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Otmar Kunz

Nr. 63

 

Otmar II. Kunz von Wil

 

regierte vom 20. Dezember 1564 bis zu seinem Tode, am 27. Januar 1577.[i]

 

Das am 20. Dezember 1564 versammelte Kapitel wählte Otmar Kunz zum Abte.[ii] Seine Bestätigung in Rom stiess auf einige Schwierigkeiten, weil die durch das eben beendete Konzil von Trient gestellte Forderung eines bischöflichen Informationsprozesses – aus begreiflichen Gründen, da Konstanz bis dahin nie begrüsst worden war – nicht beobachtet wurde. Durch das Dazwischentreten der Schirmorte Schwyz und Luzern und die persönlichen Bemühungen des Ritters Melchior Lussi bei Pius IV. wurden aber die Schwierigkeiten behoben. So kam es, dass die feierliche Benediktion erst am Gallustag 1565 statthaben konnte. Bei diesem Anlasse zeigte sich so recht die feindselige Haltung der Stadt St.Gallen, die genau vorschrieb, wieviele Geleitpersonen mit den offiziellen Gästen durch die Stadt ins Kloster gelassen werden durften, die ferner die städtischen Wachen wie zu Kriegszeiten verstärkte, den Bürgern sogar das Zuschauen verbot und sich selbst nur durch untergeordnete Beamte vertreten liess.

 

Gerade dieses Verhalten bewog Abt Otmar, den Plan Abt Ulrichs VII. wieder aufzunehmen und die Schaffung eines eigenen Ausganges durch die Mauer zu fordern. Trotz dem Widerspruche der Stadt gewährten die vier Schirmorte am 13. September 1566 dem Abte die Erbauung eines eigenen Tores, des sogen. Karltores. Nun wünschte aber die Stadt, dass der ganze Klosterbezirk gegen sie hin durch eine Mauer abgeschlossen würde, was mit beidseitiger Hilfe geschah. Eine 31 Fuss hohe Mauer trennte in der Folge Stadt und Kloster. Auch die gegenseitigen Lehen- und Zinsrechte wurden 1566 und 1569 ausgeschieden. Ebenso glücklich war Abt Otmar in der Beilegung von Anständen, die sich mit dem Lande Appenzell, im Rheintal und mit den im Thurgau regierenden Orten wegen verschiedenen Rechten und Ansprüchen des Klosters ergaben.

 

Unter der Einwirkung der Pest, die 1564 und wieder 1574 das Land heimsuchte, erreichte der Abt, dass die Gemeinden zur Errichtung der Siechenhäuser in Bruggen und Rorschach mithalfen. Ebenso legte er aus den fremden Pensionsgeldern, um die vielfache Not zu lindern, einen Armenfond an. Zur Regelung von Handel und Verkehr erliess er eine Reihe von zweckdienlichen Mandaten. Unter dem Einfluss des Besuches des hl. Karl Borromäus, 26. August 1570, forderte er 1571 für Wil und im folgenden Jahre für die ganze Alte Landschaft von allen die Erfüllung der Osterpflicht. Damit verschwanden die letzten Reste der Glaubensneuerung in diesen Gebieten. Die Durchführung der Tridentinerbeschlüsse lag ihm überhaupt sehr am Herzen.

Den finanziellen Stand der Abtei hob er so, dass er selbst dem Könige von Frankreich Geld vorschiessen konnte.

 

In besonderer Weise bemühte sich Abt Otmar, in seinem Kloster die Reform einzuführen; die 1566 und 1569 ausgeschieden. Ebenso glücklich schon erwähnte Errichtung der Klostermauer diente besonders auch dem Zwecke, die Klausur besser zu ordnen. Seit dem Jahre 1568 lassen sich seine besondern Bemühungen nach dieser Seite hin verfolgen, nachdem er das Jahr zuvor persönlich an der Konstanzer Diözesansynode teilgenommen hatte. Er arbeitete einen eingehenden Reformplan aus, der das gesamte klösterliche Leben umfasste. Der Besuch des grossen Mailänder Erzbischofs, der sich sehr erfreut über das, was er in St.Gallen fand, aussprach, blieb ebenfalls nicht ohne Einfluss auf das Reformwerk des Abtes.

 

Eine besondere Sorgfalt wandte Abt Otmar der Bibliothek zu, die sein Vorgänger bereits neu geordnet hatte, und die er um einige hundert Bände bereicherte, wofür er ca. 5000 fl. auslegte. Von seinen Konventualen liess er einige in Dillingen und Paris, wo er durch König Karl IX. Stipendien erhalten hatte, ausbilden. – In St. Johann liess er das Kloster, das 1568 ein Bettler angezündet hatte, wieder aufbauen.

 

So nahm das Stift St.Gallen unter Abt Otmar einen verheissungsvollen Aufschwung. Leider wurde der tüchtige Mann schon am 27. Januar 1577, erst 46 Jahre alt, zu Wil durch den Tod dahingerafft. Er fand seine letzte Ruhestätte in St.Gallen bei seinen Vorgängern.[iii]


 

[i] v. Arx III. 97ff. – Vorleben s. Konventualen Nr. 133

[ii] Wahlakten: Stiftsarchiv, Band 358

[iii] Die Akten über seine Regierung finden sich im Stiftsarchiv, hauptsächlich in Band 108, 89 und 92; ferner in Band 369: Acta Ecclesiastica, Reformatio sub Otmaro II. abbate und in Band 1013: Controversia Abbatis Othmari II. cum civitate S. Galli de anno 1566 (wegen eigenem Tor); ähnlich ist Band 1014. Hartmann Schopper, Novoforensis (v. Neumarkt), widmete dem Abte: Vita S. Otmari Abbatis carminice descripta Anno 1567. Sammlung Aichheim I. (Handschrift D 76 der Zentralbibliothek Zürich), fol. 324. Siehe Weidmann, Geschichte der Stiftsbibliothek St.Gallen, p. 431. – Über Abt Otmar vgl. Ziegler E., Abt Otmar II. von St.Gallen. Ein Beitrag zur Geschichte der Gegenreformation in der Schweiz, Zürcher Dissertation, St.Gallen, Zollikofer, 1896. – Steiger Karl, Schweizer Äbte und Äbtissinnen aus Wiler Geschlechtern, Wil 1924, p. 8. – Scheiwiler Dr. J. Al., Die Reform im Kloster St.Gallen, Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte XXII., p. 33ff. – Müller Dr. J., Karl Borromäus und das Stift St.Gallen, Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte XIV., p. 64. – Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz IV., p. 568.

 

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