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Ulrich von Eppenstein

Nr. 28

 

Ulrich III.

 

Er regierte von Anfang September 1077 bis zu seinem am 13. Dezember 1121 erfolgten Tode.[i]

Anfangs Sept. 1077 setzte König Heinrich IV. gegenüber dem von seinem Widerpart Rudolf bestellten Lutold, der nach der Reichenau geflohen war, Ulrich von Eppenstein als Abt ein. Dieser war der Sohn des 1076 verstorbenen Herzogs von Kärnten, Marquard III., und ein Bruder des neuen Herzogs Liutold. Nach Oehem wäre er Mönch von St.Gallen gewesen; dem widerspricht aber Berthold, wie es scheint mit Recht.[ii] Ulrich war jedenfalls noch jung, nach Meyer ungefähr 30 Jahre alt, als er an die Abtei und damit an einen für Heinrich sehr wichtigen Posten kam, der in der Folge heftig umkämpft wurde.

 

Zunächst kam es zu Feindseligkeiten mit demVogt Lutold v. Regensberg.[iii] Abt Ulrich legte nämlich, um sich nach allen Seiten zu schützen, zunächst eine Befestigung an der Sitter bei Kräzern an[iv], was der Vogt zu hindern suchte. Gegen Osten hin befestigte er den Platz Heerbrugg. Indessen war Abt Ekkehard von der Reichenau, dieser heftige Gegner Heinrichs, in Italien gefangen worden (s.o.), und Heinrich setzte unsern Ulrich an seine Stelle auf der Reichenau ein (Ostern 1079). Ganz Schwaben war in zwei Parteien gespalten und der Kampf loderte mit grösster Heftigkeit auf. Ulrich griff sehr kräftig ein, und zwar vor allem gegen Berthold II. von Zähringen und Welf IV. von Bayern. Er zog gegen diese und vergalt ihnen ihre Kriegszüge nach besten Kräften, so im Linzgau gegen Markdorf, am Bodensee gegen Bregenz, über die Töss gegen Kyburg, wie auch im Thurgau draussen. An der Glatt (Burgau), wie an der Sitter (Lüthisburg) legte er weitere feste Plätze an. Doch bewährten sich diese Plätze in der Folge besonders den Angriffen der Toggenburger Herren gegenüber nicht. Ulrich musste sich zurückziehen und baute den festen Platz Rachinstein (Schwändi bei Appenzell) zu einem uneinnehmbaren aus. In diesem «Felsennest» fühlte sich Ulrich sicher, als Abt Ekkehard 1080/81 seine vier Überfälle auf St.Gallen unternahm. Erst Anfang 1081, als die Feinde in unmittelbarer Nähe von St.Gallen, auf der Bernegg, eine Feste anlegten, bricht er wieder hervor und zerstört den Platz, wobei dessen Befehlshaber, Folknand von Toggenburg, ums Leben kam. Gerade deshalb loderte aber auch der Kampf mit erneuter Heftigkeit besonders gegen Westen hin auf, wo sich der Bruder Folknands, Diethelm, zu seinem Rächer aufwarf. Es gelang Ulrich indessen, den festen Platz an der Thur wieder in seine Hände zu bringen, ja er nahm sogar die Alt-Toggenburg ein und zerstörte sie. 1083 kam es noch zu einem, freilich nicht besonders blutigen Zusammenstoss mit Diethelm bei Kräzern, worauf sich der Toggenburger zurückzog. Im folgenden Jahre lebte der Kampf erneut auf. St.Gallen wurde sogar überfallen, doch gelang es Ulrich, den Toggenburger zu umgarnen und ihn zu einer Kapitulation zu zwingen. Nochmals kam es 1086 zu einem Überfall St.Gallens durch den Zähringer Berthold II. Aber da in diesem Jahre Ulrich Patriarch von Aquileja wurde und sein Gegenabt Werinhar abdankte, kehrte doch allmählich die Ruhe wieder zurück.

 

Begreiflicherweise schädigten diese jahrelangen Kämpfe St.Gallen aufs schwerste; kein Wunder, dass deshalb viele Kirchenzierden veräussert werden mussten.[v] Was über die Herbeischaffung der Reliquien der hl. Fides von Agen nach St.Gallen durch Abt Ulrich erzählt wird, klingt sehr unwahrscheinlich.[vi]

 

Zum Lohn für seine treue Haltung verschaffte Heinrich IV. 1086 Ulrich III. das Patriarchat von Aquileja.[vii] Damit kam Ulrich auf einen für die kaiserliche Politik nicht weniger wichtigen Posten; zugleich wurde er so nächster Nachbar seines Bruders, des Herzogs Liutold von Kärnten, sowie des Markgrafen Heinrich von Istrien. Ein dritter Bruder, Hermann, war durch Heinrich zum Gegenbischof von Passau erhoben worden. Daraus erhellt, dass die Familie der Eppensteiner in der Politik Heinrichs eine sehr wichtige Stellung einnahm.

