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Gozbert

Nr. 7

 

Gozbert

 

regierte von Ostern (20. April) 816[i] bis zu seinem Rücktritt (nach dem 14. oder 21.) Mai 837.[ii]

Wir finden Gozbertus im Professbuch CP V, 24[iii]; 798 wird unter den Zeugen (Mönche) ein Cozbert als Diakon aufgeführt[iv]; 811 als Priester[v] und in der Zeit von 813-816 als Dekan.[vi] Das Reichenauer Confraternitätsbuch hat ihn (R 43, 1) als Abt verzeichnet: Cozberth abba. Sein Bruder Hrodinus[vii] erscheint öfters in St.Galler Urkunden, die den Thurgau beschlagen, weshalb die Annahme, Gozbert stamme aus dem Thurgau, sehr wahrscheinlich ist.[viii]

 

Ratpert meldet von ihm: Cozbertus ejusdem congregationis monachus a fratribus est abba electus et ordinatus, vir statura procerus, sapientia quoque morumque dignitate praecipuus, anno ab incarnatione Domini 816 .... Erstmals wird Gozbert urkundlich erwähnt im Mai 816[ix]; er wurde also wohl um Ostern 816 gewählt.[x] Wenn auch Gozbert nicht das Diplom von 816 von Ludwig erwirkte, wie uns Ratpert glauben machen will, so hat er doch den 3. Juni 818 von diesem einen Schutzbrief und zugleich ein Immunitätsprivileg erlangt[xi]; ebenso bestätigte ihm – wie wir schon hörten – Ludwig am 19. Oktober 833 die Übereinkunft von 759/60, wie auch das 818 verliehene Immunitätsprivileg und das Recht der freien Abtswahl.[xii] Aber auch sonst zeigte sich Kaiser Ludwig dem Kloster sehr gewogen, wie die Diplome vom 4. Juni 817[xiii], 2. Juni 818[xiv], 15. Februar 821[xv], 12. Februar 828[xvi] und eventuell jenes vom 23. Januar 837 (839 ?)[xvii] zeigen, worin der Kaiser dem Gotteshause Schenkungen u. dergl. zuhält. Aber auch sonst wuchs der Besitz der Abtei, wie die 106 Schenkungsurkunden (resp. Tausch-, Kaufsurkunden etc.) zeigen. In die Regierungszeit Gozberts fallen die Urkunden Nr. 221-359 bei Wartmann.

 

Neben der rechtlichen Sicherstellung seines Klosters besorgte Gozbert auch dessen bauliche und wissenschaftliche Erweiterung. Er begann 830 den Bau der neuen St. Gallusbasilika.[xviii] Sie wurde zur Hauptsache 835 fertig erstellt und durch die Bischöfe Wolfleoz von Konstanz, Ulrich von Basel und den Abt Erlebald von der Reichenau im Beisein vieler alemannischer Grossen eingeweiht. – Gozbert wurde auch der eigentliche Begründer der Klosterbibliothek von St.Gallen, wenn auch früher schon eine Reihe Bücher da waren. Der um die Mitte des 9. Jahrhunderts angelegte Katalog weist etwa 400 Bände auf.[xix]

 

Wie Ratpert berichtet, legte das Alter Gozbert den Gedanken der Resignation nahe, die 837 erfolgte. Die letzte Urkunde, in der er erscheint, datiert vom 14. oder 21. Mai 837[xx]; sein Nachfolger erscheint erstmals am 25. Mai dieses Jahres[xxi], so dass also nur der Mai 837 in Frage kommt. Auch die Annales Alemannicae, wie die Annales Sangallenses brevissimae und majores[xxii] bezeugen das Jahr 837 als das des Rücktrittes. Gozbert war also nicht 27 Jahre lang Abt, wie der älteste Äbtekatalog sagt, sondern 21. Gozbert starb, wie die Nekrologien von St.Gallen und Reichenau übereinstimmend melden[xxiii], an einem 2. April. Man geht wohl kaum fehl, wenn man den Tod bald nach 837 ansetzt, da Gozbert dort schon als betagt geschildert wird.[xxiv] Ein vollständiges Verzeichnis seiner Mönche aus dem Jahre 895 haben wir in W. II. 69 (s. u. Die Mönche bis 1426).


 

[i] Annales Sang. brevissimi u. maj.: 816 Gozbertus abba efficitur

[ii] Ratpert c. 13, n. 55 bis c. 17, n. 79

[iii] Ein früherer (II, 5), sowie zwei spätere (X, 13 und XIX, 12) kommen in Betracht.

[iv] W. I., Nr. 151

[v] W. I., Nr. 207

[vi] W. I., Nr. 217

[vii] In W. I., Nr. 332 ausdrücklich als solcher bezeugt

[viii] Vgl. Meyer, Mitteilungen XII., p. 147

[ix] W. I., Nr. 221

[x] Über die Wahl s. unter Wolfleoz; vgl. Meyer 1. c., c. 13, Nr. 55

[xi] W. I., Nr. 234

[xii] W. I., Nr. 344

[xiii] W. I., Nr. 226

[xiv] W. I., Nr. 233

[xv] W. I., Nr. 263

[xvi] W. I., Nr. 312

[xvii] W. I., Nr. 357

[xviii] Vgl. die Literatur über den Idealplan von 820 bei den Literaturangaben

[xix] Vgl. Lehmann, Mittelalterliche Bibliothekkataloge Deutschlands und der Schweiz. I. Bd. Die Bistümer Konstanz und Chur, p. 66ff.

[xx] W. I., Nr. 358

[xxi] W. I., Nr. 360

[xxii] Monum. Germ. Scriptores I., p. 49, 69, 76

[xxiii] M. G. Necrolog. I., p. 470 resp. 274

[xxiv] Aetatis gravitas. Ein vollständiges Verzeichnis seiner Mönche (aus dem Jahre 895) haben wir in W. II. Nr. 697 (s. u. Mönche bis 1426). Über Gozbert vgl. Meyer v. Knonau, Gerold, Allgemeine Deutsche Biographie 9, 523. – Knapp, Die älteste Buchhorner Urkunde in Württembergische Vierteljahreshefte zur Landesgeschichte, XIX. Jahrg. 1910, p. 182f.

 

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