue Struktur soll im Jahr 2020 bereit sein

 

Der Zeitplan für die Fachhochschulreform im Kanton St.Gallen wird durch das neue eidgenössische Hochschulförderungs- und ‑koordinationsgesetz (HFKG) und durch den Aufwand für die kantonalen gesetzgeberischen Schritte bestimmt. Das HFKG verlangt, dass die Hochschulen sich bis Dezember 2022 einer institutionellen Akkreditierung unterziehen, um das Bezeichnungsrecht als Hochschule zu erlangen. Die Akkreditierung ist zudem Voraussetzung für die Ausrichtung von finanziellen Beiträgen des Bundes und damit unentbehrlich für das weitere Bestehen der Hochschulen. Nach der Behandlung des vorliegenden Berichts im Kantonsrat St.Gallen werden die Beschlüsse der Mitträger zu den Eckpunkten der neuen Trägerschaftslösung im ersten Quartal 2018 erwartet. Die parlamentarische Beratung ist für das Jahr 2019 vorgesehen. Die neue Hochschule soll ihren Betrieb am 1. September 2020 aufnehmen.

 

 

 

Die Fachhochschule Ostschweiz (FHO) heute

Die FHO entstand im Jahr 1999 durch die Konsolidierung der vormaligen, der Berufsbildung zugerechneten Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschulen (HWV) und der Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) auf dem Gebiet der Standortkantone St.Gallen und Graubünden zu folgenden vier Hochschulen:

–   FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (FHS St.Gallen), mit den Trägerkantonen St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden;

–   Hochschule für Technik Rapperswil (HSR Rapperswil), mit den Trägerkantonen St.Gallen, Schwyz und Glarus;

–   Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB Buchs), mit den Trägerkantonen St.Gallen und Graubünden sowie dem Fürstentum Liechtenstein;

–   Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (HTW Chur), mit dem Trägerkanton Graubünden.

 

Alle vier Hochschulen sind als selbständige öffentlich-rechtliche Anstalten mit eigener Rechtspersönlichkeit und dem Recht auf Selbstverwaltung ausgestaltet und im Verbund der FHO als «Holdingdach» zusammengeschlossen.

 


Allgemein - Eine starke Fachhochschule für eine starke Wirtschaft (01.06.2017 10:14)


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