 

Für St.Gallen kehrte mit dem Wegzuge Ulrichs, der zwar die Abtei beibehielt, aber sich doch meist in seinem neuen Wirkungskreise aufhielt, eine ruhigere Zeit wieder, zumal 1088 auch Abt Ekkehard von der Reichenau starb und in Deutschland eine Annäherung der Parteien erfolgte. Freilich Berthold II. von Zähringen bewahrte seine feindselige Haltung. Als Kaiser Heinrich am 28. März 1092 auf Ulrichs Verwenden den St.Galler Mönch Arnold von Heiligenberg zum Gegenbischof von Konstanz bestellte, griff Ulrich nochmals tätig ein. Er versuchte nämlich, diesen Ende 1092 mit Gewalt in den Besitz seines Bistums zu bringen, dem damals Gebhard II. von Zähringen vorstand. Ein neuer Kampf entspann sich, in den natürlich auch Berthold II., Gebhards Bruder, eingriff. Gegenseitige Verwüstung der Gebiete folgte, doch kam Ulrich nicht an sein Ziel. Erst 1102 erfahren wir, dass Graf Heinrich von Heiligenberg, der Bruder Arnolds – der 1093 Priester und zwischen 1093 und 1097 durch den Gegenpapst Clemens III. Bischof geworden war – wieder mit den Waffen versuchte, diesen in Konstanz einzuführen, was endlich im folgenden Jahre gelang. Aber Paschalis II. belegte 1104 ihn mit dem Banne. König Heinrich V. vertrieb 1105 Arnold aus dem Bistum, in dessen Besitz er 1112 nochmals, aber vergeblich, zu kommen suchte.[viii]

 

Von Ulrich III. erfahren wir nach 1093 während vollen 29 Jahren nichts mehr. In dieses Jahr 1093 fällt auch die einzige Urkunde, die uns aus seiner Regierungszeit erhalten ist und die zeigt, wie Kaiser Heinrich IV. sich bemühte, seine Gunst und die des Stiftes sich zu erhalten. Er schenkte ihm nämlich am 12. Mai 1093 die Villa Daugendorf mit so viel Land, dass der Gesamtbesitz 30 Hofstätten ausmachte.[ix] Wie wir schon sagten, darf man wohl annehmen, dass St.Gallen in diesen Zeiten wieder bessere Tage sah. Einzelheiten erfahren wir freilich keine.[x]

 

Ulrich starb wohl am 13. Dezember 1121 zu Aquileja.[xi] Auch im St.Galler Nekrologium findet sich zum 13. Dezember der Eintrag: «Jd. Dec. Obitus Uodalrici abbatis et Aquilegiensis patriarchae, dantur tria ferula – pisces, casei, fabi – cum vino et majori leibunculo de Goucheim.» Freilich findet sich zum 2. April nochmals ein Eintrag: «Uodalricus Aquilegiensis patriarcha;» wieso, ist schwer zu sagen, doch ist jedenfalls der andere zum 13. Dezember besser beglaubigt. Ein dritter Eintrag zum 7. Oktober: «Commemoratio abbatum Uodalrici patriarchae et Uodalrici hujus nominis quarti,» weist nur auf eine kirchliche Gedächtnisfeier hin.

 

Die Regierungszeit Ulrichs III. wird im Äbtekatalog, wie in der Continuatio Cas. c. 34 auf 46 Jahre und 3 Monate angegeben, was zu hoch gegriffen ist; denn sie währte in der Wirklichkeit nur 44 Jahre und 2 Monate.


 

[i] S. Continuatio Cas. c. 21 bis c. 34; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] S. Meyer 1. c., p. 47, n.125

[iii] Möglicherweise einem Verwandten des verjagten Abtes Lutold

[iv] Über die Stelle vgl. Meyers Exkurs. – Über den Verlauf der Kämpfe vgl. Meyer, Contin. Cas. Exkurs, Die Kämpfe des Abtes Ulrich III. von St.Gallen gegen die Gregorianer, 1077-1086, Mitteilungen XVII., p. 120ff.

[v] Contin. Cas. c. 24

[vi] S. Meyer 1. c., p. 63, n. 158ff.

[vii] Die Angabe, er se ibis dahin 10 Jahre Abt gewesen, stimmt freilich nicht ganz.

[viii] S. Ladewig, Regesta Episc. Constant., p. 82/83; Meyer 1. c., p. 89, n. 235

[ix] W. III., Nr. 823

[x] Die Angabe bei J. v. Arx (Zusätze I., p. 47), dass Ulrich den St.Galler Heiligen in Aquileja ein Kloster gebaut habe, ist wohl auf eine Notiz zurückzuführen, wonach das Benediktinerstift zu Moggio im Friaul den hl. Gallus, Magnus und Otmar geweiht wurde (s. Meyer 1. c., p. 91, n. 236).

[xi] Nach einer nekrologischen Notiz in Aquileja; nach de Rubeis, Mon. eccl. Auil., Spal. 557. – Historische Beschreibung, was unter Abt Ulrich, Abt von St.Gallen, sich zugetragen, ab Anno 1077 ad A. 1123. In Archiv. Tigur. S. Gallensia T I. No. 2. – Haller III, 1304

 

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