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Notker

Nr. 20

 

Notker

 

regierte vom 18. Mai 971 bis zu seinem Tode am 15. Dezember 975.[i]

 

Notker war – wie wir aus Ekkehard erfahren – der Sohn eines Bruders der Äbte Thieto und Craloh und einer Schwester des Notker Pfefferkorn. Da Craloh 958 und Notker 975 hochbetagt starben, so muss Notker, als er an die Abtei kam, jedenfalls schon älter gewesen sein. Urkundlich wird er vor seiner Wahl nirgends erwähnt. Im Liber Promissionum und im Reichenauer Confraternitätsbuch begegnet uns der Name Notker öfters, so dass es schwer ist, unsern Abt herauszufinden.

 

Notker wurde Abt am 18. Mai 971, wie die Annales Sangall. maj. sagen: «Hoc anno efficitur Notkerus abba benignus.»

 

Menstrua quindenas praecedens luna kalendas

Cum fore venturas praesignat mense Theseo (= Junio).

 

Was uns Ekkehard über die Reise an den Hof der beiden Ottonen (I. u. II.) berichtet, ist geschichtlich nicht haltbar. Wohl aber empfing er am 14. August 972 die beiden Herrscher in St.Gallen. Otto II. bestätigte auch am 18. August 973 die Immunität des Klosters.[ii] Unter die Regierung Notkers – die Ekkehard im allgemeinen als eine glückliche hinstellt, wenn er auch den Abt als strengen Mann schildert – fällt jene Visitation, die uns Ekkehard (und die Annales Sang. maj. 965, 966) in so verwirrlicher Weise schon unter Abt Purchart und wiederum unter Notker schildern. Mit Abt Ruodmann von der Reichenau (972-85), von dem uns Ekkehard ein so ungünstiges Bild entwirft, mögen gewisse Konflikte vorgekommen sein; vielleicht mag auch das unter diesem Abt wieder aufblühende Inselkloster die Eifersucht der St.Galler geweckt haben. Sicherer sind die Ursachen der Zwistigkeiten in den Reformbestrebungen zu suchen, die unter Otto I. aufkamen und durch den Kaiser in manchen Klöstern, so auch in der Reichenau, gefördert wurden. Diese Reform sollte wohl auch in St.Gallen durchgeführt werden, und da ist es wohl möglich, dass Ruodmann den Kaiser aufmerksam machte. Zunächst sollte im Auftrage Ottos Abt Sandrat von St. Maximin in Trier eine Visitation vornehmen. Trotz mehrwöchentlichen Aufenthaltes in St.Gallen[iii] richtete er nichts aus. Da bestellte Otto eine eigene Kommission – angeblich aus acht Bischöfen und acht Äbten bestehend – die im April 973 nach St.Gallen kam und die nötigen Vorschriften gab. Jedenfalls sah man in St.Gallen dieses Eingreifen, das sich zum Teil aus dem von Ekkehard selbst Gesagtem als berechtigt erklären lässt, sehr ungern, und so wurde Ruodmann von der Reichenau als der Urheber dieser «Heimsuchung» hingestellt.

 

Nach Ekkehard hat Notker auch die von Anno begonnenen Mauern und Türme um die Siedlung beim Kloster vollendet. – In seine Regierungszeit fallen die Urkunden W. III. 813 u. 814.

Notker starb am 15. Dezember[iv] 975[v], nachdem er, wie der Äbtekatalog[vi] sagt, vier Jahre, sechs Monate und vier Wochen Abt gewesen war. Am 12. November des gleichen Jahres war auch Notker, der Arzt, gestorben, der mit Ekkehard I. zu den berühmtesten Mönchen der damaligen Zeit gehörte.[vii]


 

[i] Ekkehard Casus c. 122 bis Schluss und Continuatio Casuum c. 1

[ii] W. III., Nr. 813

[iii] Seit dem 15. Oktober 972. – Vgl. darüber Meyer 1. c. Exkurs III, Über die Anstrengungen Kaiser Ottos I. für die Reform des Klosters St.Gallen. – Ferner: Die Kultur der Abtei Reichenau, I. Bd, Zur Einführung in die Geschichte des Klosters, K. Beyerle, Von der Gründung bis zum Ende des freiherrlichen Klosters, p. 112/17f.

[iv] Necr.: Obitus Notkeri abbatis venerandi

[v] Annales Sangall. maj.

[vi] Bis auf einen Tag genau

[vii] Vgl. darüber Ekkehard. – Vgl. Histor.-biogr. Lexikon der Schweiz V, 311

 

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