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Schalmeien, Che und Henkelmänner: Roland Gretler im Kulturraum

1. Mai-Demonstration 1938 in Zürich. Foto: Emil Acklin, AFB / Gretlers Panoptikum

Roland Gretler ist ein Augenmensch, ein kritisch Hinschauender dazu. Und er ist Sammler. Seit bald fünfzig Jahren arbeitet der gelernte Fotograf und Werbegrafiker am Panoptikum zur Sozialgeschichte. Die Ausstellung im Kulturraum am Klosterplatz gibt überraschende Einblicke in seinen Kampf um Gerechtigkeit.


Was haben Schalmeien und Henkelmänner, die Martinstrompete mit dem Esstopf der Fabrikarbeiter, gemeinsam? Was tun die anmutenden Landschaftsaufnahmen der Photographischen Gesellschaft Zürich aus den Dreissigerjahren neben Bildern aus der Arbeiterbewegung? Und was hat Das Kapital in der verrosteten Blechkiste verloren?

 

Roland Gretler, 1937 geboren, in St.Gallen aufgewachsen, interessiert sich seit der Primarschule für politische Zusammenhänge, seit er sich mit Ervin Sussmann, der am gleichen Tag wie er Geburtstag hat, befreundet hat; Sussmann kommt 1944 als Überlebender des Konzentrationslagers Bergen-Belsen in seine Klasse ins St.Galler Leonhardschulhaus; hier beginnt das Leben und Wirken des politisch denkenden und handelnden Roland Gretler. Das ist ein möglicher Ausgangspunkt im Gang durch die labyrinthisch anmutende Ausstellung "Gretlers Panoptikum – Fotografie und Grafik zur Sozialgeschichte" im Kulturraum am Klosterplatz St.Gallen.

 

Eine ganze Wand im Mittelfeld gehört John Heartfield (1891 – 1968), dem Pionier an der Schnittstelle zwischen Kunst und Medien und eigentlicher Erfinder der politischen Fotomontage. "Benütze Foto als Waffe" lautet die Devise der Arbeiter Illustrierte Zeitung AJZ, in der Heartfield publizierte. Das lässt sich Roland Gretler nicht zweimal sagen. Bis heute kämpft er für das Bewusstsein in der Wirkung und Wahrnehmung von Bildern und Bilderlügen. Bis heute freut er sich aber auch über überraschende Aussagen bei assoziativen Kombinationen.

 

Nun ist der Agitator und Archivar zurück in seiner Heimatstadt und öffnet sein national und international bedeutendes Sammelwerk in ausgewählten Auszügen der Öffentlichkeit. Dazu gehören auch Fotografien in Weltformat von Hans Peter Klauser zum Arbeitsalltag in der Fabrik von Von Roll, eine pralle Sammlung an 1. Mai Produkten, kostbare Plakate zu Paris Mai 68, verschiedene Tondokumente oder auch "Schicksal", eine Bildergeschichte über ein Frauenleben 1920 von Otto Nückel, das Roland Gretler in den 80er-Jahren im St.Galler Antiquariat Lüchinger gefunden hat.  

 

Roland Gretler lebt heute in Herisau, sein Archiv lagert grösstenteils weiterhin in Zürich.

 

Die Ausstellung "Gretlers Panoptikum – Fotografie und Grafik zur Sozialgeschichte" ist in der Zusammenarbeit zwischen Roland und Annelies Gretler, Herisau, dem Verein Pantograph, St.Gallen, und dem Amt für Kultur entstanden. Für die Ausstellungsgestaltung zeichnet Johannes Stieger, St.Gallen, verantwortlich.

 

Führungen zur Ausstellung mit Alexa Lindner Margadant, sonntags und mittwochs, 15 Uhr

3., 6., 13., 17., 20., 24., 27. März und 3., 7.,10., 14., 17., 21., 24. April. Führungen mit Roland Gretler auf Anfrage: Telefon 071 222 99 64

 

In Zusammenarbeit mit dem Palace St.Gallen und dem Kinok, Cinema in der Lokremise sind ein ausgedehntes Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung entwickelt worden. Nähere Infos finden Sie im Faltprospekt zur Ausstellung.

 

Gretlers Panoptikum – Fotografie und Grafik zur Sozialgeschichte

2. März bis 28. April 2013

Ausstellungseröffnung: Samstag, 2. März 2013, 19 Uhr

Kulturraum am Klosterplatz, Klosterhof 1, St.Gallen

Begrüssung: Regierungsrat Fredy Fässler

Einleitung: Ursula Badrutt, Leiterin Kulturförderung Kanton St.Gallen

Würdigung: Peter Pfrunder, Direktor Fotostiftung Schweiz Winterthur

Zur Ausstellung: Marina Widmer, Leiterin Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz


Allgemein - Schalmeien, Che und Henkelmänner: Roland Gretler im Kulturraum (28.02.2013 09:53)


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